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Den Schluck kann sie wohl nach dem G7-Gipfel brauchen: Angela Merkel auf der Truderinger Festwoche.

Mit Seehofer auf Truderinger Festwoche

Im Bierzelt macht Merkel ihrem Trump-Ärger Luft

Ex-Präsident Obama, Nato, G7-Gipfel - und nun ein Bierzelt in München-Trudering: Angela Merkel muss in diesen Tagen nicht nur internationale Krisen bewältigen. Bei Bier und Brezn geht es um die Geschlossenheit in der Union. Aber der G7-Krach lässt sie nicht los.

München - Beim Einmarsch ins Truderinger Festzelt überlässt Ministerpräsident Horst Seehofer seinem Gast das Händeschütteln. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kämpft sich durch die engen Reihen, nimmt den Applaus der CSU-Basis entgegen, prostet nach ihrer Rede begeistert in die Menge und lässt sich bei Salutschüssen und Blasmusik feiern. Hier scheint sich jemand wohl zu fühlen. Und am Schluss stehen die beiden Parteichefs einträchtig auf der Bühne.

Gerade einmal gut drei Monate ist es her, dass CDU und CSU einen Versöhnungsgipfel brauchten, um ihre Differenzen in der Flüchtlingspolitik zu überwinden. Wobei der Versuch damals noch gründlich schiefging: Die miesepetrige Mimik Merkels bei der gemeinsamen Pressekonferenz ist auch bei Seehofer unvergessen. Beim Wahlkampfauftritt im Bierzelt in München ist die Mission vier Monate vor der Bundestagswahl nun klar: Einigkeit demonstrieren.

Merkel macht, was sie so oft bei Reden in Bayern macht, nur diesmal fast noch häufiger, noch demonstrativer als sonst: Sie lobt Seehofers Regierungsarbeit in den allerhöchsten Tönen. „Schaut nach Bayern“, das habe sie CDU-Wahlkämpfern in den vergangenen Monaten empfohlen. Und als sie dann noch CSU-Übervater Franz Josef Strauß zitiert, bei dem sie sich Rat hole, ist das proppenvolle Zelt komplett begeistert.

Seehofer will zum Flüchtlings-Krach mit Merkel nichts sagen

Seehofer will zum zurückliegenden Flüchtlings-Krach mit Merkel eigentlich gar nichts sagen. Er halte sich an den Rat einer engen Mitarbeiterin, einer Juristin: „Wer sich verteidigt, klagt sich an.“ Später schiebt er hinterher: „Die Bayern sind prinzipiell ein friedfertiges Volk. Der bayerische Löwe braucht nur regelmäßig Futter.“ Er spielt dabei auf die Reform des Länderfinanzausgleichs an, von der sich Bayern eine Milliarden-Entlastung erwartet.

Burgfrieden: Angela Merkel (r.) und Horst Seehofer.

Klar aber ist auch: Sollte die Union die Wahl gewinnen, wird er von Merkel eine gehörige Portion „Futter“ verlangen. Denn ein Jahr später steht mit der bayerischen Landtagswahl Seehofers wichtigste Prüfung an - und da wird er der CSU-Basis liefern wollen. Darüber kann auch die demonstrative Einigkeit mit Merkel im Bierzelt nicht hinwegtäuschen. Die Obergrenze für Flüchtlinge dürfte er nicht bekommen - aber was ist mit der Mütterrente und anderen CSU-Projekten?

Erst einmal herrscht aber große Eintracht - auch wenn der Auftritt im Bierzelt vor 2500 Zuschauern, der wegen des Anschlags von Manchester um einige Tage verschoben worden war, bei hochsommerlichen Temperaturen zu einer schweißtreibenden Angelegenheit wird. „Wir arbeiten für die Menschen in Deutschland, für die Sicherheit der Menschen und für den Wohlstand der Menschen“, sagt Merkel. Seehofer kündigt einen „Deutschlandplan 2025“ an, „in dem allen Menschen Sicherheit und Wohlstand zugesichert werden“.

„Mich erinnern diese Versöhnungstreffen von Merkel und Seehofer an das Comeback von Modern Talking: Die waren auch komplett zerstritten und haben das übertüncht, um weiter Platten zu verkaufen“, kommentiert SPD-Generalsekretärin Katarina Barley aus der Ferne.

Der G7-Gipfel lässt die Kanzlerin nicht los

Merkel macht aber nicht nur locker auf Wahlkampf. Die vergangenen Tage - vor allem der G7-Gipfel - lassen sie offenbar nicht los. Und so nutzt sie ihre Rede angesichts der schweren Krise des G7-Bündnisses und tiefgreifender Differenzen mit den USA zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für Europa. „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei, das habe ich in den letzten Tagen erlebt“, sagt sie. Die 2500 im Zelt scheinen zu merken, wie ernst es der Kanzlerin ist, klatschen minutenlang Beifall, als Merkel mahnt: „Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.“

dpa

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