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Ach du meine Güte... Angela Merkel nach ihrer Wiederwahl mit Rekordergebnis. Die Parteivorsitzende sichtbar glücklich und – für einen Moment – sprachlos.

CDU-Parteitag

„Ich bin platt“

Hannover - So viel Merkel war noch nie in der CDU. Mit einem Rekordergebnis haben die Delegierten ihre Parteivorsitzende gestern in Hannover bestätigt. Angela Merkel zeigte sich ergriffen – und lobt ihre Regierung.

Es deutet sich buchstäblich in der ersten Minute an: Dieser Tag wird für Angela Merkel die Krönung. Um 10.32 Uhr eröffnet sie den 25. Bundesparteitag der CDU in Hannover – und bereits für ihre bloße Begrüßung erntet sie großen Applaus. Die Partei will keinen Zweifel aufkommen lassen, dass dieser Kongress ein gelungener Start in das Wahljahr 2013 sei.

Merkels einstündige, von manchen mehr staatstragend als mitreißend empfundene Rede feiern die Delegierten mit knapp achtminütigem Beifall. So lange klatschten sie noch nie nach einer Bewerbung Merkels um den Vorsitz. Der 58-Jährigen scheint so viel Zuneigung immer etwas unangenehm zu sein. Sie setzt sich früh wieder auf ihren Platz, steht wieder auf und winkt den Delegierten verlegen, aber strahlend zu.

Seit zwölf Jahren führt die Frau aus der DDR die große Volkspartei. Es ist ihre siebente Wahl – und wird ihre beste. Mit 97,9 Prozent der Stimmen verlängert die CDU Merkels Amtszeit um zwei Jahre. Trotz der umstrittenen Hilfen für Griechenland, trotz der Streitereien mit der FDP und trotz einer von Konservativen in der Partei als zu links kritisierten politischen Richtung.

Das Verhältnis zwischen den Christdemokraten und ihrer protestantischen Vorsitzenden war nie warmherzig. Aber obwohl sie mit ihrer Vita und ihrem Streben weit in die politische Mitte gar nicht richtig zur katholisch und konservativ geprägten CDU zu passen scheint, ist sie inzwischen in der Partei unangefochten. Alle guten Umfragewerte gehen auf Merkel zurück.

Nach ihrer Wahl bekennt die Vorsitzende: „Ich bin platt und bewegt.“ Platt ist die Kanzlerin offensichtlich aber nicht. Denn im nächsten Moment sagt sie: „Jetzt geht es zusammen mit denen, die noch gewählt werden, ran an den Speck. Wir haben viel vor.“ Nur nicht zu lange den Erfolg genießen. Als würde ihr das jemand übelnehmen.

In ihrer einstündigen Rede verkündet Merkel keine Neuigkeiten und sie überrascht auch nicht mit neuen Standpunkten. Mantramäßig wiederholt sie ihre provozierende Äußerung aus ihrer kürzlichen Regierungserklärung: „Unsere christlich-liberale Bundesregierung ist die erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung.“ Sie führt dafür Zahlen zur Arbeitslosigkeit, zum Wirtschaftswachstum und zur Energiewende an. Doch der Beifall ist verhalten. Vielen Delegierten ist nicht wohl dabei, die Regierung von Helmut Kohl und Dietrich Genscher als schlechter zu bewerten.

Den für die CDU so gefährlichen Streit um bessere Renten für ältere Mütter entschärft Angela Merkel, indem sie ein kleines Zugeständnis zur besseren Anerkennung von Erziehungszeiten machte. Auch das kostet vermutlich Hunderte von Millionen Euro. Doch ein Wahlkampf gegen Mütter in Deutschland hätte die CDU wohl zerrissen.

In der Aussprache über ihre Rede wird Merkel überraschend scharf kritisiert. Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Georg Milbradt wirft ihr vor, keinen Plan B für die Griechenland-Rettung zu haben. Seiner Ansicht nach kann man dem in Not geratenen Staat Geld nur schenken. Alles andere sei unrealistisch. Außerdem habe das C in der CDU an Wert verloren.

Anderen Delegierten greifen die Maßnahmen zur Finanzmarktregulierung zu kurz. Merkel ist während der Aussprache nicht auf dem Podium. Erst zum Schluss sitzt sie wieder oben.

Kristina Dunz

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