Indonesien: Interesse an Leopard-2-Panzer

Berlin - Steht der Export von Leopard-2-Kampfpanzern - einem der größten Verkaufsschlager der deutschen Rüstungsindustrie, aber auch einem der umstrittensten - nach Indonesien bevor?

Der Bundesregierung liegt seit dem 23. Juli ein Antrag auf Ausfuhr von vier Exemplaren des aus den 80er Jahren stammenden Leopards 2A4 zur Vorführung in dem südostasiatischen Land vor. Das geht aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Daneben wurde auch der vorübergehende Export von vier Schützenpanzern des Typs Marder 1A3 beantragt. Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen, schreibt Staatssekretär Christian Schmidt in seiner Antwort. Über den Antragsteller gibt das Schreiben keine Auskunft. In der Regel werden solche Anträge von der Rüstungsindustrie gestellt.

Der Export ist wegen der Menschenrechtslage im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde umstritten. Die Bundesregierung hatte bisher lediglich bestätigt, dass Indonesien Anfang des Jahres mündlich Interesse an gebrauchten Leopard-2-Panzern aus Beständen der Bundeswehr bekundet hat. Medienberichten zufolge soll es um 100 Exemplare gehen.

Eine offizielle Anfrage zum Kauf der Panzer gibt es laut Schmidt weiterhin nicht. „Es wurde auch seitens der Bundesregierung kein Angebot unterbreitet.“

Inwieweit die beantragte Vorführung der Panzer mit der mündlichen Interessenbekundung Indonesiens zur Übernahme von Altbeständen der Bundeswehr zusammenhängt, blieb zunächst unklar. Der Leopard 2A4 wurde ab 1985 für die Bundeswehr produziert. Er wird heute aber nicht mehr vom Heer genutzt, das stattdessen über 350 Exemplare der Nachfolge-Modelle A5 und A6 verfügt.

Laut Verteidigungsministerium besitzt die Bundeswehr zwar noch einige der 2A4-Leoparden. Diese seien allerdings bereits zur Weiterentwicklung anderer Waffensysteme wie Pionierpanzer oder Brückenlege-Panzer vorgesehen, sagte ein Sprecher. Einige der alten Leoparden seien zudem an andere Nationen verliehen.

409 Marder-Panzer vom Typ 1A3 nutzt die Bundeswehr dagegen noch unter anderem in Afghanistan - aber nicht mehr lange. Sie sollen bald vom neuen Schützenpanzer Puma abgelöst und ausgemustert werden.

Neben Indonesien sollen auch Saudi-Arabien und Katar Interesse an Leopard-Panzern haben, allerdings an einer moderneren Version als Indonesien. Über Exporte von Kriegswaffen in Länder außerhalb von Nato und EU entscheidet der Bundessicherheitsrat, der geheim tagt. Die Bundesregierung äußert sich mit Hinweis darauf nicht zur Anbahnung von Rüstungsgeschäften mit solchen Ländern.

dpa

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