1. Startseite
  2. Politik

"Ich habe den Krieg verhindern wollen"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

- Königsbronn - Sein Gerechtigkeitssinn war so stark ausgeprägt, dass er wegen Kleinigkeiten Streit anfing. Und Johann Georg Elser sah voraus, was viele 1938 nicht sahen: den Krieg. Im Alleingang wollte der schwäbische Bauernsohn die Nazi-Führung vernichten. Doch sein Attentat gegen Adolf Hitler scheiterte.

"Ich habe den Krieg verhindern wollen", gab Elser später bei Verhören an. Kurz vor Kriegsende wurde der "Schorsch" aus dem württembergischen Königsbronn im KZ Dachau ermordet. Am 4. Januar 2003 wäre Elser 100 Jahre alt geworden.

Elsers Bombe explodierte am 8. November 1939 im Bürgerbräu-Keller in München. Wegen Nebels hatte Hitler damals nicht nach Berlin zurückfliegen können, sondern einen Sonderzug nehmen müssen und das Lokal bereits um 21.07 Uhr verlassen. Die Bombe explodierte dreizehn Minuten danach, riss eine Säule auseinander und ließ Decke und Galerie einstürzen. Wo Hitler gesprochen hatte, lagen meterhoch Trümmer. Acht Menschen starben, der "Führer" lebte.

Der Tüftler Elser hatte die Bombe mit ungeheurer Ausdauer allein in der Säule im Bürgerbräu-Keller installiert. Nächtelang hatte er sie ausgehöhlt und den Bauschutt in einer Aktentasche fortgeschafft. Seine entzündeten Knie, die er nach seiner Festnahme in Konstanz 15 Meter von der Schweizer Grenze entfernt vorzeigen musste, verrieten ihn: Der Täter, das stand fest, hatte kniend arbeiten müssen, da sich die Sprengstelle in der Säule dicht über dem Fußboden befand.

Der gelernte Schreiner hatte die Bombe schon elf Monate vor Kriegsbeginn geplant und dafür Sprengstoff gesammelt: in einer Fabrik in Heidenheim und als Hilfsarbeiter in einem Steinbruch in Königsbronn.

"Jeder wusste, dass er sich beim Hitlergruß verweigerte."
Joachim Ziller

Ruhm wurde Elser auch nach seinem Tod nie zuteil. Die Nazis nutzten das Attentat zur Propaganda gegen England, das sie hinter dem Anschlag vermuteten. Der "Völkische Beobachter" titelte damals: "Mit tiefer Genugtuung erfährt das deutsche Volk: Der Attentäter gefasst - Täter: Georg Elser - Auftraggeber: Britischer Geheimdienst". Gleichzeitig nutzten die Nazis die Tat, um den "Führer"-Kult zu untermauern. Hitler soll gesagt haben: "Es war gottgewollt, dass mir nichts passierte."

Auch von anderer Seite wurde Elser Unrecht zuteil. Die Aussagen des Pastors Martin Niemöller sorgten dafür, dass die Hintergründe des Anschlags lange Zeit unklar blieben. Im Januar 1946 warf er Elser vor, den Anschlag aus Propagandagründen verübt zu haben: "In Sachsenhausen und Dachau habe ich zusammengesessen mit dem Mann, der 1939 das Attentat im Bürgerbräu-Keller auf Hitlers persönlichen Befehl durchzuführen hatte: dem SS-Unterscharführer Georg Elser."

Etwas Anerkennung für Elser, der wohl um ein Haar die Geschichte verändert und Millionen von Menschenleben gerettet hätte, kam erst viel später. "1964 wurden die Vernehmungsprotokolle gefunden, 1969 wurden sie veröffentlicht. Erst dadurch wurden die Gedanken bekannt, die Elser zu seiner Tat veranlassten", sagt Joachim Ziller von der Gemeinde Königsbronn. Bis dahin hätten sich die von Niemöller in die Welt gesetzten Gerüchte gehalten. "Obwohl alle Königsbronner wussten, dass Elser nichts mit der SS zu tun hatte. Jeder wusste, dass er sich dem Hitlergruß verweigerte."

Auch Königsbronn tat sich lange schwer: Das Dorf war als "Attentatshofen" verschrien, berichtet Bürgermeister Michael Stütz (CDU). Dass ein Mitbürger auf den "Führer" ein Attentat verübte, galt als Schmach. In der Nachkriegszeit senkte sich über Georg Elser der Mantel des Schweigens. Erst 1990 entschloss sich der Gemeinderat, eine Gedenkstätte für Elser einzurichten. Zum 100. Geburtstag soll eine Elser-Briefmarke erscheinen. Und eine Königsbronner Schule wird künftig Georg-Elser-Schule heißen.

Auch interessant

Kommentare