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Sigmar Gabriel Anfang Juni bei einer Demonstration gegen einen Naziaufmarsch in Goslar

Sozialdemokraten in der Sinnkrise

„Sie dürfen mich ausstopfen...“: So beißend spottet Gabriel über die SPD-Fehlersuche

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Die SPD versucht die Fehler bei der Bundestagswahl 2017 aufzuarbeiten. Ein Hauptverantwortlicher findet die Ergebnisse aber einfach nur amüsant.

Berlin - Immerhin eines hatte die SPD nach dem Wahldebakel vom Herbst 2017 auf den Weg gebracht: Eine Fehleranalyse wurde in Auftrag gegeben, damals noch von Ex-Parteichef Martin Schulz (SPD). Die Ergebnisse des Papiers hatten am Montag teils für lange Gesichter im Willy-Brandt-Haus gesorgt. Ein früherer Verantwortungsträger hat die Analyse hingegen offenbar mit Erheiterung zur Kenntnis genommen - und mit trockenem Sarkasmus. 

"Ich bekenne mich dauerhaft schuldig", sagte Sigmar Gabriel nach Informationen des Spiegel Vertrauten mit Blick auf das Papier. "Ich werde in mein Testament schreiben, dass mich der SPD-Parteivorstand nach meinem physischen Ableben ausstopfen und im Willy-Brandt-Haus in den Keller stellen darf“, wird der Ex-Parteichef weiter zitiert. „Und immer wenn ein Schuldiger gesucht wird, dürfen sie mich rausholen."

Analyse rückt Gabriel in den Fokus - rügt aber auch verwässerte Positionen

Die Fehleranalyse enthält deutliche Hinweise, dass vor allem der von 2009 bis 2017 agierende SPD-Chef Sigmar Gabriel für viele Fehlentwicklungen und einen unklaren Kurs verantwortlich gemacht wird. Die neue SPD-Chefin Andrea Nahles kündigte bei der Vorstellung des Papiers aber auch an, alles komme auf den Prüfstand.

Fehlendes Teamplay, ein diffuser Kurs, schlechte Absprachen und eine nicht verfangende Gerechtigkeitskampagne - am Ende konnte die SPD selbst „Wahlberechtigte mit emotionaler Bindung zur Partei nicht ausreichend mobilisieren“, heißt es in der 108-seitigen Analyse. „Die lange offen gelassene Kandidatenfrage war ein Kardinalfehler“, sagte der frühere Spiegel-Journalist Horand Knaup, der die Studie unter anderem mit dem Wahlkampfexperten Frank Stauss erstellt hat. 

Erst Anfang 2017 hatte der damalige SPD-Chef Gabriel zugunsten von Schulz verzichtet, dessen Stern aber schnell verglühte. Auch weil Positionen mit Rücksicht auf alle möglichen Gruppen verwässert worden seien. „Die Partei hat sich zu oft in eine Selbstfesselung begeben, die sie profillos machte“, so Knaup.

SPD in Umfragen zuletzt bei 20 Prozent

Auch im aktuell schwelenden Streit um den Asyl-Masterplan von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) steht die SPD eher im Hintergrund. Der Konflikt wird lautstark zwischen den Lagern von Seehofer und Kanzlerin Merkel ausgetragen. Dass auch der Koalitionspartner SPD die Pläne zurückweist spielt bislang augenscheinlich in der Debatte kaum eine Rolle. In Wahlumfragen erreichte die SPD zuletzt Werte um die 20 Prozent.

Gabriel tritt nicht zum ersten Mal nach seinem Abgang aus der ersten Reihe der Sozialdemokraten gegen die Genossen nach.

fn/dpa

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