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Kurz vor der Premiere in Bayreuth: Horst Seehofer sieht angeschlagen aus.

Überraschender Amtsverzicht möglich?

Horst Seehofers Herzleiden: Parteifreunde machen sich Sorgen

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München - Horst Seehofer tut alles, um seine Gesundheits-Probleme klein zu reden. Nach der Nacht im Krankenhaus wegen Herzproblemen machen sich aber viele Sorgen um den Ministerpräsidenten und CSU-Chef.

Man solle sich keine Sorgen um ihn machen, sagt Horst Seehofer nach der Nacht im Krankenhaus. Sorgen machen sich trotzdem einige – unter anderem Seehofer selbst, weil er keine Schwäche offen eingestehen mag.

Der Vorfall im dritten Akt von „Tristan und Isolde“ klingt besorgniserregend. Auf einen Notarzt gestützt, kommt Horst Seehofer aus dem Bayreuther Festspielhaus. Atemnot, Infusion, ein Rettungswagen wartet. Seehofers Mitarbeiter bitten Umstehende, kein Handy zu zücken, keine Fotos. Verdacht auf Herzinfarkt, Horst Seehofer kommt in die Klinik, liegt eine Nacht im Bett auf der Intensivstation: So schildern es Augenzeugen dem „Nordbayerischen Kurier“.

Der Verdacht hat sich nicht bewahrheitet. Seehofer war wohl nur sehr heiß im Saal, er war erschöpft nach seinem Mammutprogramm der letzten Wochen in Berlin und München. Mit Blick auf seine Krankengeschichte, die fast tödliche Herzmuskelentzündung 2002, reagiert der 66- Jährige auf Alarmsignale seines Körpers recht hellhörig. Gleichzeitig versucht er aber einiges, damit keiner irgendeine Schwäche mitbekommt.

Seehofer verzichtete auf eine Krankentrage und Blaulicht

 Im Fall Bayreuth ist das skurril. Angeblich verzichtet er am Samstagabend auf eine Krankentrage, damit sein Abgang weniger auffällt. Der Rettungswagen fährt ohne Blaulicht. Seine Beamten verbreiten auf Nachfrage am Sonntag nur, „es ging ihm nicht so gut“, ganz so, als habe er sich harmlos an einem Brezenkrümel verschluckt. Und am Montag schleppt sich Seehofer zumindest zu einem seiner öffentlichen Termine, um Journalisten zu verkünden, es gebe „nichts von Belang“.

Das Schauspiel hat handfeste politische Gründe, die über das in der Spitzenpolitik gängige Vor-Fitness-strotzen-Gehabe hinausgehen. Seehofer will den Eindruck einer Schwäche vermeiden, um die Debatte über seine Nachfolge nicht anzuheizen. In der CSU gibt es Zweifler an seinem offiziellen Zeitplan, bis Herbst 2018 Ministerpräsident und bis mindestens 2017 Parteivorsitzender zu bleiben. Vor allem der aufstrebende Finanzminister Markus Söder hätte Interesse an einem früheren Machtübergang, damit er mit Amtsbonus in den Wahlkampf gehen könnte.

Da es sich bei der CSU intern eher um ein Wolfsrudel als um eine Schafherde handelt, weiß Seehofer: Jede eingestandene Blessur gereicht ihm zum Nachteil. Er befeuert die Nachfolge-Debatte zwar gern selbst, will aber immer die Kontrolle darüber behalten. Geraune, er sei unfit, wie es schon um den Jahreswechsel in den Zeitungen stand, schadet ihm. Kombiniert mit dem Ärger, wie schlecht es für die CSU bei Maut und Betreuungsgeld lief, kann das eine explosive Mischung ergeben.

Zurückhaltend mit privaten Belangen ist die CSU in internen Machtkämpfen jedenfalls nicht. Uneheliche Kinder, eine Freundin, erhöhter Durst, angeschlagene Physis – alles schon Vorwürfe, die punktgenau und aus anonymer Quelle in den Medien landeten. Ex-Ministerpräsident Max Streibl quälte sich eigens im Jahr 1991 mit Journalisten 560 Höhenmeter auf den Berg Kofel, um seine Fitness unter Beweis zu stellen. Und auch Seehofer selbst entnahm Medien schon viel über sich: 2009 fragte ein Boulevardblatt, was los sei, weil er nach zwei Treppen gejapst habe. Nach jedem wegen Erkältung halbgaren Bierzelt-Auftritt, darunter fast alle in Passau, las er Besorgtes über sich.

Horst Seehofers Parteifreunde rätseln, wie es dem CSU-Chef geht

Die Parteifreunde rätseln nun, wie es um Seehofer wirklich bestellt ist. Das sei schon lange Thema unter den Landtagsabgeordneten, sagen auch Wohlgesonnene. „Der Stress setzt ihm zu, die Hitze“, sagt ein Kollege, kurzfristige Terminabsagen häuften sich. Andere kontern, Seehofer sei in internen Sitzungen auf die Minute genau fit und finde präzise heikle Punkte.

Das hat schon politisch Brisanz, ist mehr als Voyeurismus – Seehofer selbst stellt seinen Verbleib in der Politik in fast jedem Interview unter den Vorbehalt, „der Herrgott“ schenke ihm die nötige Gesundheit. Einige halten auch einen überraschenden Amtsverzicht für möglich. Seehofer feixt gerne, dass kein Journalist ahne, wie die Machtübergabe mal ablaufe.

Im Kabinett sagte er am Dienstag, er fühle sich fit, keiner solle sich Sorgen machen. Wirklich? Seinem Staatskanzleichef Marcel Huber rutschte gegenüber „Bild“ ein anderer Satz heraus: „Ich weiß auch nicht, was diese Unpässlichkeit auf Dauer bedeutet.“ Das war zwar weniger düster gemeint, als es sich liest – Huber gilt als strikt loyal –, sorgte in der Regierungszentrale aber für Wirbel und freute Seehofer nicht. Huber meldete sich gestern übrigens, Ironie des Schicksals, selbst krank.

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