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„Er halst sich zu viel auf“: Horst Seehofer wirkt noch immer blass und genervt.

Termine werden zuhauf abgesagt

Blass, genervt: Was ist los mit Horst Seehofer?

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München - Was ist los mit Horst Seehofer? Als kränkelnd und beleidigt beschreiben ihn Medien. Er sagt zuhauf Termine ab.

Der Vorsitzende sprang auf und lief durch den Seitenausgang aus dem Saal, ab ins Auto. Mit Blaulicht voraus rauschte die Kolonne davon. Es war ein untypischer Abgang für den sonst volksnahen Horst Seehofer beim Aschermittwoch in Passau. Er wollte weg, schnell weg. Wie auch beim letzten Parteitag, als er kränkelte, die auf Stunden angesetzte Antragsdebatte nach wenigen Minuten abwürgte und das große Parteitreffen unvermittelt beendete. Tenor: Wenn der Bauer den Löffel zur Seite legt, ist die Mahlzeit zu Ende.

G7-Vorbesprechung in Elmau abgesagt

Auf anderen Terminen erschien er kurzfristig gar nicht erst. Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse am Montag: spontan abgesagt. Auftritt nach dem CSU-Vorstand vergangene Woche: abgesagt. Seit Monaten geplante Rede zur Außenpolitik: Stunden vorher abgesagt. G7-Vorbereitungstreffen mit Kommunalpolitikern und Medien heute in Elmau: abgesagt.

Da stimmt was nicht. In der CSU-Spitze und in den Medien wird unüberhörbar getuschelt, was mit Seehofer los sei. Blass sei er, habe sich von seiner Wintergrippe, eingefangen am ersten Dezemberwochenende, nicht erholt.

Sollte es das sein, wär’s kein Einzelfall. Auch außerhalb der Staatskanzlei laufen ein paar hunderttausend Bayern derzeit mit hartnäckigen Erkältungen durchs Land. Bei Seehofer allerdings sind, seit er 2002 fast an einem verschleppten Infekt gestorben wäre, Krankheitsfragen immer ein Politikum. Als einzige Option, nicht bis 2018 zu regieren, hält er sich stets gesundheitliche Gründe offen.

Dabei müsste ihm derzeit viel daran liegen, agil und fit zu wirken: Seehofer hat 2015 zum großen Arbeitsjahr erklärt, das über die Wahlerfolge 2017/18 entscheide. Und: Mit Markus Söder zeichnet sich ein klarer Kronprinz ab, dem eher Entschlossenheit als Barmherzigkeit nachgesagt werden. Aus Söders weiterem Umfeld war zuletzt zu vernehmen, man könne gerne auch vor 2018 schon eine Amtsübergabe machen, vielleicht schon 2016? Auch Seehofer wurde das zugetragen – ein Affront.

Seehofer haushaltet wohl mit seinen Kräften

Die Terminabsagen sprechen dafür, dass Seehofer mit seinen Kräften haushaltet. Vertraute in Partei und Staatskanzlei dementieren energisch, dass der Chef abgeschlagen wirke, er habe jede Sitzung sehr gut im Griff, lasse sich nur nach außen nicht mehr alles gefallen. Gleichzeitig führe er hinter den Kulissen extrem komplexe Verhandlungen um Länderfinanzen, Energiewende, Bundeshaushalt, Kindergeld, Erbschaftsteuer, Kopftuch und mehr. „Mörderisch“, nannte Seehofer sein Arbeitspensum mal. „Er halst sich zu viel auf“, sagt ein Minister. Nicht alle seiner Fachpolitiker seien dabei eine Hilfe. Das koste Zeit, deshalb die Absagen.

Fakt ist, dass Seehofer seine Medientermine stark zusammenkürzt. Der 65-Jährige sagt derzeit alle Interviews ab, sitzt lieber mal minutenlang mutterseelenallein im Landtag. Hintergrund ist ein handfestes Zerwürfnis: Seehofer setzte früher mehr Zeit als jeder andere Spitzenpolitiker für Gespräche mit Medien ein, fühlt sich trotzdem übermäßig kritisiert. Die erhoffte Gleichung „Viel erklären = freundliche Artikel“ ging nie auf.

Die Schlüsselszene dazu war am 3. Februar im Steinernen Saal des Landtags. Seehofer plauderte mit Journalisten, als die grüne Fraktionschefin Margarete Bause dazutrat und verlangte, er solle ins Plenum kommen statt Interviews zu geben. Er schob sie mit dem Unterarm zur Seite. In Medienberichten wurde das so geschildert, als greife er die Opposition jetzt schon tätlich an. Seehofer las es und beschloss: Mit den Journalisten rede ich nur noch das Nötigste.

CSU hat teils Verständnis - teils Sorge

In der CSU wird das teils mit Verständnis, teils mit Sorge verfolgt. Am Samstag nun treffen sich Seehofer und seine Partei mal wieder. In Bamberg steht ein „Kleiner Parteitag“ an, sonst eigentlich nur ein rituelles Treffen in gepflegter Langeweile. Diesmal wird viel in Seehofers Auftritt hineingeheimnist: Hat er die CSU noch kräftig im Griff? Genug, um bei den Neuwahlen am großen Parteitag im Spätherbst die Führung zu verjüngen und sich bestätigen zu lassen? Die Vizes Ramsauer und Gauweiler auszutauschen („Ihr oder ich“)?

Er wird zum x-ten Mal Disziplin einfordern. Das gilt auch umgekehrt: Einige Delegierte, genervt vom letzten Parteitags-Ende, wollen über Sachthemen wie die Startbahn reden statt über Seehofers Gesichtsfarbe. Auch der von der Frauen-Union mit viel Herzblut diskutierte Antrag, bedürftigen Frauen die Kosten für Verhütung abzunehmen, soll endlich beraten werden. Die Junge Union schlägt eine Masern-Impfpflicht vor. 116 Seiten hat das Antragsbuch. Keine Sorge, sagen Seehofers Leute, er halte durch.

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