+
Wollen in Deutschland heimisch werden: Viele Flüchtlinge holen ihre Familien in die Bundesrepublik nach.

Vor allem Syrer und Iraker

230.000 Visa seit 2015: Immer mehr Flüchtlinge holen Familie nach

  • schließen

Der Zuzug von Flüchtlingen lässt nach dem Rekordjahr 2015 immer mehr nach. Dafür holen immer mehr Asylbewerber in Deutschland ihre Frauen und Kinder aus der Heimat nach.

München - Ehegatten, Lebenspartner, Kinder. Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, hofft nicht selten, später die Familie nachholen zu können. Die Fälle, in denen das gelingt, häufen sich.

Seit Anfang 2015 wurden laut Auswärtigem Amt weltweit rund 230.000 „Visa für den Familiennachzug“ ausgestellt. Waren es im Jahr 2015 noch rund 70.000, so stieg die Zahl im Jahr darauf auf etwa 100.000. Für 2017 liegen die Prognosen nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bei 125.000 Visa.

Europa will Alternativen zur Flucht übers Mittelmeer schaffen

Großteil der Visa an Syrer und Iraker

Der Großteil der schon erteilten Visa, nämlich 102.000, ging an Syrer und Iraker. Waren es 2015 noch 24.000 Angehörige, die nachzogen, sollen es in diesem Jahr 72.000 werden. Auch in Bayern ist die Tendenz steigend. Wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte, kamen 2015 genau 1052 Menschen über den Familiennachzug hierher. In der ersten Jahreshälfte 2017 waren es bereits 2558, die meisten aus Syrien.

Merkel über Aufnahme von Flüchtlingen:„Wir sind hin- und hergezogen“

Grundsätzlich sind nur anerkannte Asylbewerber zum Familiennachzug berechtigt. Die Partner und Kinder, um die es geht, müssen dann bei deutschen Auslandsvertretungen Visa-Anträge stellen. Dass die Zahl der erteilten Visa bislang verhältnismäßig niedrig ist, liegt an den langen Wartezeiten in den jeweiligen Konsulaten. Dort können mehrere Monate ins Land gehen.

Im Wahlkampf: Kanzlerin Angela Merkel besucht ein Hilfsprojekt für Flüchtlinge in Berlin.

Schon jetzt darf eine Viertelmillion Syrer Familienangehörige nachholen

Allerdings geht die Bundesregierung offenbar von einem Zuwachs der Anträge aus, vor allem aus Syrien. Laut einem Papier, aus dem die Bild zitiert, wären rund 267.500 Syrer berechtigt, Familienangehörige nachzuholen. Ab März 2018 könnten noch mal rund 120.000 dazukommen - sofern dann die Sperre für den Nachzug für Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutzstatus fällt. Das ist noch nicht klar. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Dienstag, sie wolle sich das Thema „Anfang nächsten Jahres anschauen“. Der Nachzug von voll Schutzberechtigten sei erst mal Herausforderung genug.

Fiele die Sperre, dann könnten laut „Bild“ theoretisch 390 000 Flüchtlinge ihre Familien nachholen. Das stellt vor allem die Kommunen vor große Herausforderungen, etwa bei der Unterbringung. „Das Problem wird sich in den nächsten Monaten verschärfen“, sagt der Direktor des Bayerischen Gemeindetags, Franz Dirnberger. Allerdings dürfe man nicht den Fehler machen, die 390 000 mit vier oder fünf potenziellen Familienangehörigen zu multiplizieren. Viele Antragsberechtigte seien schon mit ihren Frauen und Kindern gekommen, andere seien Minderjährige, die noch keine Familien haben. Schätzungen gehen von 1,3 nachkommenden Angehörigen pro Antragsberechtigtem aus. Die tatsächliche Zahl, sagt Dirnberger, dürfte höher liegen.

Dürfen Asylbewerber Urlaub in der Heimat machen? Merkel findet deutliche Worte

Marcus Mäckler

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Yücel geißelt Türkei als Willkürstaat
Die Freilassung von Deniz Yücel hat in Deutschland Erleichterung ausgelöst. Doch der stets argwöhnische Journalist zeigt, wie steinig der Weg zu einem normalisierten …
Yücel geißelt Türkei als Willkürstaat
Münchner Siko 2018: Thomas de Maizière fordert mehr Prävention im Kampf gegen Extremismus
Bei der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Thomas de Maizière am Samstag, "allein über Repression" sei "die Schlacht nicht zu gewinnen". Alle Informationen im …
Münchner Siko 2018: Thomas de Maizière fordert mehr Prävention im Kampf gegen Extremismus
Ausnahmezustand in Äthiopien gilt für ein halbes Jahr 
Der in Äthiopien verhängte Ausnahmezustand soll nach Angaben der Regierung für ein halbes Jahr gelten. Die USA haben dies scharf verurteilt.
Ausnahmezustand in Äthiopien gilt für ein halbes Jahr 
Hunderte Menschen demonstrieren gegen Abschiebungen nach Afghanistan
In Hamburg und Rostock haben am Samstag insgesamt rund 1400 Menschen friedlich gegen Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan demonstriert.
Hunderte Menschen demonstrieren gegen Abschiebungen nach Afghanistan

Kommentare