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Der erste Parteifreund hat zugeschlagen. Nach der Attacke von Erwin Huber sollte CSU-Chef Horst Seehofer mit weiterer Kritik rechnen. Er hat viele Gegner und Skeptiker in den eigenen Reihen.

Schatten aus der Vergangenheit

Horst Seehofer und seine Feinde

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München - Der erste Parteifreund hat zugeschlagen. Nach der Attacke von Erwin Huber sollte CSU-Chef Horst Seehofer mit weiterer Kritik rechnen. Er hat viele Gegner und Skeptiker in den eigenen Reihen. Ein Überblick.

Es gebe „keinen Aufstand“, beruhigte Erwin Huber, „wir sind keine revolutionäre Partei“. Wer den Rest seines „Spiegel“-Interviews nachliest, wird aber feststellen: Es ist der Aufruf zur Revolte. In scharfen Worten rechnet der Ex-Chef mit dem Vorsitzenden Horst Seehofer ab, kritisiert Stil, Inhalte, fordert „Anstand und Sensibilität“. Huber macht klar, dass er vielen Kollegen aus der Seele spreche. Tatsächlich sammelt Seehofer Gegner in der CSU. Ein Überblick über Freund (lächelndes Bild) und Feind (verärgert).

Alexander Dobrindt: Der Ex-General, von Seehofer nach den Wahlsiegen in Bund und Land zum Bundesminister befördert, ist ein strikt loyaler und kampfbereiter Statthalter in Berlin. Der Oberbayer könnte 2015 zum Parteivize aufsteigen. Seine Rolle als Kronprinz verdankt er Seehofers stetem Lob – das floss sogar in der legendären Weihnachtsfeier 2012, als Seehofer viele Parteifreunde abmeierte.

Andreas Scheuer: Der Generalsekretär ist Kraft Amtes loyal und darf eh froh sein, Seehofers Gunst trotz Doktor-Schlagzeilen und Europawahl-Klatsche nicht verloren zu haben.

Christine Haderthauer: Die Staatskanzlei-Chefin ist im Alltagsgeschäft eine enge Vertraute des Ministerpräsidenten, nimmt ihm einiges an Arbeit ab. Eine kritische Distanz bleibt, öffentliche Kritik äußerte die Ministerin bisher aber nie.

Beate Merk: Dankbarkeit in der Politik? Gibt es. Die Europaministerin ist einfach froh, trotz diverser Ärgernisse im Justizressort noch im Kabinett zu sein. Ähnlich geht es mehreren Kollegen. Ihre Posten hängen an Seehofers Gnade.

Ilse Aigner gilt als Seehofers Favoritin für seine Nachfolge. Die Wirtschaftsministerin musste sich nach ihrem glücklosem Start einige Rempeleien des Chefs gefallen lassen, keilte aber nie ernsthaft zurück. Aigner will sich ein Stück von Seehofer emanzipieren, aber sich nicht überwerfen.

Alfred Sauter: Der Abgeordnete ist der engste Vertraute Seehofers im Landtag. Lehnte Ministerposten auch aus seinen erheblichen wirtschaftlichen Eigeninteressen ab, gibt aber Rat.

Thomas Kreuzer führt die Landtagsfraktion, wurde dort installiert von Seehofer, wagt aber dosiert Widerworte. Auffällig allerdings: Kreuzer, der auch die Seehofer-Kritiker in seiner Fraktion vertreten muss, springt dem von Huber angerempelten Regierungschef mit bisher keinem Wort zur Seite.

Erwin Huber und Seehofer verbindet tiefer Hass. Sie waren mehrfach Konkurrenten, Seehofer wollte den nimmermüden Huber vom Chefposten des Wirtschaftsausschusses vertreiben – und scheiterte.

Peter Ramsauer:  Von Seehofer als Bundesminister gekippt. Der Oberbayer, der den Wirtschaftsausschuss im Bundestag leitet und Parteivize ist, setzt nun alle paar Wochen per Interview Nadelstiche.

Hans-Peter Friedrich wurde von Seehofer und vor allem Merkel in der Edathy-Affäre als Minister geopfert – gegen seinen Willen. Das schmerzt. Friedrich, der die CSU Oberfranken führt, dosiert öffentliche Kritik aber vorsichtig.

Manfred Weber hat neulich in einem Gastbeitrag einen kleinen Aufstand gewagt. Seitdem schweigt er. Ist auch sehr in Brüssel beschäftigt. Seehofers wendiger Politstil passt nicht zur ruhigen Art des Niederbayern, aus dessen Bezirk etliche Kritiker kommen.

Markus Ferber und Seehofer verbindet fast nichts. Im Europawahlkampf galt Waffenstillstand. Seehofer betrieb auch Ferbers Sturz in der Europagruppe nicht aktiv. Der Friede dürfte indes nicht lang halten.

Markus Söder  gibt sich derzeit so ruhig und lammfromm, dass er kaum wiederzuerkennen ist. Seehofers Schmutzeleien hat der Franke nicht vergessen, aber solange er Profiteur sein könnte, schweigt Söder.

CSU-Landesgruppe:  Unter den Berliner Abgeordneten hat Seehofer viele Skeptiker. Geschäftsführer Max Straubinger, eng vernetzt mit Huber, ist nur einer von vielen, die sich Einmischungen aus dem fernen München verbitten.

Thomas Goppel: Von Seehofer 2008 als Minister unsanft geschasst – hält sich aber im Landtag und übernahm nun sogar die große CSU-Senioren-Union. Ein Posten, von dem aus man Seehofer mit Wortgirlanden ärgern kann.

Die Junge Union verhält sich still (ebenso wie die Junge Gruppe im Landtag). Landeschef Hans Reichhart erlaubte sich nur in der Schul-Debatte Kritik und verdutzte Seehofer.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

UND MIKE SCHIER

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