+
Nadeschda Tolokonnikowas Gesundheitszustand hat sich verschlechtert. 

Wegen Hungerstreik

Pussy-Riot-Mitglied auf Krankenstation verlegt

Moskau - Fünf Tage nach Beginn ihres Hungerstreiks ist die inhaftierte russische Pussy-Riot-Musikerin Nadeschda Tolokonnikowa auf die Krankenstation ihres Gefängnisses gebracht worden.

Ihr Gesundheitszustand habe sich deutlich verschlechtert, sagte ihr Ehemann Pjotr Wersilow am Freitag der Nachrichtenagentur Interfax. Die russische Strafvollzugsbehörde bestätigte die Verlegung der 23-Jährigen auf "Empfehlung der Ärzte".

Tolokonnikowa war am Montag in den Hungerstreik getreten, um gegen angebliche Morddrohungen zu protestieren, nachdem sie die Haftbedingungen in ihrem Arbeitslager kritisiert hatte. In einem Brief an ihren Ehemann erhob die Mutter einer fünfjährigen Tochter weitere Vorwürfe. In dem Brief, der am Freitag der Nachrichtenagentur AFP vorlag, schrieb sie, ein Offizier habe sie gewaltsam festgehalten, während eine Mitgefangene ihr das Trinkwasser weggenommen habe.

Tolokonnikowa wertete dies als Anwendung von Gewalt und als Angriff auf ihr Leben. "Ohne Wasser stirbt ein Mensch in wenigen Tagen, wenn er einen Hungerstreik macht", schrieb sie. Die Vollzugsbehörden wiesen die Anschuldigungen zurück. Ärzte hätten aus gesundheitlichen Gründen empfohlen, das Trinkwasser durch heißes Wasser auszutauschen, zitierte Interfax einen Behördensprecher. Es sei keine physische Gewalt angewendet worden.

Wegen "Anstachelung zu religiösem Hass" verurteilt

Tolokonnikowa war gemeinsam mit ihren Bandkolleginnen Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch im August vergangenen Jahres wegen "Rowdytums" und "Anstachelung zu religiösem Hass" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Die Gruppe hatte im Februar 2012 in einer Moskauer Kathedrale ein "Punkgebet" gegen Präsident Wladimir Putin aufgeführt. Samuzewitsch war später auf Bewährung freigelassen worden.

Die wiederholten Anträge Tolokonnikowas auf vorzeitige Haftentlassung wurden dagegen abgelehnt. Sie sitzt in der Arbeitskolonie Nummer 14 in Mordowia ein. Der Prozess und das Urteil gegen die Frauen waren international von Politikern und Künstlern sowie von der Opposition scharf verurteilt worden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte die jüngsten Vorwürfe Tolokonnikowas "extrem ernst und beunruhigend" und forderte eine sofortige Untersuchung.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP) erklärte, die Schilderungen Tolokonnikowas über die Zustände im Gefängnis hätten ihn "erschüttert". "Ich bin froh, dass eine Delegation des russischen Menschenrechtsrates dort ist, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen", erklärte Löning. Er rief die russische Führung auf, für menschenwürdige Zustände in den russischen Gefängnissen und Straflagern zu sorgen.

afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Guttenberg wünscht sich das Ende der Großen Koalition
Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich gegen eine erneute Große Koalition ausgesprochen. Am liebsten würde er mit der FDP koalieren, …
Guttenberg wünscht sich das Ende der Großen Koalition
Ruhani weist Trumps Kritik am Atomabkommen scharf zurück
Das Atomabkommen mit dem Iran dominiert den zweiten Tag der Generaldebatte der UN-Vollversammlung. Der Pakt gilt als historisch. Der Iran warnt die USA. Auch Deutschland …
Ruhani weist Trumps Kritik am Atomabkommen scharf zurück
Le Pen demontiert ihren Stellvertreter
Im Führungsstreit bei Frankreichs rechtspopulistischer Front National (FN) greift Parteichefin Marine Le Pen gegen ihren Stellvertreter Florian Philippot durch.
Le Pen demontiert ihren Stellvertreter
Umstrittenes Interview mit Putin-Sender: Gabriel erneuert AfD-Nazi-Vergleich
Wenige Tage vor der Wahl hat Sigmar Gabriel  ein Interview mit einem sehr umstrittenen Medium geführt. Bereits vor der Ausstrahlung hatte sich der Außenminister dazu …
Umstrittenes Interview mit Putin-Sender: Gabriel erneuert AfD-Nazi-Vergleich

Kommentare