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Studenten dicht an dicht: Alltag an einer deutschen Universität.

Numerus Clausus

Hürden vor der Uni werden höher

München - Das Abitur als Ticket zum Hörsaal: An deutschen Unis gilt das längst nicht mehr. Mit den Studentenzahlen steigt im Herbst auch die Zahl der Fächer, für die es weitere Hürden gibt. In Bayern ist die Lage aber recht stabil.

Wer Arzt werden will, braucht ein gutes Abitur: Das wissen die meisten. Doch was früher nur für angehende Mediziner und ein paar andere Studiengänge galt, ist heute fast die Regel: In immer mehr Fächern müssen Abiturienten einen bestimmten Notenschnitt, einen Numerus Clausus (NC), schaffen, damit sie studieren dürfen. Oder es gilt gar Eignungstests zu bestehen. Denn: Immer mehr junge Leute wollen studieren. Für 2013 werden gut eine halbe Million Studienanfänger erwartet, meldet die „Süddeutsche Zeitung“.

Demnach wird es in Nordrhein-Westfalen im Wintersemester eng. Der doppelte Abijahrgang lässt die Studentenzahlen steigen. In Köln, Bochum, Duisburg-Essen und Aachen seien 84 bis 100 Prozent der Studiengänge, die zum Bachelorabschluss führen, nun beschränkt. Bundesweit gilt das für etwa die Hälfte solcher Studiengänge.

Entspannter ist die Lage in Bayern: Der doppelte Abiturjahrgang 2011 ist längst gemeistert. 48 000 neue Studienplätze wurden laut Wissenschaftsministerium seit 2008 geschaffen. Nur für 117 der insgesamt 445 Bachelorstudiengänge gebe es im Wintersemester eine Zulassungsbeschränkung. Das entspricht 26,3 Prozent. Nimmt man Master- und Lehramts-Studiengänge (195) hinzu, ist die Zahl der Fächer mit Hürden allerdings auch in Bayern gestiegen – um 8,9 Prozent.

An der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) mussten angehende Juristen im letzten Jahr einen Abischnitt von 2,1 mitbringen. Noch besser musste sein, wer BWL studieren wollte: Hier lag die Mindestnote bei 1,8. Angehende Psychologen brauchten einen Schnitt von 1,3. Für das kommende Wintersemester gibt es an der LMU bei 13 von 62 Bachelor-Studiengängen einen NC – ein zulassungsbeschränkter Studiengang weniger als im Vorjahr. Für viele weitere Fächer muss man Eignungstests bestehen.

Solche Tests sind auch an der Technischen Universität München (TUM) beliebt. Das bloße Abitur reicht dort nur für 13 Bachelor-Studiengänge, bei zwei weiteren muss auch der Notenschnitt stimmen. Für 22 Studiengänge müssen die Bewerber ein Eignungsfeststellungsverfahren durchlaufen. Professoren picken sich dann vorab diejenigen heraus, denen sie das Studium zutrauen. Sie schauen dabei auch auf einzelne Zeugnisnoten. Bestehen Zweifel, werden Bewerber zum Gespräch eingeladen. An der TUM gelte die Devise „kein Talent verlieren“, sagt ein Sprecher. Doch bei etwa 12 900 Bewerbern und nur rund 8000 Studienplätzen wie im Rekordjahr 2012 muss die Universität auswählen. Für dieses Wintersemester zählt man sogar noch mal 400 bis 500 Bewerber mehr. Die Zahl der zulassungsbeschränkten Fächer habe sich an der TUM in den vergangenen Jahren „nicht dramatisch geändert“.

So auch an der Uni Regensburg. Sie verlangt, wie im Vorjahr, bei 26 Fächern Mindestnoten, so ein Sprecher. Obwohl die Bewerberzahlen gestiegen seien, rechne er nicht damit, dass sich der NC in den einzelnen Fächern signifikant ändern werde. Nur im Fach Biochemie werde er wohl von 2,7 auf 1,7 sinken.

Auch die Uni Augsburg hat bei bestehenden Fächern keine neuen Hürden gesetzt. Im Bachelor-Studiengang „Sozialwissenschaften“ sei der NC sogar weggefallen, sagte ein Sprecher. Nur bei einem neuen Studiengang sei auch ein neuer NC entstanden.

An der Hochschule München konkurrieren 20 400 Kandidaten um 3500 Plätze. Laut einer Sprecherin werde sich an den Zulassungshürden wenig ändern: Es gebe seit Jahren für die meisten Fächer relativ stabile Numeri Clausi.

Noch müssen alle Anwärter in Bayern zittern: In den nächsten Wochen erfahren sie, ob es geklappt hat. Bis Mitte Juli mussten sie sich bewerben. Derzeit werden die Bewerbungen bearbeitet.

Von Simon Pfanzelt und Andrea Eppner

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