Modellbaubegeistert: Horst Seehofer erweitert seine Anlage seit 1995 Stück für Stück.

Der Ministerpräsident zeigt im TV seine Eisenbahnanlage

Experte warnt bei Seehofers Modellbahn vor "Absturzgefahr"

München – Manchmal sieht CSU-Chef Horst Seehofer sein bisheriges Leben an sich vorbeiziehen. Er ist dann in seinem Keller und fährt die einzelnen Stationen mit seiner Modelleisenbahn ab.

Der Bonner Hauptbahnhof symbolisiert die Jahre in der ehemaligen Hauptstadt, ein Krankenhaus seine Zeit als Gesundheitsminister, und die Haltestelle Schwarzburg steht für Bayern. Die Modellanlage hat Seehofer selbst geschreinert, die Elektrik selbst gelegt. Für ein TV-Porträt hat der Ministerpräsident nun dem ARD-Journalisten Reinhold Beckmann seine Eisenbahn gezeigt. Gesendet wird der Beitrag heute um 22.45 Uhr. Im Gespräch mit unserer Zeitung bewertet Gerd Mombrei vom Modellbahnverband in Deutschland vorab schon einmal das Werk des Bastlers Horst Seehofer.

Ist Horst Seehofer selbst Mitglied in Ihrem Verband?

Mombrei: Nein. Ich bin auch im Eisenbahnverein Ingolstadt, da ist er auch nicht dabei. Er hat mir einmal gesagt, als Ministerpräsident müsste er dann ja überall Mitglied sein.

Sie kennen sich?

Wir haben nur mal auf einer Jubiläums-Veranstaltung kurz gesprochen.

Kannten Sie seine Bahn schon?

Nein, die hat er ja bisher sauber geheim gehalten. Ich wusste nur, dass er sie hat.

Wie beurteilen Sie Seehofers Werk den Bildern nach?

Es ist eine schöne große Anlage mit vielen Fahrmöglichkeiten.

Aber?

Es fehlt halt komplett die Geländegestaltung.

Die Details?

Genau, die Bäumchen und solche Sachen. Diese Bahn ist unfertig.

Ist das aus Modellbauer-Sicht eine Sünde?

Das ist erstmal Typsache. Er legt offensichtlich Wert darauf, dass er eine Anlage hat, mit der er fahren kann. Ich habe zum Beispiel einen Bekannten, der ist sehr detailverliebt. Der baut seit fünf Jahren an seiner Anlage und es sind noch keine zwei Meter fertig, weil er jeden Grashalm einzeln hinfuselt. Horst Seehofer ist offenbar genau der gegenteilige Typ. Dazwischen gibt es viele Abstufungen.

Was würde Ihr detailverliebter Bekannter zu Seehofers Bahn sagen?

Er fände die Anlage vermutlich fürchterlich. Er gehört ja zu den ganz Eingefleischten. Die meisten von uns sind aber relativ offen. Das Zeitproblem kennen wir schließlich alle. Wenn auch wahrscheinlich nicht so sehr wie Herr Seehofer.

Wird Horst Seehofer seine Anlage eines Tages fertigstellen?

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass er sie jemals fertig kriegt.

Warum nicht?

Selbst wenn er in den nächsten beiden Jahren in Pension geht, was ich nicht glaube, wird er mit Sicherheit auch als ehemaliger Ministerpräsident so viel zu tun haben, dass er nicht die Zeit hat, sich da reinzuknien. Und da muss er sich reinknien.

So viel Handlungsbedarf?

Wenn ich mich mit einem Freund zusammentue und fleißig bin, brauche ich zwei Jahre um eine Anlage dieser Größe schön auszugestalten. Dazu muss man aber schon wirklich fleißig sein.

Wo würden Sie ansetzen?

Ich würde die Anlage vor allem begrünen. Auch um das Gebäude, das wohl ein Bauernhof werden soll, ist viel zu tun. Und das Krankenhaus steht auch noch recht einsam in der Gegend rum. Zudem muss ich sagen: Es gehört ein gewisser Mut dazu, auf so schmalen Trassenbetten Züge fahren zu lassen.

Sie erkennen Sicherheitsmängel?

Er hat ja nicht nur ganz wertlose Sachen. Die würde ich darauf nicht fahren lassen. Es besteht Absturzgefahr, er sollte vielleicht über einen Fangzaun nachdenken.

Interview: Sebastian Horsch

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