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Schirmherr des Deutschen Nachbarschaftspreis: Horst Seehofer hat offenbar den Rückzug zweier Initiativen verschuldet.

„Nicht mit ihm auf einer Bühne stehen“

Wegen Seehofers Rolle: Initiativen lehnen Nominierung für besonderen Preis ab

Horst Seehofer ist Schirmherr des Deutschen Nachbarschaftspreises. Für zwei Initiativen ist das Grund genug, um Abstand von ihrer Nominierung zu nehmen.

Update (30.7):

Das Bundesinnenministerium bedauert die Entscheidung zweier Initiativen, die aus Kritik an Schirmherr Horst Seehofer (CSU) die Nominierung für den Deutschen Nachbarschaftspreis ablehnen. Sie wolle „das Angebot signalisieren zu Gesprächen“, sagte eine Sprecherin des Ministers am Montag in Berlin. Beides seien „sehr schätzenswerte Initiativen“. 

Die zuständige Fachabteilung „Heimat“ sei zum Dialog bereit. „Solche Gespräche sind immer gut, um auch bestimmte Vorstellungen geradezurücken“, sagte die Sprecherin. „Die Entscheidung ist natürlich zu respektieren“, fügte sie hinzu. „Aber es kann schon die Wertschätzung für die Arbeit Ausdruck finden und möglicherweise auch Wertschätzung auf der Gegenseite entdeckt werden.“ Sie erwarte auch nicht, dass der Minister den Preis nun nicht mehr vergeben wolle. „Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass er das tun wird.“

Erstmeldung:

Köln/Berlin - Zwei Initiativen in Köln und Berlin lehnen eine Nominierung für den Deutschen Nachbarschaftspreis ab, weil Innenminister Horst Seehofer (CSU) Schirmherr ist. Sie hätten sich sehr über die Nominierung gefreut, aber Seehofers Schirmherrschaft könnten sie nicht mit ihren Absichten vereinbaren, erklärte die Berliner Flüchtlingshilfsorganisation „Moabit hilft“.

„Wir können uns nicht vorstellen, mit Horst Seehofer auf einer Bühne zu stehen“, sagte Diana Henniges vom Vereinsvorstand am Sonntag. Zuvor hatte die Berliner Zeitung darüber berichtet. Auch ein Verein aus Köln, dessen Projekt „Kasimir“ kostenfrei Lastenräder in der Stadt verleiht, hat seine Bewerbung zurückgezogen.

Lesen Sie auch: Mehr Reichsbürger, Salafisten und linksextreme Gewalt: Seehofer stellt Verfassungschutzbericht vor

„Nicht unsere Form von Nachbarschaft“

Die Entscheidung hätten sie vor einigen Tagen gefasst, sagte ein Sprecher aus Nordrhein-Westfalen am Wochenende. Aus ihrer Sicht sei in letzter Zeit ein politischer Konsens aufgekündigt worden. „Das ist nicht unsere Form von Nachbarschaft. Wir wollen nicht, dass so eine Spaltung der Gesellschaft betrieben wird.“

Eine Stiftung will die Preise Anfang September verleihen. „Wir bedauern das natürlich, verstehen es aber auch“, sagte Geschäftsführer Michael Vollmann. Sie arbeiteten seit 2017 mit dem Bundesinnenministerium zusammen, dessen Ressortchef dann die Schirmherrschaft habe. Sie hätten Seehofers Aussagen ebenfalls kritisch diskutiert. Die Stiftung wird vom Internetportal nebenan.de und anderen Einrichtungen unterstützt, wie Vollmann sagte.

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dpa

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