Ein Mann benutzt ein Smartphone vor einer weißen Wand mit Huawei-Logo.
+
Huawei war mit seinen Smartphones weltweit auf Erfolgskurs. Durch die US-Sanktionen brach das Geschäft ein.

„Wir haben keinerlei böse Absichten“

Huawei am Pranger: Ein Unternehmen als Sinnbild der China-Angst - doch was ist an den Vorwürfen dran?

  • Christiane Kühl
    vonChristiane Kühl
    schließen

Huawei ist eine der umstrittensten Firmen der Welt. Es gibt Angst vor Datenklau und Plagiatsvorwürfe. Bei all dem spielt aber auch die Politik eine Rolle.

  • Chinas umstrittener Telekomausrüster Huawei bleibt im Fadenkreuz des Westens.
  • Es gibt Vorwürfe wegen Datenklau und Furcht im Westen vor Datenweitergabe an Peking.
  • Huawei-Chef Ren Zhengfei sieht kein Sicherheitsrisiko: „Wir haben keine bösen Absichten.“

Shenzhen/Washington - Huawei ist eines der umstrittensten Unternehmen der Welt. Der Technologieriese aus Shenzhen im tiefen Süden Chinas hatte mit seiner preiswerten und technisch guten Telekommunikations-Ausrüstung und modernen Smartphones eine erstaunliche Erfolgsstory hingelegt - sah sich aber auch immer Plagiatsvorwürfen oder dem Verdacht der Datenspionage ausgesetzt.

Derzeit ist Huawei zudem in eine diplomatische Krise zwischen den USA, Kanada und China verwickelt, weil die Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou im Dezember 2018 im kanadischen Vancouver auf Geheiß der USA festgenommen wurde. Es geht um Bankenbetrug. Seit 2019 haben die USA Huawei komplett aus dem heimischen Markt gedrängt und von allen amerikanischen Lieferketten abgeschnitten. Auch in der EU wird die Teilnahme Huaweis am Aufbau der neuen 5G-Telekomnetze zunehmend in Frage gestellt.

Huawei: Westliche Regierungen wollen Risiko des Datenklaus aus 5G-Netzen vermeiden

Was genau sind die Vorwürfe gegenüber Huawei? Cyber-Spionage aus China, Russland und anderen Ländern ist seit Jahren ein Problem. Hacker und Trolle spionieren immer wieder westliche Firmen aus oder stören unsere Demokratien. Ob Huawei-Technologie dabei genutzt wurde oder das Unternehmen gar direkt an Hacks beteiligt war, ist aber nicht bekannt. Es geht dem Westen im Umgang mit Huawei also auch darum, Risiken von vornherein auszuschließen - vor allem bei 5G. 5G-Netzwerke ermöglichen alles von mobilen Hochgeschwindigkeits-Downloads bis hin zur Vernetzung autonomer Fahrzeuge. Amerikanische und europäische Sicherheitsbeamte haben Bedenken, Huawei oder seinen chinesischen Konkurrenten ZTE an solch sensiblen Systemen zu beteiligen. Denn Peking soll auf keinen Fall unbefugten Einblick bekommen. Die USA befürchten, die chinesische Regierung könne Huawei auch gegen dessen Willen zur Herausgabe von Daten aus den 5G-Mobilfunknetzen zwingen.

Als Gefahr für Datenlecks gelten sogenannte „Backdoors“ - Hintertüren, die eine Methode zur Umgehung von Sicherheitskontrollen darstellen, um auf ein Computersystem oder verschlüsselte Daten zuzugreifen. Backdoors kommen in Netzwerkgeräten und -software häufiger vor, weil Entwickler sie zur Verwaltung der Ausrüstung erstellen. Sie könnten aber eben auch von Angreifern ausgenutzt werden.

Huawei-Gründer Ren Zhengfei: „Unsere Netzwerkausrüstung ist sicher.“

Huawei weist ebenso wie ZTE diese Sicherheitsbedenken zurück. „Unsere Netzwerkausrüstung ist sicher. Wir haben keinerlei böse Absichten“, sagte Huawei-Gründer und Chef Ren Zhengfei im Februar 2020. Ren betont immer wieder, dass Huawei keine Daten an die Regierung liefere und dies auch in Zukunft ablehnen würde. „Wir würden Huawei lieber schließen als irgendetwas zu tun, das den Interessen unserer Kunden schadet, nur um Gewinn daraus zu ziehen“, so Ren. Anfang Februar forderte der 76-Jährige die neue US-Regierung unter Präsident Joe Biden zu einer offeneren Politik gegenüber chinesischen Firmen auf. „Unser Unternehmen hat nicht die Energie, sich an diesem politischen Whirlpool zu beteiligen. Wir bemühen uns um gute Produkte “, sagte er vor chinesischen Journalisten. Bidens Vorgänger Donald Trump hatte das scharfe Vorgehen gegen Huawei gepuscht.

Huawei wird im Westen stets eine ungute Nähe zur chinesischen Regierung unterstellt. Dies mag auch daher rühren, dass Ren Zhengfei früher Offizier bei der chinesischen Armee war und seit 1978 Mitglied der Kommunistischen Partei. Viele Unternehmer in China sind Parteimitglied - so etwa auch Alibaba-Gründer Jack Ma.

Huawei: Diplomatische Krise um Rens Tochter mitten im Handelskrieg zwischen den USA und China

Die schwierigste Situation für Ren Zhengfei persönlich ist der Hausarrest von Meng Wanzhou in Kanada. Die Huawei-Finanzchefin ist seine Tochter. Seit ihrer Festnahme 2018 kämpft Meng gegen eine Auslieferung an die USA. Im März findet die nächste Anhörung dazu statt. Die USA werfen der 48-Jährigen Bankbetrug vor. Meng Wanzhou soll demnach die Großbank HSBC über die Geschäftsbeziehungen von Huawei im Iran in die Irre geführt haben - mit der Folge, dass die Bank unwissentlich gegen US-Sanktionen verstieß. Meng weist die Vorwürfe zurück. Die USA und China machen Druck auf Kanada. Peking bezeichnete die mitten im Handelskrieg zwischen China und den USA erfolgte Festnahme als politisch motiviert. Kanada wiederum kritisiert die Festnahme zweier in China arbeitender Kanadier, Michael Kovrig und Michael Spavour, als Racheakt Chinas. Beide sitzen bis heute in Peking in Haft. Das ganze ist längst auch eine politische Krise.

Huawei: Gegründet 1987 von Firmenpatriarch Ren Zhengfei

Ren Zhengfei hatte Huawei 1987 in Shenzhen gegründet und seither stetig expandiert. Huawei setzte früher als andere chinesische Firmen auf eigene Forschung und Entwicklung und hält viele Patente. Im Ausland verkaufte Huawei seine Telekommunikationsausrüstung zunächst vor allem in Entwicklungsländern in Asien oder Afrika. Erst dann begann es, auch in die voll entwickelten Märkte Europas einzusteigen. Vor ein paar Jahren startete Huawei dann mit Entwicklung und Verkauf von Smartphones. Das Unternehmen hat eine besondere Eigentumsstruktur; die Firma gehört neben Ren auch seinen Mitarbeitenden und ist nicht an der Börse.

2019 wähnte sich Huawei noch auf der Erfolgsspur. Gut 90 Aufträge im Zusammenhang mit dem Aufbau von 5G-Netzwerken hatte das chinesische Unternehmen Anfang 2019 weltweit in der Tasche - davon etwa die Hälfte in Europa. 2019 gehörte Huawei zu den drei größten Verkäufern von Smartphones in der Welt - einschließlich der preiswerteren Submarke Honor. Huawei-Smartphones waren auch in Deutschland beliebt; die Deutschland-Zentrale sitzt in Düsseldorf.

Huawei-Firmenzentrale in Deutschland. Berlin hat noch nicht entschieden, ob Huawei beim 5G-Aufbau dabei sein darf.

Huawei: Immer wieder konkrete Vorwürfe des Datenklaus

Doch neben dem mutmaßlichen politischen Risiko, das sich um Huawei rankt, gibt es auch immer wieder konkrete Vorwürfe gegen das Unternehmen. 2004 etwa entdeckte ein Sicherheitsspezialist namens Brian Shields der kanadischen Nortel - einem Konkurrenten Huaweis, der 2009 pleite ging - dass Computer aus China mithilfe von Passwörtern mehrerer Nortel-Manager hunderte Dokumente der Firma heruntergeladen hatten. „Es gab nichts, was sie nicht hätten nehmen können“, sagte Shields dem Tech-Magazin Wired. Huawei wies eine Verwicklung zurück.

2019 berichtete Bloomberg, dass Vodafone Backdoors in verschiedenen Netzwerkgeräten von Huawei gefunden habe. Vodafone dementierte diesen Bericht. Huawei wiederum sagte in einer Stellungnahme, dass es 2011 und 2012 auf Schwachstellen aufmerksam gemacht wurde und diese damals beseitigte. Ob es sich dabei wirklich um Backdoors handelt, blieb unbeantwortet. Im Dezember 2020 berichtete die Welt am Sonntag, dass Mitarbeitende in der Münchener Huawei-Niederlassung von einem Vorgesetzten zu Spionage-Tätigkeiten gegen den Konkurrenten Cisco gedrängt wurden. Auch diesen Bericht wies das Unternehmen als falsch zurück. Juristische Folgen hatten all diese Vorwürfe bisher nicht.

Huawei in China: Vorwürfe um „Uiguren-Alarm“ eines Kunden

Schlimmer für das Image des Konzerns ist der Vorwurf, Huawei habe eine Gesichtserkennungssoftware getestet, die automatisierte „Uiguren-Alarme“ an Regierungsbehörden senden könnte, wenn seine Kamerasysteme Mitglieder der muslimischen Minderheit in der Region Xinjiang identifizieren. China überwacht in Xinjiang mit tausenden Kameras die Uiguren, von denen nach verschiedenen Studien bis zu einer Million in Umerziehungslagern interniert sind. Wie sie mit dieser Situation in Xinjiang umgehen sollen, ist eine der Kernfragen für die Regierungen in Europa und Nordamerika in ihrem Umgang mit China.

Aufgrund des „Uiguren-Alarm“-Vorwurfs beendete der französische Fußballstar Antoine Griezmann vom FC Barcelona sofort seinen Sposorenvertrag mit Huawei. Huawei musste die Existenz der Technologie einräumen, die von einem Kunden genutzt werde. „Wir hatten aber nie die Absicht, zu einem diskriminierenden Verhalten gegenüber Minderheiten beizutragen“ sagte der Huawei-Nordeuropa-Vizepräsident Kenneth Fredriksen im Januar in der dänischen Zeitung Politiken. „Wir haben aus diesem Fall gelernt, dass wir noch vorsichtiger sein müssen, wem und wie wir unsere Technologie zur Verfügung stellen“,

Arbeiter packen Kartons vor einer Huawei-Filiale. In China selbst wird das Unternehmen weiterhin aktiv sein.

Huawei: US-Regierung vertreibt Huawei aus dem eigenen Markt - und bald wohl auch aus Europa

Seit 2019 drängte die Trump-Regierung Huawei schrittweise vom Markt. Das Unternehmen kann nichts mehr in den USA verkaufen. Die USA setzten Huawei zudem gemeinsam mit anderen chinesischen Firmen auf eine schwarze Liste. Ihnen dürfen US-Firmen keine Vorprodukte wie Hightech-Komponenten, Chips oder Software mehr verkaufen. Google blockierte folglich für Huawei den Zugang zu seinen für Käufer im Westen extrem wichtigen Mobilfunkdiensten: Android, die Google Apps und das Google Playstore darf Huawei nicht mehr auf seinen Smartphones installieren. Es war der Sargnagel für Huaweis weltweites Smartphone-Geschäft.

Doch den USA möchten die Firma vom gesamten Weltmarkt drängen. Washington macht seit 2019 Druck auf die Europäer, damit auch sie Huawei vom Aufbau ihrer 5G-Netzwerke ausschließen. Dem US-Nachrichtenportal Politico zufolge waren die nationalen europäischen Sicherheitsbehörden in jener Zeit ohnehin bereits alarmiert darüber, wie Huawei und andere chinesische Firmen ihren globalen Marktanteil ständig erweiterten - zulasten von EU-Wettbewerbern wie dem schwedischen Ericsson und dem finnischen Nokia. Zu der Sorge vor dem Datenklau mischten sich ökonomische Interessen. Viele Experten sehen die US-Sanktionen gegen Huawei auch im Kontext des Handelskonfliktes zwischen den USA und China.

Huawei: Auch in Europa schließen immer mehr Länder das Unternehmen von 5G-Projekten aus

Einige osteuropäische und baltische Staaten verpflichteten sich in Verträgen mit den USA, Huawei den Zugang zu den Telekomnetzen zu verweigern. Dann folgten auch Großbritannien, Frankreich und Schweden mit Huawei-Verboten. In Großbritannien und Frankreich ist bereits Huawei-Ausrüstung verbaut - die nun innerhalb einiger Jahre zurückgebaut werden muss. Unklar ist die Lage noch in Deutschland, das bisher auf strikte Sicherheitsstandards statt einen Ausschluss Huaweis setzt. Das geplante Gesetz zur Cybersicherheit könnte aber auch hierzulande Huawei effektiv ausschließen.

Huawei: Einstieg in neue Geschäftsfelder im Heimatmarkt China

Geschäftlich ging es mit Huawei 2020 steil bergab. Doch das Unternehmen gibt nicht auf. Als erstes verkaufte Ren Zhengfei die junge Submarke Honor - um diese von den Sanktionen gegen Huawei zu befreien. In China versucht die Firma zu retten, was zu retten ist und entwickelte einen Android-Ersatz mit Namen HarmonyOS. Auch dafür hat eine Tech-Website namens Ars Technica in einer Studie Plagiatsvorwürfe erhoben, die Huawei zurückweist. Parallel weicht Huawei in neue Geschäftsbereiche aus, darunter Cloud-Dienste, smarte Fernseher und vernetzte Automobile, die in China stark im Kommen sind. Auch dabei soll HarmonyOS zum Einsatz kommen, gemeinsam mit einer Plattform für intelligente Automobil-Lösungen namens Huawei HI. Huawei wird überleben - aber wohl hauptsächlich im Heimatmarkt China. (ck)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare