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Ilse Aigner muss sich um die Energiewende kümmern

Ilse Aigner

Sie ist Bayerns neue Nummer 2

München - Ilse Aigner wird Bayerns Nummer 2. Die Wirtschaftsministerin wird Seehofers Stellvertreterin - und muss sich um die Energiewende kümmern.

Am Donnerstag reist Ilse Aigner noch mal von ihrer neuen Welt in die alte. Am Vormittag wird die Miesbacherin mit den neuen Kollegen im Münchner Plenarsaal vereidigt, mittags überreicht Horst Seehofer im Prinz-Carl-Palais die Ernennungsurkunden. Anschließend wird Aigner zum Flughafen rasen, wo der Flieger nach Berlin wartet – Sondierungsgespräche mit den Grünen. Bei den Koalitionsverhandlungen in der Bundeshauptstadt mischt die 48-Jährige nochmal mit. Auf den Platz an Angela Merkels Kabinettstisch aber hat sie verzichtet. Aigner plant eine Karriere in München.

Das Wirtschaftsministerium soll als Sprungbrett dienen – auch wenn das Haus an der Prinzregentenstraße anderen Politkarrieren zuletzt wenig Glanz verlieh. Unter Otto Wiesheu und Erwin Huber galt das Haus als Machtzentrum. Mit dem Einzug von Emilia Müller schrumpfte die Bedeutung. Auch Martin Zeil brachte dieses Büro wenig Glück: Der Spitzenkandidat der FDP kümmert sich, auf expliziten Wunsch der Wähler, fortan allenfalls um privatwirtschaftliche Dinge.

Mit Ilse Aigner wird das Haus nun deutlich aufgewertet: Die technisch interessierte Radio- und Fernsehtechnikerin muss sich tief in eine komplexe Materie hineinfuchsen. Aigner soll mit Unterstützung von ihrem neuen Staatssekretär Franz Pschierer die Energiewende managen, die zunächst zwar lautstark verkündet, dann aber nur kleinlaut umgesetzt wurde. Die Probleme lagen zum großen Teil in Berlin, weshalb ein guter Draht in die Bundeshauptstadt hilfreich sein dürfte.

Aber auch in Bayern liegt einiges im Argen: Zuständigkeiten, die zuletzt auf mehrere Häuser verteilt waren, werden deshalb unter Aigners Dach gebündelt. Das Feld ist weit: Vom Aufstellen neuer Windräder, die vor allem in den Kommunen für hitzige Debatten sorgen, bis hin zu Netzkapazitäten oder dem Bau neuer Gaskraftwerke. Überall lauern juristische Fallstricke, überall gibt es heftige Interessenkonflikte – zwischen Betreibern, Industrie, Naturschützern und einfachen Verbrauchern.

Die Umsetzung soll zu Aigners Meisterstück werden. Sie bringt einiges mit: Als Berliner Verbraucherministerin ist sie krisengestählt. Zudem pflegt sie einen eher ausgleichenden Politikstil – wer die Interessen von erzürnten Landräten und großen Konzernchefs unter einen Hut bekommen will, muss seinen Charme spielen lassen. Angenehmer ist da schon die Medienpolitik, die von der Staatskanzlei in die Zuständigkeit des Ministeriums wechselt.

Interessant wird, wie sich Aigner gegenüber Markus Söder positioniert. Beide zelebrieren ihre alte JU-Freundschaft, hinter den Kulissen beobachtet Söder aber jede Bewegung seiner Konkurrentin genau. Aigner tickt da anders: Machtspielchen sind nicht ihre Sache – trotzdem ist sie gut vorangekommen. Mit dem Weg von der Bundes- zur Landesministerin ging sie einen Schritt zurück. Sie hat nur Anlauf genommen. Gleich als stellvertretende Ministerpräsidentin zu beginnen, ist kein schlechter Start.

Mike Schier

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