Wende im Ukraine-Krieg durch Prigoschins Tod: Kämpft die Wagner-Gruppe bald für Kiew?
Den Wagner-Söldnern fehlt seit kurzem eine Führung. Jetzt versuchen alle Seiten, sie für sich zu gewinnen. Kämpfen sie bald an der Seite der Ukraine?
Kiew - Nachdem mutmaßlichen Mord an dem Chef der Wagner-Gruppe Jewgeni Prigoschin wird viel über die Zukunft der Söldnertruppe spekuliert. Russland hat Informationen zufolge bereits eigene private Söldnertruppen ins Leben gerufen, welche versuchen, Söldner der Wagner-Gruppe abzuwerben, wie der US-amerikanische Thinktank, Institute for the Study of War (ISW), schreibt.
Aber auch eine andere Gruppe wirbt derzeit um die Truppen der Wagner-Gruppe. Das Russische Freiwilligenkorps wirbt offen für einen Kampf gegen Russland und Wladimir Putin. Doch was ist das Russische Freiwilligenkorps eigentlich?
Russen gegen Putin: Freiwilligenkorps wird von Rechtsextremen angeführt
Das Russische Freiwilligenkorps griff in der Vergangenheit immer wieder auf russischem Territorium an. Ähnlich wie die Legion „Freiheit für Russland“, die ausschließlich aus übergelaufenen russischen Soldaten bestehen soll, sind im Russischen Freiwilligenkorps wohl nur russische Staatsbürger. Beide Gruppen eint der Kampf gegen Wladimir Putin.
Das Russische Freiwilligenkorps hatte sich im Herbst 2022 aus russischen Kämpfern gegründet. Bereits seit August interagierte die Truppe mit den Streitkräften der Ukraine, wie das russische Exilmedium Meduza schreibt. Gegründet wurde die Gruppe von Denis Nikitin (pseudonym) und soll nur für „ethnische Russen“ bestimmt sein.

Nikitin wurde in Moskau geboren und lebte später auch eine Zeit lang in Deutschland. Im Jahr 2019 wurde Nikitin dann die Einreise nach Deutschland und in den gesamten Schengenraum verboten. Grund hierfür waren seine Aktivitäten in rechtsextremen Kreisen in ganz Europa, wie die Deutsche Welle schreibt. „Sein Neonazi-Aktivismus stelle eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit dar“, schreibt Medusa über die Begründung der deutschen Behörden. Er gilt außerdem als Gründer der Neonazi-Marke „White Rex“, welche neben Bekleidung auch für die Organisation rechtsextremer Kampfsportturniere verantwortlich war.
Wende im Ukraine-Krieg: Werden Wagner-Söldner auf die Seite der Ukraine wechseln?
Nach dem mutmaßlichen Tod von Prigoschin rief das Russische Freiwilligenkorps bereits mehrfach dazu auf, dass sich Wagner-Söldner der Gruppe anschließen sollten. Ein Aufruftext, den die Gruppe auf Telegramm veröffentlichte, beginnt mit den Worten: „Wir appellieren an die Kämpfer der Wagner-Gruppe, für die die Worte Loyalität und Ehre noch immer Sinn und Bedeutung haben.“
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Die Söldner hätten in diesem Moment nur noch zwei Möglichkeiten, heißt es weiter. „Entweder werden Sie zum Stellvertreter des russischen Verteidigungsministeriums im Dienste der Mörder Ihrer Kommandeure oder Sie retten Ihre Ehre und rächen sich an ihren Henkern, indem Sie in die Ukraine übergehen“, so der Aufruf im Wortlaut, was zu einer Wende im Ukraine-Krieg führen könnte.
Das Russischen Freiwilligenkorps würde alle Söldner bei sich aufnehmen, welche an keinen Kriegsverbrechen auf ukrainischem Boden beteiligt waren. Im Falle eines Wechsels würde das Verteidigungsministerium der Ukraine für die Sicherheit der Kämpfer und für angemessene Bedingungen garantieren, heißt es in dem Aufruf weiter.
Wende im Ukraine-Krieg: Truppe verspricht bis nach Moskau zu gehen
Abseits der möglichen Wende im Ukraine-Krieg wird in dem Schreiben auch auf den gescheiterten Marsch auf Moskau eingegangen. Ende Juni 2023 griffen Wagner-Truppen russische Soldaten in Russland an und setzten sich in Richtung Moskau in Bewegung. Nach Verhandlungen stellte Prigoschin allerdings die Aktionen seiner Truppe ein und ging nach Belarus ins Exil.
In dem Aufruftext, des Russischen Freiwilligenkorps, stellt die Truppe einen erneuten Marsch auf Moskau in Aussicht. „Aber dieses Mal halten wir nicht 200 km von der Moskauer Ringstraße entfernt an, sondern erreichen das Ende!“, so der Aufruf.
Ob und wenn ja, wie viele, Wagner-Söldner sich auf die Seite der Ukraine stellen werden, bleibt ungewiss. Klar ist jedoch, dass nach dem mutmaßlichen Tod von Anführer Prigoschin, alle Seiten versuchen, die Gunst der Söldner für sich zu erlangen. (Lucas Maier)