News-Ticker: Wolfgang Schäuble zum neuen Bundestagspräsidenten gewählt  

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Es herrscht politische Eiszeit zwischen Moskau und dem Westen. Das wirkliche Wetter in Moskau ist derzeit deutlich wärmer als auf unserem Archivbild. 

Besuch der Wirtschaftsministerin

Aigner in Russland: Eine Reise in eisigen Zeiten

München - Trotz Sanktionen besucht Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner Russland. Die Unternehmen im Freistaat hoffen auf bessere Tage.

Man kann die Geschichte der jüngeren bayerisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen anhand der Mayer Maschinenbaugesellschaft aus Tittmoning erzählen. Das Unternehmen stellt Futtermischer für Milchkühe her. Seit 2005 sei man in Russland präsent, sagt Geschäftsführer Peter Schöttl. Ein paar Jahre später vertrieben 17 russische Händler die oberbayerischen Maschinen. 60 bis 80 Stück verkaufte man im Jahr. Eine stetige Erfolgsgeschichte – so schien es.

Nun stockt es aber. Im vergangenen Jahr eröffnete das Unternehmen eine Niederlassung 450 Kilometer südlich von Moskau. Aber der Absatz verläuft derzeit schleppend. Die Ukraine-Krise, die Sanktionen des Westens, vor allem aber: die schwächelnde russische Wirtschaft, der schwache Rubel. Die Kunden seien verunsichert, zögerten Investitionen hinaus, sagt Schöttl.

Ein paar Jahre gute Geschäfte gemacht – und jetzt auf dem Wartegleis: Solche Geschichten dürfte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) derzeit viele zu hören bekommen. Morgen bricht sie zu einem zweitägigen Besuch nach Moskau auf. Die Zukunft der Wirtschaftsbeziehungen ist eines der Hauptthemen. Es sei „entscheidend, die Kontakte aufrechtzuerhalten und zu pflegen“, sagt Aigner. Trotz der Sanktionen.

Rund 6000 deutsche Unternehmen machen Geschäfte in Russland. Nach Schätzungen der IHK München und Oberbayern kommt etwa ein Drittel davon aus Bayern. Bis vor drei Jahren ging die Entwicklung nach oben. 2012 lagen die Exporte aus dem Freistaat bei 4,6 Milliarden Euro. Im Jahr darauf ging das Geschäft erstmals wieder leicht zurück. Noch deutlicher brachen die Zahlen im vergangenen Jahr ein. Der Grund: Öl- und Gaspreise sanken innerhalb eines Jahres von mehr als 100 Dollar auf weniger als 50 Dollar. Und der Kurs des Rubel rauschte in den Keller. In diesem Jahr rechnet die IHK nur noch mit Exporten von rund 2,3 Milliarden Euro.

An den Rohstoffexporten hängt Wohl und Wehe der russischen Wirtschaft. Der Staatshaushalt finanziere sich zu zwei Dritteln aus Zöllen, sagt der IHK-Russlandexperte Johannes Huber. Ein Großteil davon sind Ausfuhrzölle für Öl und Gas. Sinken deren Preise, hat der Staat weniger Geld zur Verfügung. Weil es in Russland aber nach wie vor keinen starken Mittelstand gibt, hängt die Konjunktur an Staatsinvestitionen. Der niedrige Rubelkurs macht es zudem für russische Unternehmen teuer, ausländische Produkte zu kaufen. Viele verschieben Investitionen.

Zur schwachen Wirtschaftslage, kam im vergangenen Jahr auch noch die Krise auf der Krim. Russlands Präsident Wladimir Putin annektierte das ukrainische Staatsgebiet. Der Westen reagierte mit Sanktionen. Geschäfte mit Unternehmen bestimmter Personen und der Handel mit Waren, die sich zur Waffenherstellung eignen sind verboten. Geschäfte russischer mit europäischen Banken sind drastisch eingeschränkt. Russische Unternehmen kommen kaum noch an Geld. Russland verfügte seinerseits, dass keine westlichen Lebensmittel mehr importiert werden dürfen. Das in der Krise geschlossene Minsker Friedensabkommen funktioniert hinten und vorne nicht.

Wirtschaftsministerin Aigner hofft dennoch auf ein Ende der Eiszeit. „Im Interesse der bayerischen Wirtschaft ist es, dass die Sanktionen, sobald die Vereinbarungen des Minsk II-Abkommens eingehalten werden, schnell aufgehoben werden“, sagt sie. Auch die bayerischen Unternehmen machen Druck. Die Sanktionen hätten den Konflikt nicht entschärfen können, kritisiert der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Alfred Gaffal. „Es nützt niemandem und löst keine Krise, wenn sich Russland andere Handelspartner sucht.“ Die EU ist allerdings gerade dabei, die Sanktionen noch einmal um ein halbes Jahr zu verlängern.

Futterfahrzeugproduzent Schöttl sieht die Zukunft indes schon wieder positiver. Er spricht von einer „steigenden Tendenz“. Von den Sanktionen ist sein Unternehmen höchstens positiv betroffen. Das russische Importverbot für Milch müsste die Produktion im eigenen Land eigentlich ankurbeln – und damit den Absatz von Schöttls Maschinen. Auch solche Geschichten gibt es.

Til Huber

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