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Horst Seehofer (CSU) und Christian Ude (SPD).

Bayern-SPD fällt unter 20 Prozent

Wahljahr startet für Seehofer-Jäger mit Watschn

München - Das Wahljahr beginnt ernüchternd für Horst Seehofers Jäger. Die SPD sinkt in der neuen BR-Umfrage auf 19 Prozent, die CSU könnte sogar alleine regieren.

Es ist der Vormittag der kleinen Zettel. In Kreuth steckt der Büroleiter dem Ministerpräsidenten ein Blatt mit einigen Zahlen zu, eine 47 steht oben. In München erhält der Fraktionsvorsitzende ein gelbes Post-it, er klebt es liebevoll auf seinen Besprechungstisch und streichelt einmal drüber. Bei der SPD läuft es ein wenig moderner: Spitzenkandidat Christian Ude und Landeschef Florian Pronold, die gerade am Flughafen auf die Maschine nach Hannover warten, bekommen eine SMS. Auch sie sehen oben eine 47. Für die CSU. Und dann die 19. Für ihre SPD. „Überrascht hat mich das nicht“, behauptet Pronold hinterher.

Sie alle haben die Daten von Infratest dimap mit Spannung erwartet, viele haben am Vorabend schon ihre Kontakte bemüht, um früher an die Prozente zu kommen – vergeblich. Die Umfrage, für geschätzt etliche zehntausend Euro beauftragt vom BR-Magazin „Kontrovers“, gilt als eine der wenigen wirklich ernst zu nehmenden Erhebungen der Landespolitik. Regierende und Opposition hatten zuletzt hinter vorgehaltener Hand geraunt: Ja, diese Prozente seien verlässlich.

Die Essenz der Daten ist klar: Die CSU steuert auf die absolute Mehrheit der Mandate zu. 47 Prozent, so raunen schwarze Strategen, hätte man sich als Zahl selber nicht besser ausdenken können – genug, damit die um ihre Sessel fürchtenden Abgeordneten nicht aufbegehren, aber nicht so viel, dass sie versucht wären, sich zurückzulehnen. Optimal dafür, dass sich Parteichef Horst Seehofer tarzanesk auf die Brust hauen kann: „Alle Strategien gegen mich sind gescheitert“, verkündet er. Der in den Medien erhobene Vorwurf der Wendigkeit werde von der Bevölkerung nicht geteilt.

In der CSU wiederholen sie nun die guten Ratschläge für die bei drei Prozent dümpelnde Bayern-FDP: Personalquerelen im Bund einstellen! Arbeiten! Mit leiser Häme wird quittiert, dass das Festhalten an den Studienbeiträgen den Liberalen kein einziges Pünktchen brachte. Wer geglaubt habe, sagt CSU-Fraktionschef Georg Schmid und klopft auf seinen gelben Zettel, „dass er dadurch einen schnellen Gewinn machen könnte, der muss sich jetzt Gedanken machen“. Zwar sind 25 Prozent der Bayern für den Erhalt der Studienbeiträge (72 Prozent dagegen), FDP wählen wollen die allermeisten davon aber nicht.

Die FDP allerdings will hart bleiben. Sie sieht den Grund für ihren schlechten Wert nur in der Bundespolitik. Infratest fragte an vier Tagen rund um Dreikönig, also mitten im Rösler-Zoff der Bundespartei. „Die wenig hilfreiche Personaldiskussion der FDP-Bundesspitze überlagert derzeit unsere beachtlichen liberalen Regierungserfolge in Bayern“, klagt Fraktionschef Thomas Hacker. Erfolge allerdings mag der Wähler offenbar nicht anerkennen: Laut Umfrage sind 67 Prozent der Bayern zufrieden mit der Staatsregierung, aber nur 14 Prozent mit der Arbeit der FDP-Minister.

In der Opposition ist die Stimmungslage gespalten: Die Grünen jubeln euphorisch, dabei entsprechen ihre guten 14 Prozent exakt dem Vorjahreswert. Die Freien Wähler halten sich konstant bei neun Prozent, ihre Basis bevorzugt aber mit übergroßer Mehrheit von 82 Prozent ein Bündnis mit der CSU. Und die SPD versucht, das Umfrage-Ergebnis nach Kräften zu ignorieren. „Es gibt einen Wettbewerb der Demoskopen“, sagt Fraktionschef Markus Rinderspacher lapidar. „Und die Ergebnisse schwanken zwischen jauchzen und zu Tode betrübt.“ Tatsache sei: Die CSU liege fünf Prozentpunkte vor den Oppositionsparteien SPD, Grüne und Freie Wähler. „Wenn jeder von uns einen Prozentpunkt zulegt, ist Ude Ministerpräsident.“

Landeschef Florian Pronold glaubt ohnehin, dass es auf den Endspurt ankomme: „Die letzten Wochen des Wahlkampfs entscheiden. Vielleicht sogar die letzten Tage.“ Auch dafür lassen sich belastbare Zahlen finden: 2008 sah der Bayerntrend die CSU bei 52 Prozent – bei der Wahl neun Monate später waren es nur 43,4. Die Überschriften lauteten damals: „Beckstein kann mit absoluter Mehrheit rechnen.“

Von Christian Deutschländer und Mike Schier

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