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Gar so gute Freunde? Edmund Stoiber und Horst Seehofer erzählen eine Geschichte

Neue Loungemusik, alte Legenden

Seehofer stellt sich Stoibers Heimat

München - Horst Seehofer präsentiert sich dem Volk - und lässt sich befragen. Am Donnerstag in Wolfratshausen, wo Stoiber bekundet: Den wollte ich schon immer!

So sieht das also aus, wenn eine Volkspartei locker sein will. Hunderte Gäste in einer grobgeziegelten Industriehalle, an der Bar verkaufen sie Afri-Cola und Desperados, unaufdringliche Loungemusik dudelt. Nur der Refrain klingt vertraut: „Heit gibt’s a Reh-Ragout, Reh-Ragout“, säuselt die Jazz-Stimme. Auch das Logo vorne an der Wand kennt man: CSU.

In München setzt Horst Seehofer seine „Direkt“-Reihe fort: Der Ministerpräsident stellt sich dem Volk, ein aus dem US-Wahlkampf („Town-hall-Meetings“) abgeschautes Konzept. Und zwar unvermittelt, ohne lange Vorrede, ohne die Themen bestimmen zu können. Letzteres ist ein Risiko – das merkt er in München nach drei Fragen. Ein Niederbayer klagt, der Seehofer lasse sich nie in seiner Heimat blicken. Eine schimpft auf „de Hanswurschtn da in Berlin“. Eine Rentnerin, den Tränen nahe, fragt ihn, wie sie von 660 Euro im Monat leben soll.

Seehofer antwortet ernst, konzentriert, erzählt vom Schicksal seiner Eltern („arm, kinderreich“). Er klagt über die hohen Lebenshaltungskosten in München, gibt sich kundig in den Sorgen der kleinen Leut’. Sein Büroleiter sammelt Adressen, wo es etwas nachzubereiten gibt.

Im Erzählmodus berichtet Seehofer ab und zu, wie Politik so läuft, gewährt einen Blick hinter die Kulissen. Das neue Format, Mittwochabend zum ersten Mal in Oberbayern, ist freilich selbst eine große Inszenierung – und sie geht Donnerstag weiter. Nächster Halt von „Seehofer direkt“ ist ausgerechnet Wolfratshausen, der Heimatort von Vorgänger Edmund Stoiber. In der Loisachhalle wird am Abend nochmal die große Einigkeit der CSU-Granden beschworen. Dass ein gutes Ergebnis im CSU-Kernland Oberbayern nur mit, nicht aber gegen Stoiber zu erzielen ist, hat Seehofer seit einigen Monaten verinnerlicht. Passend dazu gibt es auch eine neue Legende über Stoibers Sturz in Kreuth 2007: Er habe freiwillig gehen wollen, sei aber nicht gelassen worden.

Das BR-Magazin Kontrovers zitiert beide, Stoiber habe geplant, 2009 den Parteivorsitz an Seehofer weiterzugeben. Der Sturz Anfang 2007 kam demnach dazwischen. „Es war eigentlich abgesprochen, dass ich wohl 2009 nicht mehr zum Parteivorsitzenden kandidieren werde und dass für mich nur Horst Seehofer als Nachfolger in Frage kommt“, sagte Stoiber, das „war klare Sache“. „So war es besprochen“, bestätigte Seehofer. „Wenn es dabei geblieben wäre, hätten wir uns manchen Kummer und Ärger erspart.“

In der Partei wird die neue Deutung unterschiedlich aufgenommen. Von Stoiber nämlich sind auch Signale bekannt, er habe bis mindestens 2011 amtieren wollen. Und von Seehofer nicht immer viel gehalten. „Geschichtsklitterung“, urteilen hohe Parteifreunde, spotten über einen „Geheimbund“. Andere klagen, drei Wochen vor der Wahl sei ein denkbar falscher Zeitpunkt, um alte Geschichten aufzuwärmen.

Einer, den das unmittelbar betrifft, ist Erwin Huber: Er wurde 2007 in einer Kampfkandidatur gegen Seehofer Parteichef. Er könne sich „nicht erinnern, dass in den Gremien der CSU davon je die Rede gewesen ist. Mir ist das absolut neu.“ Aber, so sagt Huber: „Vorstellen kann ich mir das schon."

Christian Deutschländer

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