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CSU hat Seehofer-Nachfolge geregelt

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Von: Christian Deutschländer

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In der CSU steht eine schnelle Entscheidung über die Nachfolge von Horst Seehofer an. Überraschend wurde eine Abstimmung für kommenden Montag angesetzt. Als Favorit gilt Markus Söder. Joachim Herrmann erwägt eine Gegenkandidatur.

München – Nach Informationen unserer Redaktion verständigte sich die Spitze der Landtagsfraktion am Abend darauf, in einer Sondersitzung am Montagmorgen den Spitzenkandidaten zur Wahl 2018 zu wählen. Die Abgeordneten favorisieren bisher offenbar klar Finanzminister Markus Söder. 

Das Vorgehen deutet darauf hin, dass Seehofer sein Amt als Ministerpräsident spätestens 2018 abgeben will. Er steht nach der ungünstigen Bundestagswahl parteiintern erheblich unter Druck. Nach unbestätigten Angaben akzeptiert er den Zeitplan der Fraktion. Ob er auch Söder als Nachfolger will, darf bezweifelt werden. Zur Stunde laufen Versuche, daran mit einem ebenfalls fränkischen Gegenkandidaten zu rütteln: Joachim Herrmann soll überredet werden, gegen Söder anzutreten. Er dementiert das nicht. „Ich äußere mich dazu erst, wenn sich Seehofer endgültig entschieden hat“, sagt der Innenminister unserer Redaktion. 

Mehrere Abgeordnete hatten am Dienstagabend kurzfristig den Druck auf Seehofer erhöht. Sie fürchteten, bei der Personalauswahl übergangen zu werden. Ernst Weidenbusch (München-Land) reichte einen Antrag ein, schnellstmöglich – bereits in der Sitzung der Landtagsfraktion am Mittwoch, 29. November, – in geheimer Wahl einen Spitzenkandidaten zu küren. In einer zweiten Abstimmung sollten die Abgeordneten festlegen, ob Seehofer vorzeitig das Amt an den Spitzenkandidaten abgeben soll. Weidenbusch zeigte sich massiv verärgert über das Taktieren Seehofers vergangene Woche, als er morgens eine Annäherung an Söder sowie die Bereitschaft zum Teilrückzug vermeldet, abends aber wieder alles einkassiert hatte. „Ich habe mich veräppelt gefühlt. Das gehört zu den Dingen, die ich nicht mag“, sagte Weidenbusch unserer Zeitung. 

Falls die Abstimmung erst am Montagmorgen stattfindet, bietet das Seehofer die Möglichkeit, bis dahin die weiteren Personalien in der Partei zu ordnen. Er will über einen Wechsel in die Bundesregierung nachdenken – in diesem Fall könnte er den Parteivorsitz wohl behalten. 

Das Beratergremium aus Theo Waigel, Edmund Stoiber und Barbara Stamm, das am Donnerstag noch mit großen Worten von Seehofer ins Leben gerufen wurde, verliert damit erheblich an Bedeutung. Bisher hatten die drei Parteigranden, untereinander nicht unbedingt eng befreundet, noch kein einziges Mal getagt, weil sie auf Auslandsreisen in Russland, den USA und Belgien weilten. Am Wochenende werden sie wohl an den Gesprächen beteiligt.

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