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Corona-Impfwerbung, wo nur Geimpfte Zutritt haben: Lauterbachs Ministerium liefert überraschende Erklärung

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Von: Sven Hauberg

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Die Impfkampagne des Bundes steht unter dem Motto Impfen hilft.
Die Impfkampagne des Bundes steht unter dem Motto „Impfen hilft“. © Christoph Hardt/Imago

Impfwerbung in Kinos, in die nur Geimpfte Einlass erhalten: Das Gesundheitsministerium hat eine überraschende Erklärung für diesen vermeintlichen Widerspruch.

Berlin - Laut Daten des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland mindestens 75 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Das heißt: Fast jeder Vierte hierzulande ist es nicht. Diese Menschen will die Bundesregierung mit einer neuen Impfkampagne erreichen und für die Spritze gewinnen. 60 Millionen Euro kostet die Aktion, die von der Werbeagentur Scholz & Friends geplant wurde. Zuletzt hagelte es allerdings viel Kritik an der Kampagne: zu langweilig, zu wenig emotional, zu teuer, so der Tenor.

Nun steht ein weiterer Vorwurf im Raum: Die Kampagne richte sich, zumindest zum Teil, an das falsche Publikum. Denn die Werbespots, die zum Impfen aufrufen, laufen auch in den deutschen Kinos - und damit an Orten, in die Ungeimpfte bislang gar keinen Zutritt haben.

Impfwerbung in Deutschland: Lauterbachs Ministerium sucht Erklärung - „Crossmediale Kampagne“

Aufmerksam gemacht auf diesen Widerspruch hatte der Journalist Tilo Jung am Montag (14. Februar) in der Bundespressekonferenz. Sebastian Gülde, Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, versuchte sich daraufhin an einer Erklärung: „Es ist eine crossmediale Kampagne. Das heißt, es wird auch in unterschiedlichen Medien und unterschiedlichen Settings ausgespielt“, erklärte er. „Hintergrund des Ganzen ist, dass man damit natürlich auch eine gewisse Multiplikatorenwirkung erzeugen will.“ Als Beispiel nannte Gülde Migrantinnen und Migranten: „Da gibt es Multiplikatoren, die das wiederum in die Communitys, in die Familien reintragen.“

Jung hakte nach. Ziel sei es also, dass ein Geimpfter den Spot sehe und einem Ungeimpften später davon erzähle? „Auch das ist Teil dieser Kampagne“, erklärte daraufhin Ministeriumssprecher Gülde.

Corona-Impfkampagne: „Eine kommunikative Kapitulation“

Die Kampagne der Bundesregierung steht unter dem Slogan „Impfen hilft“ und wurde Ende Januar vorgestellt. Bis Ende März soll sie mit besagten 60 Millionen Euro zu Buche schlagen. „Wir versuchen auch, in viele Zielgruppen hineinzukommen; Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, die bisher von den verschiedenen Informationsaktivitäten nicht erreicht wurden“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz bei der Präsentation der Plakatmotive.

Thomas Rempen, bekannter deutscher Kommunikationsdesigner, ließ wenig später in einem Beitrag des Fachmagazins Horizont kein gutes Haar an dieser „hilflos unattraktiven, hässlichen und absehbar unerfolgreichen Kampagne“. In der Fachzeitschrift Werben und Verkaufen urteilte Kolumnist Mike Kleiß: „Die Impfkampagne ist eine kommunikative Kapitulation.“

Immerhin: Auch Ungeimpfte dürften die Werbespots wohl demnächst im Kino bewundern können. Am Mittwoch (16. Februar) trifft sich die Ministerpräsidentenkonferenz, um weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu beschließen. Dabei könnten perspektivisch die Zugangsbeschränkungen für Filmtheater gelockert werden. Bayern war bereits etwas vorgeprescht. Im Freistaat gilt in den Kinos ab Donnerstag 2G statt 2G+. Das heißt, dass Geimpfte und Genese für den Kinobesuch keinen zusätzlichen Test oder Booster benötigen. (sh)

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