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Die unverhohlene Erleichterung, die in der CSU über seinen Abschied vorherrscht, wird Seehofers Leistung nicht gerecht.

Das legendäre Gespür kam abhanden

Kommentar zum Ende Horst Seehofers als CSU-Chef: Abschied vom Untoten

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Für Horst Seehofer steht der Abschied als Chef der CSU an. Die unverhohlene Erleichterung, die darüber vorherrscht, wird Seehofers Leistung nicht gerecht, meint Mike Schier, Ressortleiter Politik des Münchner Merkur.

Der ewige Horst Seehofer. Es gibt keinen Politiker, der so viele Ämter abgegeben hat und doch, einem politisch Untoten gleich, weiter im Geschäft blieb. 1998 verlor er seinen Ministerposten und ging in die Opposition. 2004 warf er im Streit um die Kopfpauschale alles hin und piesackte die eigene Partei als VdK-Chef. 2007 dann die überraschende Niederlage im Kampf um den Parteivorsitz gegen Erwin Huber – um ein Jahr später das Amt doch zu übernehmen und das des Ministerpräsidenten gleich dazu. Nun der nächste Abschied. Bundesminister bleibt er.

Mike Schier, Ressortleiter Politik des Münchner Merkur. 

Dennoch endet am Samstag eine Ära. Die unverhohlene Erleichterung, die in der CSU darüber vorherrscht, wird Seehofers Leistung nicht gerecht. Der Ingolstädter konnte (wollte?) seiner Amtszeit zwar keine Überschrift verleihen, aber er regierte mit verlässlichem Gespür für die Stimmung im Volk an der Tagespolitik entlang: Das Debakel bei der Landesbank wurde erstaunlich geräuschlos gelöst, in der delikaten Verwandtenaffäre war es der Chef, der seine mäßig einsichtige Partei vor Schlimmerem bewahrte. Und als das Land unter dem Fukushima-Schock stand, mutierte er zum Vorreiter des Atomausstiegs. Leider behielt er – wie so oft – keinen langen Atem und torpedierte später die eigene Energiewende.

CSU: Horst Seehofer könnte einen Platz zwischen den Säulenheiligen erhalten

Seine CSU führte Horst Seehofer, mit harter Hand, ein letztes Mal (?) zur absoluten Mehrheit, was ihm – mit etwas Abstand – einen Platz zwischen den Säulenheiligen Strauß und Stoiber einbringen könnte. Doch verknüpft mit ihm ist eben auch der Abstieg. Wie so oft erkannte Seehofer inmitten der Willkommenseuphorie die Sprengkraft des Flüchtlingsthemas als Erster. Doch bei der Bewältigung verkämpfte er sich so mit Angela Merkel, dass beide schweren Schaden nahmen. Immer öfter kam ihm dabei das legendäre Gespür abhanden. Höhepunkt: sein Rücktritt vom Rücktritt, der die Partei nachhaltig verstörte. Am Samstag wird sie ihn nun pflichtschuldig feiern. Bis sie seine Leistung ehrlich schätzen kann, dauert es noch.

News-Ticker zum CSU-Parteitag: Seehofer pocht auf Mitspracherecht bei Kanzlerkandidatur

Mike.Schier@ovb.net

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