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Der nicht! Horst Seehofer und Markus Söder.

Indiskretion befeuert Diskussion

Seehofer-Nachfolge: Wer keinesfalls Ministerpräsident wird, niemals

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München – Die CSU ist um eine kleine Schmutzelei reicher. Bei der Zeitungslektüre diese Woche durfte der ehrgeizige Finanzminister Markus Söder erfahren, dass er „keinesfalls“ nächster bayerischer Ministerpräsident werde. Absender: der amtierende Regent, Horst Seehofer.

Mit Markus Söders Lebensplanung stimmt das nicht so überein. Übermittelt wurde der mäßig freundliche Gruß an den Kronprinzen von einem früheren Politik-Journalisten der „SZ“. Er berichtete von einem Hintergrundgespräch des Ministerpräsidenten in der Redaktion. Dort habe Horst Seehofer Wiener Würstl mit Senf gekaut, „einigermaßen plausibel“ über die Machtübergabe bis 2018 geplaudert und gesagt, dass sein Nachfolger keinesfalls Markus  Söder werde.

Einigermaßen plausibel ist das mit den Würstchen, die kaut Seehofer gern. Ebenso der Inhalt: Was Seehofer von Markus Söder hält, zeigt er wieder und wieder mit öffentlichen Maßregelungen des Ministers. Das Verhältnis zwischen beiden ist schwer belastet. Öffentlich ausgesprochen hat er ein kerniges „Der wird’s nie!“ allerdings bisher nicht.

Das zu unterlassen, lehrt ja schon die jüngere CSU-Geschichte. Einen Parteifreund als Nachfolger auszuschließen, ihm die Kompetenz abzusprechen, ist in dieser Partei erfahrungsgemäß ein sicheres Indiz für das Gegenteil. „Die können es nicht“, soll Edmund Stoiber über Erwin Huber und Günther Beckstein gesagt haben, die ihn trotzdem beerbten. Noch auf dem Totenbett würde er seine Hand gegen Seehofer heben, dieser Satz wird wiederum Huber nachgesagt. Ergebnis: Huber quicklebendig, aber Seehofer hat sein Amt.

Markus Söder: Für seine Breitenwirkung ist es schädlich

Für die Beteiligten ist die Indiskretion – Hintergrundgespräche sind klar vertraulich, auch wenn sie wie hier schon mehrere Monate zurückliegen – nicht angenehm. Für Markus Söders Breitenwirkung ist es schädlich, wenn er allerorten lesen kann, was er falsch mache und was er nie werden solle. Auch für Seehofer gibt es ein Risiko: Falls die Nachfolge trotz seiner Unkenrufe weiterhin klar auf Markus Söder zuläuft, wird Seehofer, sollte er freiwillig abtreten, dereinst erklären wollen, dass er Land und Partei gerne in sehr fähige Hände lege. Wenn ihm dann ein altes Zitat vorgehalten wird, dieser Söder werde es „keinesfalls“, erleichtert das seine Argumentation nicht.

Wenig erfreut reagieren auch Abgeordnete der Landtagsfraktion. Alle kennen Seehofers Haltung. Doch dort hält sich der Glaube, sie würden über den nächsten Ministerpräsidenten entscheiden. Es gebe „Kopfschütteln“ und „Groll“ bei Markus Söders Freunden wie Gegnern, ist aus Schottland zu hören, wo die Fraktion gerade zur Informationsreise weilt. Emotion über den Verstand zu stellen, sei nicht klug angesichts der kommenden Umbrüche, klagt einer.

Seehofer und Markus  Söder, beide gestern beim Kommunal-Gipfel in Ingolstadt im Einsatz, äußerten sich nicht. Auch nicht im Hintergrund.

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