"HVB-Übernahme schadet der deutschen Wirtschaft"

- Der Rettungsversuch startete in letzter Minute. Ob die Landesbank (Bayern-LB) nicht doch die HypoVereinsbank (HVB) vor einer Übernahme bewahren könne, fragte die Staatsregierung. Bayern-LB-Chef Werner Schmidt lehnte rundweg ab. Im Interview spricht er über Strukturen und den Stress mit der Politik.

Jetzt ist eine große Bank widrigen Marktumständen zum Opfer gefallen: Mit der HypoVereinsbank verliert Bayern den großen Exportfinanzierer . . .

Schmidt: Wer der große Exportfinanzierer in Bayern ist, lasse ich dahingestellt. Aber gehen Sie davon aus, dass die Exportfinanzierung durch die Bayern-LB hoch ist und noch weiter gesteigert werden kann. Dass die HVB-Group allein den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zum Opfer fiel, kann ich nicht nachvollziehen. Die HVB ist eine Bank, die unter vergleichbaren Rahmenbedingungen wie ihre Konkurrenten am Markt tätig ist.

Warum wollte die Bayern-LB die HVB nicht übernehmen?

Schmidt: Die Frage war für uns nie ein Thema. Kann es auch gar nicht sein. Die S-Finanzgruppe in Bayern ist führend, mit über 40 Prozent Marktanteil . . .

. . . eben deshalb gab es Gespräche mit HVB-Chef Rampl und dem Freistaat.

Schmidt: Ich bin ein starker Verfechter des Drei-Säulen-Modells im Kreditgewerbe. Ohne das hätten wir keinen gesunden Wettbewerb, sondern eine Situation wie etwa in Großbritannien, wo keine ausreichende Versorgung mit Finanzdienstleistungen vorhanden ist. Eine Fusion mit der HVB wäre bankstrategisch und aufsichtsrechtlich keine akzeptable Lösung. Darüber hinaus entstünde kein Mehrwert, und die Arbeitsplatzproblematik in Bayern wäre voraussichtlich brisanter gewesen.

Gab es politischen Druck?

Schmidt: Wir haben nie politischen Druck. Wir sind Banker.

Minister Wiesheu saß in Ihrem Büro und bat eindringlich um eine Fusion.

Schmidt: Entscheidend ist, wie schon erwähnt, die strategische und bankaufsichtsrechtliche Problematik. Im Übrigen führen wir vielerlei Gespräche.

Ist der Bankenplatz München jetzt beschädigt?

Schmidt: Wichtig ist der Freistaat insgesamt, denn Bayern lebt von der Fläche. Eine Beschädigung sehe ich eher für die deutsche Wirtschaft. Es ist schon ein Problem, wenn sich die zweitgrößte deutsche Bank überall anbietet als Juniorpartner.

Geht das so weiter? Wird sich als Nächstes die Commerzbank anbieten?

Schmidt: Die Frage ist, ob Investoren bereit sind, die Commerzbank zu kaufen. Ich glaube nicht, dass öffentlich-rechtliche Institute die Privaten übernehmen werden.

Finanziell können solche Konstruktionen locken.

Schmidt: Es ist oft ein Irrtum in der Finanzwirtschaft, dass allein Shareholder Value zählen sollte. Es zählt auch die gesellschaftspolitische Verantwortung. Banken haben eine tiefgehende gesellschaftspolitische Verantwortung.

Das heißt, Sie sind nicht einverstanden mit dem, was Deutsche-Bank-Chef Ackermann macht? Trotz dicker Gewinne baut er massiv Personal ab.

Schmidt: Das müssen Herr Dr. Ackermann und seine Mannschaft entscheiden. Es ist eine Frage, wie und wo man seine Schwerpunkte setzt.

Ackermann hängt am Gedanken einer deutschen "Weltbank".

Schmidt: Ich sehe keinen Sinn darin. Ich glaube, wir überschätzen uns in Deutschland. Wir sind ein kleiner Mitspieler in der Weltwirtschaft.

Profitiert die S-Finanzgruppe schon von der HVB-Übernahme? Angeblich verlassen Kunden in Scharen die HVB.

Schmidt: Wir werden am Markt alles tun, um die Kundenbedürfnisse zu erfüllen.

Sie tun noch mehr, werben nämlich ganz aggressiv: "Wir sind nicht käuflich!"

Schmidt: Das ist nicht aggressiv. Aber wir sind eben nicht käuflich und auch nicht verkäuflich.

Experten sehen nach dem Wegfall der Gewährträgerhaftung weiteren Handlungsbedarf bei den Landesbanken.

Schmidt: Ich sehe eher Handlungsbedarf bei den privaten Banken.

Auf EU-Ebene gibt es steigenden Druck auf das Drei-Säulen-Modell.

Schmidt: Ich warne davor, dass man gesunde Strukturen angreift. Manche sprechen und schreiben ohne tiefgründige Analyse über solche Fragen. Meines Erachtens sollten jedoch wirtschaftspolitische und sozialpolitische Fragen beachtet werden. Die unendliche Bankenstrukturdiskussion schädigt letztendlich die Banken und ist deshalb oft nicht mehr nachvollziehbar.

Sind Sie überzeugt, dass in zehn Jahren die Struktur der Landesbanken und Sparkassen noch besteht?

Schmidt: Eine Prognose für die nächsten drei bis zehn Jahre ist unmöglich. Entscheidend ist: Wer besteht am Markt?

Sie könnten mit der Hessischen Landesbank fusionieren.

Schmidt: Länderübergreifende Fusionen bringen im Grundsatz keinen Mehrwert. Größe ist kein Wert an sich. Wir leben nicht von Großmannssucht.

Zusammengefasst von Christian Deutschländer und Martin Prem.

Auch interessant

Kommentare