Ärger für Horst Seehofer.
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Ärger für Horst Seehofer.

Österreich und Dänemark zeigen Lösungsweg

„Unhaltbarer“ Corona-Zustand: Grüne wettern in offenem Brief gegen Seehofer - „Immense psychologische Schäden“

  • Sabine Oberpriller
    vonSabine Oberpriller
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Fernbeziehungen mit einem Partner in einem Drittstaat sind wegen der Corona-Einreisebeschränkungen problematisch. Bei Seehofer stoßen die Paare auf taube Ohren.

  • Nach der ersten großen Corona-Welle bleiben Einreiseverbote für Menschen aus Drittstaaten bestehen.
  • Deutschland akzeptiert nur die Einreise von Ehepartnern aus Drittstaaten
  • Liebespaare tauschen sich auf Twitter unter #loveisessential und #loveisnotourism aus
  • Auf dieser Karte sehen Sie die aktuellen Corona-Fallzahlen in Deutschland

Berlin - Unter den Hashtags #loveisnotourism, #loveisessential, #liftthetravelban (zu Deutsch: „Liebe ist kein Tourismus“, „Liebe ist essenziell“, „Beseitigt die Reisebeschränkung“) tauschen sie sich auf Twitter aus: Paare die sich schon sehr lange nicht mehr gesehen, berührt und physisch Zeit miteinander verbracht haben - viel länger als die meisten sich beim Lockdown von ihren Familien und Freunden fernhalten mussten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kratzt das bisher offenbar wenig, wie aus einem offenen Brief an ihn hervorgeht. Darin fordern ihn die Bundestagsabgeordneten Stefan Liebich (Die Linke) und Dieter Janececk (Die Grünen) auf, endlich tätig zu werden.

Corona trennt Liebespaare: Deutschland lässt Partner aus Drittstaaten nicht einreisen

Für Paare, von denen einer in einem Drittstaat außerhalb der EU lebt, dauert der Lockdown an. Denn Einreisen von dort sind gemäß einer EU-Empfehlung in den meisten Ländern strikt verboten. So auch in Deutschland. Ausnahme: Ehepartner, dringende, geschäftliche Gründe.

Die Schicksale reichen von Paaren, die just jetzt zusammenziehen wollte - aber nicht zusammenkommen, bis hin zur Frau in Deutschland, die im achten Monat schwanger ist und befürchtet, dass der Vater bei der Geburt nicht dabei sein kann.

Aber auch für alle anderen ist die Zeit hart. Dass es eine psychische Belastung bedeutet, unfreiwillig vom Partner getrennt zu sein, das monieren mittlerweile Betroffene in Petitionen und auch Politiker. „Unverheiratet zu sein, bedeutet nicht, dass unsere Liebe weniger wert ist“, schreibt eine Betroffene. „Wir müssen uns sehen!“

Liebespaare wollen sich trotz Corona sehen: Horst Seehofer wehrt ab

Dänemark und Österreich haben die Einreisebestimmungen für unverheiratete Paare bereits gelockert. Hier kommt Bundesinnenminister Horst Seehofer ins Spiel, der offenbar bisher keine Anstalten machte, über entsprechende Maßnahmen überhaupt nachzudenken.

Das geht aus dem offenen Brief hervor, mit dem sich Liebich von der Linken und Janececk von den Grünen nun an ihn gewandt haben - sie haben ihn auch auf Twitter verbreitet:

Er verdeutlicht eine Vorgeschichte: So habe es bereits eine Anfrage an Seehofer gegeben, die er jedoch mit der Begründung abgelehnt habe, dass eine Prüfung der Paare zu viel Aufwand für die Grenzbeamten bedeute. Zudem beruhten die derzeitigen deutschen Einreisebestimmungen* auf einer Empfehlung der Europäischen Kommission.

Corona-Trennung: Politiker appellieren nachdrücklich an Horst Seehofer

Doch da ist der Haken: Auf die Situation aufmerksam gemacht, hat nämlich die EU-Kommissarin Ylva Johansson umgehend den Aufruf gestartet, den Begriff Partnerschaft so weit wie möglich auszulegen und auch Partnern die Einreise zu ermöglichen. - „Mit Recht“, finden Liebich und Janececk, „denn eine unfreiwillige Trennung von geliebten Menschen kann immense psychologische und physiologische Schäden nach sich ziehen.“

Europapolitiker Moritz Körner (FDP) vertritt in der Landshuter Zeitung die gleiche Ansicht: „Weder Corona noch der Bundesinnenminister sollten Liebe behindern“, sagt er dort. „Das Familienbild des Ministeriums muss endlich im 21. Jahrhundert ankommen.“

Video: Sehnsucht nach alten Eltern lässt Argentinier wegen Lockdown über den Atlantik segeln

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