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Diese Flinte hat ausgedient: Innenminister Joachim Herrmann (l.) und Mario Altmann vom LKA zerlegen eine Jagdwaffe, die in der Sammlung des LKA verwahrt wird.

Munition für den Schmelzofen

Herrmann stellt neues Waffenregister vor

München - Stärkere Vorschriften, mehr Kontrollen: Die Zahl der registrierten Schusswaffen in Bayern geht weiter zurück. Dieses Ergebnis präsentierte Innenminister Joachim Herrmann gestern in München. SPD und Grüne fordern trotzdem strengere Auflagen.

Begehrenswert ist dieses Modell von General Motors nicht wirklich. Im Grunde genommen ist es Schrott. „Ein Wegwerfprodukt“, sagt Michael Hausmann. „Es rostet schnell, weil es keinen Schutzüberzug hat.“ Hausmann ist technischer Inspektor beim Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) in München. Nun handelt es sich bei der silbernen Blechbüchse nicht um ein Auto, sondern um eine kleine, billige Pistole. Die Guide Lamp Division von General Motors hat sie in den USA zur Zeit des Zweiten Weltkriegs hergestellt. Heute liegt diese Waffe beim LKA, dessen Arsenal immer größer wird. Denn immer mehr Menschen in Bayern geben ihre Schusswaffen freiwillig ab.

Viele Leute erben Gewehre oder Revolver, die sie gerne loswerden wollen. Die Regierung sagt: Nur her damit. Am Ende des vergangenen Jahres besaßen Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zufolge rund 288 000 Personen Waffenerlaubnisse für 1,15 Millionen Schusswaffen. Zum Vergleich: Im April 2009 waren in Bayern noch rund 367 000 Personen mit 1,42 Millionen Waffen registriert. Heute gibt es also 20 Prozent weniger legale Waffen im Freistaat. „Das ist eine begrüßenswerte Entwicklung“, sagte Herrmann gestern im LKA, wo er das neue nationale Waffenregister vorstellte.

Dieses gibt es seit dem 1. Januar 2013. Es soll schnell Auskunft darüber geben, wieviele Waffen in Deutschland legal in Umlauf sind. Durch das Register werde die Arbeit der Behörden erleichtert. Wer bisher Zahlen zu den Waffen und ihren Inhabern haben wollte, musste allein in Bayern alle 96 Waffenbehörden einzeln abfragen. Jetzt ermöglicht das Waffenregister laut Herrmann eine vereinfachte elektronische Recherche.

Zudem könne der Weg einer Schusswaffe ab der Herstellung lückenlos nachverfolgt werden, wodurch langfristig auch weniger Waffen illegal in Umlauf kommen können. Die Mehrheit an Straftaten in Deutschland wurde laut Herrmann mit illegalen Waffen begangen. An rechtmäßige Inhaber appelliert er dagegen, sich an die Vorschriften zu halten und Waffen sicher wegzusperren.

SPD und Gründe sind nicht so zufrieden wie Herrmann. „Die Waffendichte in Bayern ist im Vergleich zu den anderen Bundesländern nach wie vor zu hoch“, kritisiert Harald Schneider. Der sicherheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion weist darauf hin, dass es nur in Rheinland-Pfalz und im Saarland mehr Waffen pro Einwohner gebe. Die Landtagsgrünen regten zudem an, dass Sportschützen ihre großkalibrigen Waffen außerhalb des privaten Haushalts aufbewahren sollen. Stärkere Kontrollen durch Landratsämter und kreisfreie Städte seien ebenfalls wünschenswert – auch unangemeldet.

Wolfgang Kink, Landesschützenmeister beim Bayerischen Sportschützenbund, teilt diese Auffassung nicht. Der Schutz der Wohnung sei im Grundgesetz verankert. „Wir Sportschützen haben nichts zu verbergen“, sagte Kink. „Aber wir wollen, dass sich Verwaltungsangestellte anmelden wie der Kaminkehrer.“ Ebenso wenig hält er von einem Bunker, in dem Schützen Gewehre und Pistolen lagern könnten. „Für kriminelle Elemente wären dies lohnende Ziele für die Beschaffung vieler Waffen“, sagt Kink. „Und würde man bei allen unserer 4700 Vereine in Bayern einen Aufbewahrungsraum bauen, wären Sportfördermittel für die nächsten 100 Jahre weg.“

Der Appell des Innenministers: Wer eine alte Waffe erbt, soll sie beim Landratsamt abgeben und vernichten lassen. Jäger und Schützen müssten dagegen darauf achten, dass außer ihnen niemand den Waffenschrank öffnen kann. Beim versuchten Amok-Lauf an einer Schule in Memmingen (siehe Bericht unten) hatte ein Jugendlicher Zugang zu den Waffen seines Vaters. Das ist laut Herrmann aber nur passiert, weil sie nicht so aufbewahrt wurden, wie es das Gesetz vorschreibt.

Von Marc Lamberger

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