"Ich ziehe die Notbremse"

- Bayern kauft in Zeiten größter Haushaltslöcher ein Schloss. Der Alterssitz des berühmten bayerischen Reformers Montgelas bei Mühldorf kostet rund zwei Millionen Euro.

Rechnungshof, Opposition und Parteifreunde sind skeptisch. Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU), sogar Besitzer einer Montgelas-Büste, muss den geplanten Kauf am Dienstag der CSU-Fraktion erklären.Neuschwanstein, Linderhof - reicht Ihnen Bayerns Schlösser-Bestand nicht?Faltlhauser: Es geht beim Schloss Egglkofen nicht um die Mehrung des Besitzes, sondern um das Bewahren von Kulturgut. Egglkofen muss als Wohnsitz von Staatsminister Montgelas genauso geschützt und bewahrt werden wie die königlichen Bauten.Bei der Bevölkerung kommt rüber: Der Faltlhauser kürzt das Blindengeld, aber kauft Schlösser.Faltlhauser: Ich verstehe ja, dass das ein missverständliches Signal sein kann: "Einerseits verschärft der Faltlhauser den Sparkurs, andererseits kauft er Immobilien." Das ist mein Risiko. Aber ich will verhindern, dass wertvolles bayerisches Kulturgut vermarktet wird. Wir können es zu einem sehr günstigen Preis bewahren. Wenn Sie so wollen: eine Schutzmaßnahme.Auf Kosten anderer Projekte.Faltlhauser: Es werden keine Haushaltsmittel eingesetzt, die dann an anderer Stelle fehlen würden, sondern Mittel aus dem Grundstockvermögen. Das Blindengeld kann ich nicht aus dem Grundstockvermögen zahlen."Kulturhistorisch zweifelhaft", kritisiert die SPD.Faltlhauser: Über die kulturhistorische Einschätzung der SPD-Kollegen will ich mich nicht äußern . . .Der Rechnungshof stemmt sich allerdings auch gegen den Neueinkauf.Faltlhauser: Der Rechnungshof ist nicht besorgt über den Kauf, sondern wird sich die künftige Nutzung genau anschauen. Um diese Nutzung wird sich ein Expertengremium kümmern. Ich habe schon Gespräche mit Professoren geführt. Da die Verkäufer das Schloss noch fünf Jahre nutzen, ist ausreichend Zeit.Hoffen Sie auf ein Montgelas-Museum, das die Massen nach Mühldorf zieht?Faltlhauser: Ich habe erste Ideen, bin da aber noch zurückhaltend, sie auf den Markt zu tragen.Finanziell lohnen würde sich das kaum.Faltlhauser: Nochmal: Es geht hier um den Schutz von Kulturgut. Wer das auf den Markt werfen lässt, handelt völlig unverantwortlich. Ich muss diese Notbremse ziehen.Wenn Sie den Montgelas-Wohnsitz bewahren - warum nicht auch das Papst-Wohnhaus in Marktl, das zum Verkauf steht?Faltlhauser: Die Gemeinde hat ein Vorkaufsrecht und will das Haus wohl kaufen.Die Gemeinde ist klamm.Faltlhauser: Ich sehe sehr wohl, dass die Gemeinde Marktl erhebliche unvorhergesehene Belastungen hat. Wir überlegen bereits, wie wir der Gemeinde helfen können.Das Interview führte  Christian Deutschländer

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