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Der große Feind USA: Vier Schulmädchen in Teheran auf unserem Archivfoto von 2003. Inzwischen entspannt sich das Verhältnis zwischen dem Iran und dem Westen. 

Ministerin fliegt in den Iran

Ilse Aigners heikelste Reise

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München - Feind? Freund? Partner? Mit einer riesigen Wirtschaftsdelegation fliegt Ministerin Ilse Aigner in den Iran. Das Land, formal noch isoliert, gilt jetzt als der nächste Milliardenmarkt. Die Bayern sind aber diesmal nicht als schnellste vor Ort.

Die Stolperfalle lauerte bei Herrn Vizeminister Mohammad Khazaei-Torshizi. Man habe hohes Interesse an bayerischer Technik, verkündete er, gerade im Bereich Energie. Der Gast aus München antwortete frohgemut, selbstverständlich biete man technische Kompetenz auch für Kernkraftwerke. Otto Wiesheu war das 2004 in Teheran – die nächsten Stunden bis tief in die Nacht hatte er alle Hände voll zu tun, seinen Satz irgendwie wieder einzufangen und dicke Schlagzeilen im Stil von „Bayern will Atom-Deal mit Iran“ zu verhindern.

Es war eine heikle Reise des Wirtschaftsministers. Es wird eine heikle Reise der Wirtschaftsministerin: Morgen startet Nachnachfolgerin Ilse Aigner mit 100 Wirtschaftsvertretern auf eine spektakuläre Tour nach Teheran. Viel hat sich geändert in jenen elf Jahren, geblieben sind zwei Faktoren: Das Thema Kernenergie ist tunlichst zu meiden. Und: Aufbruchstimmung auf allen anderen Geschäftsfeldern ist angebracht.

Aigner besucht ein Land auf dem Weg aus der Isolation. Das Atomabkommen mit dem Westen ermöglicht ein Ende der Wirtschafts- und Handelssanktionen. Anfang 2016 wird der „Implementation day“ erwartet, an dem das Embargo wirklich endet. Schon jetzt können es westliche Regierungen und Firmen kaum erwarten, auf den Markt zu drängen. „Es bestehen unglaubliche Investitionsstaus, Milliardenbeträge“, sagt der Anwalt und Iran-Experte Farid Sigari-Majd aus der internationalen Wirtschaftssozietät „Freshfields Bruckhaus Deringer“: „Niemand kann es mehr abwarten.“

Aigners 100er-Delegation ist selbst für die reisefreudigen bayerischen Wirtschaftsförderer ungewöhnlich groß. Die allgegenwärtigen Funktionäre sind bis Mittwoch an Bord, vor allem aber echte Mittelständler, bunt gemischt: Maschinenbauer, Hydraulik-Experten, Ingenieure, Kissenmacher, dazu die Konzerne Audi, Bauer, MAN, SAP, Siemens, Linde. Die unterfränkische Gips-Firma Knauf, von den Sanktionen nicht betroffen, eröffnet ein Werk im Iran. Die bayerische Wirtschaft startet in Teheran eine offizielle Repräsentanz. „Es geht mir darum, dass bayerische Unternehmen dabei sind, wenn die Sanktionen aufgehoben werden“, sagt Aigner. Also: Kopftuch aufsetzen und ja nicht zu spät ankommen am Imam-Khomeini-Airport.

Tatsächlich hat ein wildes Wettreisen eingesetzt. Der Iran, eben noch gemieden, wird nun hofiert. Briten, Spanier, Kroaten, Österreich waren jüngst da. Baden-Württemberg auch. Neulich flog sogar Niedersachsens Wirtschaftsminister nach Teheran. Zwar „nur“ mit 99 Unternehmern, im „Spiegel“ war aber zu lesen, dass man sich fröhlich auf die Schenkel haute, schneller als Bayern zu sein.

Aigner dürfte die Niedersachsen indes vor Neid erblassen lassen, falls sie wie erhofft am Sonntag einen Termin bei Präsident Hassan Rohani erhält. Die Gespräche mit den Ministern für Wirtschaft, Energie, Öl, Industrie und Wissenschaft sind schon eingetütet. Im Iran, wo der Staat das Ölgeschäft beherrscht und weite Teile der Wirtschaft teils über Fonds steuert, sind das mehr als nur Höflichkeitsbesuche. Zumal Aigner vom energischen Firmen-Förderer Wiesheu gelernt haben könnte, wie man den Regenten am besten bayerische Unternehmer direkt vor die Nase setzt mit dem Hinweis, die könnten sofort mit dem Bau hier und da starten.

Der größte Rivale beim Flirt in Teheran dürfte China sein. Während der Westen, befeuert von den USA, den Iran isolierte, machten die Chinesen munter Geschäfte, ihr Marktanteil wird auf 50 Prozent geschätzt. Erste Aufgabe ist also, für „Made in Germany“ wieder den Fuß in die halboffene Tür zu stellen. Dabei hilft, dass die Deutschen im Iran insgesamt einen sehr guten Ruf genießen.

Euphorie also und Goldrauschstimmung? Da bremst der Iran-Experte Sigari-Majd doch deutlich, er warnt vor heiklen Passagen in den Sanktions-Verträgen und vor der politischen Instabilität auf lange Sicht. Es könne auch passieren, dass die nächste iranische Regierung wieder auf Isolation setze. „So schnell kann man gar nicht schauen, dass die Sanktionen wieder da sind.“ Er rät der Aigner-Reisegruppe: „Das wird kein Spaziergang.“

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