In Hamburg-Eppendorf

Protest gegen Flüchtlinge: Schwarzer Sarg im Nobelviertel aufgestellt

Im Hamburger Nobelviertel Eppendorf wurde noch kein Flüchtling aufgenommen. Weil dort nun Container für gut 100 Asylbewerber gebaut werden sollen, gab es einen makaberen Protest - getarnt als Kunstinstallation.

Hamburg - Ein schwarzer Sarg mit Trauerschärpen mitten in Eppendorf. Darauf zu lesen: "Wieder weniger Grünfläche im innerstädtischen Bereich" und "Opfer Rot/Grüner Borniertheit". Mit dieser Installation sorgte eine Hobby-Künstlerin in Hamburg für Aufregung. Denn der Sarg war genau dort abgestellt, wo in Kürze eine Unterkunft für 104 Flüchtlinge entstehen soll. Das berichtet der „Focus“ auf seiner Onlineseite. Mittlerweile ist der schwarze Sarg weggeräumt, doch in den sozialen Medien geht die Diskussion weiter. Zudem fühlt sich der Bezirk von der Urheberin der Aktion gewaltig gelinkt.

Man sei „perfide hinters Licht geführt worden“, mit diesen Worten zitiert „Focus“ den Eppendorfer Bezirksamtsleiter Harald Rösler. Die Hobby-Künstlerin habe eine „Kiste mit Kunstrasen“ als Installation angekündigt. Wie diese dann genau aussehen sollte, das wollte die Frau angeblich nach der Genehmigung überlegen. Dass die Hobby-Künstlerin aber ganz andere Absichten hatte, war klar, als der schwarze Sarg mitten im noblen Eppendorf stand - genau dort, wo die Flüchtlingsunterkunft entstehen soll. Die vermeintliche Kunstaktion entpuppte sich als makaberer Protest gegen Flüchtlinge.

Hitzige Diskussion über die Aktion

Das Amt ließ den Sarg umgehend wegräumen - trotz ursprünglicher Genehmigung. Doch die Diskussion geht weiter. „Zum Fremdschämen“ nannte Thomas Domres, SPD-Abgeordneter in der Bezirksversammlung Nord,laut „Morgenpost“ die Aktion. Auf einem Straßenfest habe in Eppendorf „flächendeckendes Entsetzen“ darüber geherrscht. 

Im Netz kommt dagegen auch Jubel aus der rechten Ecke: „Geile Aktion. Hamburg wehrt sich gegen kriminelle Invasoren“, schrieb ein User über Twitter. Doch die Mehrheit findet den schwarzen Sarg beschämend. „Im ‚Kragen hoch‘ Stadtteil Eppendorf tut man gern weltoffen aber wenn‘s ernst wird ...“, kommentierte ein User via Twitter. Ein anderer warf den gut Betuchten vor: „Nase so hoch getragen, dass Sauerstoffmangel ein Problem wird?“ Besonders ärgert viele Hamburger, dass im reichen Eppendorf noch kein einziger Flüchtling untergebracht wurde - ganz im Gegensatz zu den anderen und ärmeren Stadtvierteln.

Letzter Wasserstand beim Streit um den Protest: Laut „Morgenpost“ fand sich auf der Wiese, auf der der Sarg gestanden hatte ein Beschwerdebrief - anonym verfasst vom „Künstler“. Der Sarg habe Bedauern über den „Verlust dieser urbanen Grünfläche zum Ausdruck“ bringen sollen. Jetzt sei der Sarg weggeräumt worden, obwohl von ihm „keine Gefahr in Bezug auf den G20-Gipfel“ ausgegangen sei.

mb

Rubriklistenbild: © Das noble Hamburg Eppendorf (Symbolbild), dpa

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