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Hilft nur noch beten? Das Verhältnis zwischen Horst Seehofer und Markus Söder wird immer angespannter.

Warten auf den großen Knall

Spannungen zwischen Seehofer und Söder: Hilft nur noch beten?

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München - Spannungen zwischen Horst Seehofer und Markus Söder - es knistert in der CSU, das Verhältnis verschlechtert sich weiter. Hinter den Kulissen überlegt man, wie man den Knall verhindern kann.

Wandern, Radfahren, Modellbahn bauen. Horst Seehofer hat am Donnerstag seinen Urlaub angetreten – wie immer in den letzten 20 Jahren in seinem Ferienhaus im Altmühltal. Man darf für seinen Ruhepuls hoffen, dass der Politjunkie zumindest am ersten Tag auf die Zeitungslektüre verzichtet hat. „Söder hält schon mal Hof in der Residenz“, titelte die „Bild“ am Donnerstag und druckte dazu eine Fotomontage, die „König Markus I.“ auf einem goldenen Thron zeigt. Söder veranstaltet im September mal wieder einen großen Empfang. Diesmal in der Residenz. Und das Boulevard-Blatt berichtet: „Noch-Regent Horst Seehofer soll eingeladen worden sein.“

In der CSU hat man die Geschichte aufmerksam zur Kenntnis genommen. „Sowas fällt nicht vom Himmel. Die ,Bild‘ ist das verlängerte Sprachrohr von Söder“, sagt einer aus der Fraktion. Die Episode passt in die Reihe von Provokationen, die sich die beiden Alphatiere der Partei derzeit liefern. Wie berichtet geht das schon seit Wochen so. „Aber die Spannungen nehmen weiter zu“, sagt einer. „Söder wandelt auf schmalem Grat“, findet ein zweiter. „Seehofer reagiert inzwischen äußerst dünnhäutig auf den Markus“, diagnostiziert ein Dritter.

In der CSU-Telefonkonferenz krachte es heftig

Vor kurzem beispielsweise krachte es in einer Telefonkonferenz des CSU-Präsidiums heftig. Es ging um Griechenland, wobei Söder die umstrittene Grexit-Drohung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobte. Mehrfach soll Seehofer ihm dabei ungehalten ins Wort gefallen sein, bis Söder irgendwann zurückmaulte: „Wir sind hier im Präsidium – da darf jeder seine Meinung sagen.“

In der Kabinettssitzung in dieser Woche folgte der nächste Rüffel für den Finanzminister, weil der sich für seinen neuen Kommunikationsberater Michael Backhaus mal eben eine Stelle der Besoldungsgruppe B6 bewilligt hatte – rund 9000 Euro im Monat. Wenn man sonst über jede Stelle diskutiere, wäre es gut, auch bei den eigenen etwas zu sagen, soll der Ministerpräsident gemosert haben.

„Hinter dem Vorhang ist bereits ein erbitterter Machtkampf entbrannt“, heißt es in der Fraktion. Seehofer lobt schon länger bei jeder Gelegenheit Ilse Aigner – und seit kurzem auch demonstrativ Innenminister Joachim Herrmann für dessen Verdienste um den G7-Gipfel und die Asylpolitik. All das geht vor allem auf Söders Kosten, der in den Umfragen als aussichtsreichster Kandidat für die Seehofer-Nachfolge gilt. Seehofer scheint dieses Bild ändern zu wollen, Söder wiederum drückt bei der Entscheidung aufs Tempo. Mit Folgen: Aus dem Kabinett wird zuletzt öfter von schlechter Stimmung berichtet, in der Fraktion heißt es, „der Markus“ solle mal „vom Gas gehen“.

In der CSU ist überhaupt nichts auszuschließen

Jetzt ist erst einmal Sommerpause – trotz der heißen Temperaturen hofft man in der CSU auf eine Abkühlung der Stimmung. Vielleicht tut die Funkstille ganz gut. Noch immer ist nicht klar, wie und wann Seehofer den Übergang organisieren kann. Der Parteichef selbst hatte vor einigen Monaten die Möglichkeit einer Urwahl ins Spiel gebracht, so wie sie derzeit auch wieder in der SPD bei der Bestimmung des nächsten Kanzlerkandidaten diskutiert wird. „Wenn es ein Fotofinish geben sollte, gibt es die Möglichkeit, die Parteibasis einzubeziehen“, sagte Seehofer damals. Die Satzung gebe das her. Bei einigen in der Partei stößt diese Überlegung durchaus auf Zustimmung. Offen diskutiert wird – noch – nicht. Seehofer selbst präferiert inzwischen wieder eine Entscheidung in kleinerem Kreis, beispielsweise dem von ihm aufgewerteten Jour fixe.

Auch die restliche Parteiführung tendiert derzeit dazu. Einige glauben zwar, ein solch demokratischer Prozess könnte eine „befriedende Wirkung“ haben, weil alle eingebunden wären. Andere erinnern dagegen an die SPD-Basis, die einst Rudolf Scharping zum Kanzlerkandidaten gegen Helmut Kohl kürte. Mit mäßigem Erfolg. Auch Söders Gegenspielerin Ilse Aigner ist deshalb eher skeptisch: „In Baden-Württemberg hat das im vergangenen Jahr die Lagerbildung deutlich vorangebracht“, warnt die Wirtschaftsministerin, fügt aber an. „Ausschließen würde ich das nicht.“

In der CSU ist derzeit überhaupt nichts auszuschließen.

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