Freie-Wähler-Chef mit Impf-Skepsis

„Meine rote Linie ist mein Körper“: Aiwanger warnt vor „Jagd“ auf Ungeimpfte - heftige Kritik folgt

  • Momir Takac
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Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hat in einem bemerkenswerten Interview seine Skepsis gegenüber Corona-Impfungen erneut bekräftigt. Im Netz folgten darauf heftige Kommentare.

München - Hubert Aiwanger will sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Daraus macht der bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident auch kein Geheimnis. Seine Haltung hat er jetzt noch einmal im Interview mit dem Deutschlandfunk bekräftigt.

Er wolle sich erst impfen lassen, wenn „ich davon überzeugt bin, dass es für mich persönlich sinnvoller ist, sich impfen zu lassen, als sich nicht impfen zu lassen“, sagte Aiwanger. Er habe in seinem persönlichen Umfeld immer mehr von Fällen gehört, die massive Impfnebenwirkungen auszuhalten haben. „Da bleibt einem schon das ein oder andere Mal die Spucke weg.“

Aiwanger begründet Impf-Skepsis mit Nebenwirkungen aus dem persönlichen Umfeld

Der Chef der Freien Wähler will bei der Bewältigung der Pandemie vielmehr auf Corona-Tests setzen, die auch weiterhin kostenlos sein sollten. „Tests selber zahlen wird dazu führen, dass viele dann eben ungetestet irgendwo ein Risiko eingehen, bevor sie 100 Euro auf den Tisch legen oder aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden und dann nicht mehr ins Restaurant gehen. Das kann doch nicht Ziel der Politik sein“, sagte Aiwanger, der vor einer „Jagd“ auf Ungeimpfte warnte.

Bürger müssten „ohne Druck“ und mit guten Fakten überzeugt werden, dazu müsse es bei bestimmten Anlässen weiterhin Tests geben. Bisher seien sie „teilweise nicht zu Unrecht verunsichert“ und nannte in dem Zusammenhang den Impfstoff von Astrazeneca. Ohnehin sei er der Überzeugung, dass die Pandemie mit Impfungen nicht beendet werden könne.

Aiwanger: Staat überschreitet mit Vorschreiben einer Corona-Impfung „rote Linie“

„Zu sagen ‚alle impfen, dann ist die Situation erledigt‘, wäre falsch. Die Situation ist damit nicht erledigt“, sagte Aiwanger, der einen erneuten Lockdown bei einer vierten Welle ablehnt. Vollständig Geimpfte könnten das Virus ebenfalls weiterverbreiten. Auch wenn er Impfungen als „wichtigen Baustein“ sieht, lautet sein Weg aus der Pandemie: „Mit Maßnahmen über Wasser halten“, wie Maske, Abstand, Testen.

Auf die Frage, ob er als Wirtschaftsminister und Regierungsmitglied keine besondere Verantwortung bei der Impffrage habe, sagte Aiwanger, seine Verantwortung liege auch darin, nicht alles zu tun, was die Mehrheit an dieser Stelle fordere oder das politische Establishment erwarte.

Es gehe auch darum, dass eine „rote Linie“ nicht überschritten werde. „Was darf dem Einzelnen vom Staat aufgezwungen werden? Da ist meine Rote Linie mein Körper. Darüber entscheide ich zuletzt, das letzte Wort liegt bei mir. Das darf der Staat nicht überschreiten“, so der 50-Jährige. Er plädierte für bessere Aufklärung, gerade bei Nebenwirkungen.

Aussagen von Aiwanger rufen heftige Kritik im Netz hervor

Für seine Aussagen erntete Aiwanger heftige Kritik im Netz. Der SPD-Politiker Tiemo Wölken nannte Aiwangers Aussagen zum Impfen bei Twitter „gefährlichen Unsinn“. Dass Markus Söder „so einen unprofessionellen Minister in seiner Regierung duldet, ist schon abenteuerlich.“

Der CDU-Politiker Johannes Steiniger bezeichnete Aiwanger als „Trittbrettfahrer“, der sich nicht impfen lasse und das auch noch verteidige. Impfbefürworter wie der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir riefen unter dem Hashtag #Aiwanger zur Impfung auf. Bayerns Ministerpräsident Söder hatte bereits die Corona-Regeln für Reiserückkehrer ab August verkündet, dann folgte das Dementi der Bundesregierung. (mt)

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa/dpa-Bildfunk

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