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Studie:

Immer mehr Bürger sind wahlmüde

Gütersloh/München – Die Zufriedenheit der Deutschen mit der Demokratie steigt, die Wahlbeteiligung aber sinkt. Und sie werde weiter zurückgehen.

Das heißt es in einer Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts für Demoskopie Allensbach, die am Montag – gut 100 Tage vor der Bundestagswahl – in Gütersloh veröffentlicht wurde. Grund für die Wahlmüdigkeit sei aber nicht Frust oder Protest, sondern eine wachsende Gleichgültigkeit.

Demnach verabschieden sich vor allem einkommensschwache und bildungsferne Menschen aus der aktiven Teilhabe an Demokratie. „Je geringer der Sozialstatus und je größer das politische Desinteresse im Freundeskreis, desto weniger wahrscheinlich wird der Gang zur Wahlurne“, stellt die Studie fest.

Bis Mitte der 80er Jahre lag die Beteiligung an Bundestagswahlen laut Studie noch bei 90 Prozent, 2009 war sie bereits auf 70 Prozent gesunken. „Aktuell sagen 68 Prozent aus der oberen Schicht, dass sie bei der Bundestagswahl in jedem Fall wählen werden. In der unteren Schicht sind es dagegen nur 31 Prozent.“

Zugleich wachse die allgemeine Zufriedenheit mit der Demokratie und dem politischen System, so die Forscher weiter. Dies gelte besonders für die Ostdeutschen: 2003 äußerten sich lediglich 47 Prozent der Ost-Bürger zufrieden, inzwischen tun dies 74 Prozent (West: von 72 auf 84).

Zunehmende Wahlmüdigkeit ist aber auch in der Kommunalpolitik zu beobachten: So sank im Landkreis Ebersberg bei der Landratswahl im April die Wahlbeteiligung trotz eines spannenden Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen Robert Niedergesäß (CSU) und Ernst Böhm (SPD) auf nur 41,5 Prozent. Am Ende siegte Niedergesäß mit 801 Stimmen Vorsprung (50,96 Prozent). Auch bei der Bürgermeister-Wahl in Ottobrunn (Landkreis München) gingen im März nur 46,7 Prozent der wahlberechtigten Einwohner an die Urnen, bei der Stichwahl in Unterschleißheim (ebenfalls Landkreis München) lag die Wahlbeteiligung bei 49,7 Prozent.

dpa/mm

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