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Syrische Sicherheitskräfte versammeln sich vor dem angegriffenen Justizgebäude in Damaskus. Foto: SANA

Syriens Hauptstadt

Dutzende Tote bei zwei Selbstmordanschlägen in Damaskus

Eine Al-Kaida-nahe Gruppe verübte in den vergangenen Wochen schwere Anschläge in Syriens Regierungsgebieten. Jetzt wird wieder die Hauptstadt getroffen. Haben die Extremisten ihre Strategie geändert?

Damaskus (dpa) - Bei zwei Selbstmordanschlägen in Syriens Hauptstadt Damaskus sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Mittwoch mindestens 39 Todesopfer, als ein Selbstmordattentäter eine Bombe im Justizpalast der Stadt zündete.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete von 25 Toten und Dutzenden Verletzten. Ein zweiter Angreifer sprengte sich später in einem Restaurant in die Luft. Den Menschenrechtlern zufolge gab es auch hier Tote und Verletzte. Zunächst war unklar, wer für die Taten verantwortlich ist.

"Wir hörten eine schwere Explosion, die Scheiben klirrten", berichtete eine Anwohnerin der Deutschen Presse-Agentur nach der Explosion im Justizpalast. "Dann sahen wir schwarzen Rauch." Dutzende Krankenwagen seien im Einsatz gewesen. Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter waren die meisten Opfer Zivilisten. Der staatliche Nachrichtenagentur Sana zufolge war der Attentäter in die Eingangshalle des Gebäudes gelaufen und hatte sich in die Luft gesprengt. Videoaufnahmen zeigten Blut auf dem Boden der Lobby.

Die Attentäter sprengten sich am sechsten Jahrestag des Syrien-Konfliktes in die Luft. Er hatte am 15. März 2011 mit Protesten gegen die Regierung in Damaskus begonnen. Mittlerweile sind in dem Bürgerkrieg mindestens 400 000 Menschen ums Leben gekommen.

Die von der Regierung des Bürgerkriegslandes regierten Gebiete waren in den vergangenen Wochen mehrfach Ziel von Attentaten. Erst am vergangenen Wochenende starben bei einem Anschlag auf schiitische Pilger in Damaskus Aktivisten zufolge mindestens 74 Menschen. Die Al-Kaida-nahe Organisation Tahrir-al-Scham-Front (Ex-Al-Nusra-Front) reklamierte die Tat für sich. Zuvor waren Anschläge in der Hauptstadt selten, da diese von regierungstreuen Truppen stark gesichert wird.

Ende Februar hatten Selbstmordattentäter in der zentralsyrischen Stadt Homs mehr als 40 Menschen mit in den Tod gerissen. Zu den Anschlägen bekannte sich ebenfalls die Al-Kaida-nahe Organisation. Die Gruppe ist vor allem in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens stark. Sie ist wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) von der seit Ende des vergangenen Jahres geltenden Waffenruhe ausgenommen.

Die wiederholten Anschläge deuten auf einen Strategiewechsel der Extremisten hin. Nach der Niederlage der Rebellen vor allem in der lange umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo könnten sie verstärkt auf Attentate setzen, für die bisher vor allem der IS verantwortlich war.

Die Anschläge in Damaskus überschatteten auch die neuen Syrien-Gespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana, die wie die zwei ersten Runden im Januar und Februar ohne greifbare Fortschritte blieben. Die Gespräche in Astana sollen am 3. und 4. Mai fortgesetzt werden. Verwirrung gab es um die Teilnahme der Rebellen an dem Treffen. Das kasachische Außenministerium erklärte zunächst, diese hätten einen Boykott beendet und wollten doch nach Kasachstan reisen. Später meldete die russische Agentur Interfax unter Berufung auf Diplomatenkreise, die Opposition habe wieder abgesagt.

Derweil starben im Norden Syriens mindestens 22 Menschen, darunter 14 Kinder, bei Luftangriffen. Die Menschenrechtsbeobachter gehen davon aus, dass diese von russischen Flugzeugen ausgeführt wurden.

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