Initiative für mehr Altenpfleger

Berlin - Pfleger sind oft überlastet. Fachkräfte zu finden, ist schwer - und der Bedarf steigt. Nun soll mit einem Pflegepakt gegengesteuert werden. Doch Zweifel bleiben, ob das reicht.

Bund, Länder und Verbände haben eine Initiative gegen den drohenden Pflegenotstand gestartet. Im Bundesfamilienministerium in Berlin wurde dazu am Donnerstag eine Ausbildungs- und Qualifizierungsinitiative unterzeichnet.

Bis 2015 sollen die Ausbildungszahlen jährlich um zehn Prozent gesteigert werden. Bis zu 4000 Pflegehelferinnen sollen nachqualifiziert werden. Die dreijährige Umschulungsförderung durch die Bundesagentur für Arbeit wird wieder eingeführt. Pflegehelfer mit Vorerfahrung müssen nur eine zweijährige Qualifizierung absolvieren.

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) sagte: „Das Thema Pflege ist mit Sicherheit eines der größten gesellschaftspolitischen und sozialpolitischen Herausforderungen der nächsten Jahre.“ Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) betonte, nach langen Diskussionen über die Bezahlung der Qualifizierung sei nun ein guter Kompromiss gefunden worden.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hob hervor: „Das ist das erste Mal, dass sich so viele Teilnehmer auf einen Pakt verständigen.“ Beteiligt sind 30 Akteure aus Bund, Ländern und Verbänden.

„Wir werden noch mehr Bedarf haben“, sagte Bahr. Bis 2030 soll die Zahl der Bezieher von Pflegeleistungen um 40 Prozent auf 3,4 Millionen steigen. Schon heute kommen auf 100 offene Stellen nur 37 suchende Altenpflegefachkräfte.

Durch gute Bezahlung und andere Maßnahmen soll die Pflege auch attraktiver werden. Die Länder plädierten für eine einheitliche Alten- und Krankenpflegeausbildung mit einer einheitlichen Finanzierung. Nun hoffen sie auf weitere Fortschritte im kommenden Jahr.

Die Branche forderte noch weit größere Anstrengungen. „In den nächsten Jahren brauchen wir 200 000 zusätzliche Pflegekräfte“, sagte der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, der Deutschen Presse-Agentur.

Meurer, dessen Verband mehr als 7500 Einrichtungen vor allem der Pflege versammelt, wertete die Initiative als wichtigen Baustein. „Die Umschulung hin zur Altenpflegerin wird gezahlt“, sagte er. Das sei positiv. Sein Verband habe bereits zugesagt, 4000 Ausbildungsplätze zu schaffen. Nun müsse die Bundesagentur für Arbeit auch die entsprechenden Interessenten nennen.

Doch es müsse weit mehr passieren, forderte Meurer. „Wir haben jedes Jahr zwischen 1500 und 2000 Fachkräfte, die sagen: Es reicht.“ Die Politik habe es lange verschlafen, gegen den Verlust an Pflegekräften und den künftig wachsenden Mangel anzusteuern.

Nötig sei besonders eine verstärkte Anwerbung ausländischer Fachkräfte etwa aus Serbien oder Rumänien, aber etwa auch aus den Philippinen. Doch in Deutschland gebe es zu viele Vorbehalte, zu hohe Sprachanforderungen und eine zu spärlich ausgeprägte Willkommenskultur. Viele Zuwanderer machten um Deutschland deshalb einen Bogen und arbeiteten lieber in Schweden, Belgien oder anderen Ländern in der Pflege.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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