Indopazifischer Großer Tümmler
+
Indopazifischer Großer Tümmler

China und der Indopazifik

Indopazifik: Geografie und politische Bedeutung

Der Indopazifik spielt geopolitische eine immer größere Rolle - auch in der Rivalität zwischen China und den USA. Für Konflikte sorgt vor allem der Anspruch Chinas auf praktisch das gesamte Südchinesische Meer.

  • Die Region Indopazifik spielt für den weltweiten Handel eine bedeutsame Rolle
  • Europäische Militärpräsenz soll die Region stabilisieren
  • Der Indopazifik ist zudem in der Meeresbiologie ein wichtiger Begriff

Indopazifik: Geografische Lage und Definition

Geografisch bezeichnet der Begriff Indopazifik den nördlichen indischen Ozean, den westlichen Zentralpazifik sowie einige Nebenmeere und die dazugehörigen Inseln. Die Region Indopazifik reicht im Westen von Madagaskar bis Japan im Osten und wird im Süden von der Südsee abgegrenzt.

Auch in der Biologie wird der Begriff Indopazifik häufiger verwendet, wenn es um das Vorkommen bestimmter Fische und Delfinarten geht. So sind in der Region des Indopazifik zum Beispiel Sousa-Delfine und der indopazifische große Tümmler angestammt. An vielen Küsten der Region wachsen zudem reiche Mangrovenwälder, die für den Erhalt der ökologischen Stabilität der Meere und den Klimaschutz von großer Bedeutung sind.

Teile des Indopazifiks sind zudem beliebte Reiseziele - darunter Sri Lanka, die Malediven, Thailand oder weiter südöstlich die vor allem durch Vulkanlandschaften und Regenwälder geprägte indonesische Insel Bali.

Indopazifik und Geopolitik

Auch in der Weltpolitik spielt der Indopazifik eine wichtige Rolle. So war diese Weltregion immer wieder Teil geopolitischer Spannungen zwischen den Großmächten. Besonders von Bedeutung ist aktuell die Rivalität zwischen China und den USA.

China investiert seit Jahren in den Aufbau einer schlagkräftigeren Marine - um gegebenfalls Gebietsansprüche und eine angestrebte Vormachtstellung in der Region auch militärisch untermauern zu können. Das Land besitzt bereits zwei Flugzeugträger, ein weiterer ist im Bau. Diese Flugzeuträger und andere Flottenverbände patroullieren regelmäßig in der Region - ebenso wie die Marine der USA und anderer Staaten. Die USA und mehrere europäische Staaten, darunter Deutschland, haben in den vergangenen Jahren jeweils eigene Indopazifik-Strategiepapiere veröffentlicht. Auch eine EU-Strategie zum Indopazifik ist in Vorbereitung.

Indopazifik: Das Südchinesische Meer

China beansprucht auf Basis historischer Texte große Teile des Südchinesischen Meeres, das grob gesagt zwischen der Südküste Chinas, Vietnam, der Insel Borneo und den Philippinen liegt. Ein internationales Gericht, der International Court of Arbitration, wies 2016 diese Ansprüche zurück - doch China erkennt das Urteil bis heute nicht an.

Auch andere Anrainerstaaten wie Malaysia, die Philippinen oder Vietnam erheben Anspruch auf Teile des Seegebiets und die dort liegenden, zumeist unbewohnten Riffe und Atolle. Viele dieser Ansprüche überlappen sich. Eine Lösung des Problems ist deshalb schwierig. Peking versucht, mit diesen Anrainerstaaten eine Art Code of Conduct auszuhandeln - an dem zugrunde liegenden Territorialkonflikt ändert dies aber nichts. Denn zugleich weitet China seine de facto-Kontrolle der See immer weiter aus - indem es zum Beispiel mehrfach ohne Absprache Militärbasen auf von mehreren Staaten beanspruchten Atollen errichtete - die es zuvor künstlich zu Inseln aufgeschüttet hat. Mit zunehmender wirtschaftlicher Stärke agiert China auch in dieser Region mit wachsendem Selbstbewusstsein - und zeigt sich hinsichtlich seiner Ansprüche nicht kompromissbereit.

Das Südchinesische Meer ist nicht nur ein bedeutender Handelsweg, sondern verfügt auch über reiche Fischereigründe und Rohstoffvorkommen. Daher ist die Kontrolle über das Gewässer von überregionaler Bedeutung. Neben den USA entsenden inzwischen auch europäische Staaten Marineschiffe zu Fahrten in die Region, um dort Präsenz zu zeigen. Unausgesprochen geht es bei diesen Missionen in der Regel um die Eindämmung Chinas.

Indopazifik und die Rolle Japans

Vor allem das im östlichen Teil des Indopazifiks gelegene Japan ist darauf bedacht, dem chinesischen Militär eigene Stärke entgegenzusetzen. Die japanischen Streitkräfte sind technisch gut ausgerüstet und genießen hohes Ansehen. Anders als China investiert Japan jedoch nicht in neue Flugzeugträger, sondern rüstet bereits bestehende Hubschrauberträger um.

Vor allem im Bezug auf die Entwicklung modernster Kampfflugzeuge ist Japan deutlich weiter als China und somit im Vorteil. Die japanische Armee verfügt über modernste F35-Tarnkappenflugzeuge zurückgreifen, die der chinesischen militärischen Luftflotte deutlich überlegen sind.

Japan ist Teil des „Quadrilateral Security Dialogue“, kurz Quad, in dem auch die USA, Indien und Australien über die Sicherheitslage in der Region diskutieren. China wird in der Regel nicht direkt genannt, aber die Initiative gilt unter Experten als eine Art Allianz gegen die Volksrepublik.

Deutschland im Indopazifik

Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret-Kramp-Karrenbauer ist der Ansicht, dass die Bundeswehr in der Region des Indopazifiks eingreifen solle, um für Deeskalation zwischen den Anrainerstaaten und China zu sorgen. Kramp-Karrenbauer betont, dass diese Region von größter Bedeutung für Frieden, Freiheit und Wohlstand sei. Von aufkommenden Spannungen und Konflikten sei also auch Deutschland indirekt betroffen. Um Chinas Machtbestrebungen etwas entgegenzusetzen, entschied die deutsche Bundesregierung, dass eine Fregatte der Deutschen Marine im Spätsommer 2021 in die Region entsandt werden soll. Die Fregatte „Bayern“ soll dann aus Wilhelmshaven Richtung Indopazifik auslaufen, um auf dem Rückweg das Südchinesische Meer zu durchfahren.

Die deutsche Indo-Pazifik-Strategie bleibt aber allgemein und strebt vor allem eine engere Zusammenarbeit unter anderem mit den südostasiatischen Staaten an. Auch China ist dabei nicht explizit ausgeschlossen. Es geht in der Strategie nicht nur um Sicherheitspolitik, sondern auch um wirtschaftliche Kooperation und Klimaschutz.

Indopazifik: China, Indien und Pakistan

China hat neben strategischen auch wirtschaftliche Interessen im Großraum Indopazifik. China ist stark auf Ölimporte, vor allem aus den Golfstaaten, angewiesen. Um den Ölnachschub zu gewährleisten, transportieren chinesische Schiffe aus den Häfen der Golfstaaten durch die Region in Richtung China. Auch viele Containerschiffe sind auf dieser Strecke zwischen Europa und China unterwegs.

Nicht zuletzt deshalb ist Peking an einem direkten Zugang zum Indischen Ozean interessiert und ist mittlerweile Eigentümer des pakistanischen Hafens Gwadar. Der Hafen ist Teil des sogenannten Chinesisch-Pakistanischen Wirtschaftskorridors, der eine Infrastruktur-Verbindung zwischen der pakistanischen Küste und der chinesischen Grenze herstellt - einschließlich Pipelines, über die China Öl importieren kann, ohne den Schiffstransport durch die Straße von Malakka und das Südchinesische Meer zu benötigen.

Indien betrachtet die gestiegenen wirtschaftspolitischen Beziehungen zwischen seinen beiden Nachbarn Pakistan und China seit jeher mit Misstrauen. Denn mit beiden Nachbarn hat Neu-Delhi eine Reihe ungelöster Konflikte - nicht zuletzt beim jeweiligen Grenzverlauf. Es geht aber auch um die Vormachtstellung in Indiens Hinterhof am Indischen Ozean.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare