Bundesinnenminister Horst Seehofer im Profil aufgenommen bei der Bundespressekonferenz zum Verfassungsschutzbericht 2020 in Berlin.
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Ein vermeintlicher CSU-Account, der gerade Aufsehen erregt, hat nichts mit Horst Seehofer zu tun.

„Endlich Dahoam“

Asyl-Zugeständnis „an den christlichen Glauben“? Nun ist klar, wer hinter Seehofer-Fake steckt

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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Man müsse „Maßstab für Integration“ bleiben, heißt es auf einem vermeintlichen CSU-Webseite – laut einem Parteisprecher ist es der „Versuch, politisch zu manipulieren“.

Update vom 30. Juni, 14.45 Uhr: Nun ist klar, wer hinter der gefälschten CSU-Webseite unter dem Titel „Endlich Dahoam“ steckt: Eine Satire-Gruppe hat ein „Bekennerschreiben“ veröffentlicht. „Unsere Kunstaktion war der Versuch, so viele Menschen wie möglich darauf aufmerksam zu machen, dass es Horst Seehofer höchstpersönlich ist, der der Evakuierung der Menschen aus den elenden Lagern im Wege steht“, heißt es in dem Schreiben der Gruppe „Creative Sisters United“, das am Mittwoch zunächst auf der Internetseite volksverpetzer.de veröffentlicht wurde.

Seit Mittwochvormittag wird auf der Seite über die Kunstaktion aufgeklärt. Dort findet sich seitdem auch ein offener Brief an die Bundesregierung, der unter anderem von Kulturschaffenden, Politikern, und Journalisten unterzeichnet wurde. Darin stellen sie drei konkrete Forderungen, bei denen es darum geht, einen Kurswechsel in der Asylpolitik zu vollziehen - „noch in dieser Legislaturperiode“.

Seehofers Asyl-“Zugeständnis an den christlichen Glauben“? Fake schlägt hohe Wellen - CSU prüft „Schritte“

München/Berlin - Innenminister Horst Seehofer (CSU) will mehr Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen - das verkündet zumindest eine Homepage unter der URL csu-endlich-dahoam.com. Doch dran ist an der Mitteilung nichts: „Achtung Fake!“, warnte Ministeriums-Sprecher Steve Alter am DIenstag auf Twitter. Denn die Webseite macht sich über die Asylpolitik des Bundesinnenministers nur lustig. Ihr Titel: „CSU - Endlich Dahoam“.

„Endlich Dahoam“: CSU prüft rechtliche Schritte gegen Fake-Account

Auch die CSU bestätigte, dass das Angebot ein Fake sei. „Es ist der Versuch, mit Fälschungen politisch zu manipulieren“, sagte ein Parteisprecher in München der dpa. Da vorgegeben werde, es handele sich um einen offizielle Seite der CSU, „prüfen wir Schritte dagegen“.

Mühe haben sich die Köpfe hinter der Aktion durchaus gemacht: Die CSU-Optik der Webseite wirkt täuschend echt. Das Seehofer-Video als Kernstück der Kampagne ist gut zweieinhalb Minuten lang, ein Sprecher ahmt darin Seehofers Stimme nach und erklärt an dessen Stelle: „Unsere deutsche Leitkultur muss weiterhin Maßstab für die Integration bleiben.“

Den Wählern sei seine Haltung diesbezüglich bekannt: „Wissen Sie, was mich an der Sache tief im Herzen schmerzt? Der Anblick von Kindern und Jugendlichen in den Flüchtlingslagern.“

Flüchtlingspolitik: Fake-Account zeigt Seehofer in Werbeclip für die CSU

Eingeblendet werden Bilder von Trachtlern in den Bergen, dann Seehofer in einer Menschenmenge, Seehofer in nachdenklicher Pose. Außerdem Szenen aus einem Flüchtlingslager, ein schreiendes Baby, kleine Jungen, die auf einer Decke im Freien schlafen. Die Stimme fährt fort: Diese Kinder bräuchten eine neue Heimat, Bildung, „eine echte Zukunft“. Über dem Video findet sich übrigens der Disclaimer „Achtung Kunst“ - allerdings sehr dezent.

„‘Endlich dahoam‘ ist das europapolitische Zugeständnis eines Heimatministers an den christlichen Glauben“, heißt es auf der Website, die im Impressum fälschlicherweise die CSU nennt. „Gemäß §23 des AufenthG erbittet der Innenminister hiermit alle aufnahmebereiten Kommunen und Städte, ihre Kapazitäten auszuschöpfen.“

Seehofer wirbt vermeintlich auf Instagram für Aufnahme von mehr Flüchtlingen

„Beginnend mit dem bekannten ‚Camp Kara Tepe‘ - ehem. ‚Moria‘ - wird der Weg für eine geordnete und sichere Einreise nach Deutschland frei gemacht. Das Bundesinnenministerium ist auf die Verteilung der Flüchtlinge vorbereitet.“ Die Adresse der Website wurde am 23. Juni registriert, der älteste Post einer gleichnamigen Instagram-Seite ist vom 30. April. Inzwischen wurde dieser Account gelöscht.

Die Aufnahme von Migranten ist schon lange ein Streitpunkt zwischen dem Bundesinnenministerium und einigen Bundesländern und Kommunen, die gerne mehr Menschen eine Zuflucht bieten würden. Ausdrücklich aufnahmebereite Kommunen haben sich im „Bündnis Städte Sicherer Häfen“ zusammengeschlossen, das derzeit 100 Mitglieder hat. (frs mit Material der dpa)

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