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Bayerns Mann für Sicherheit: Joachim Herrmann ist seit Oktober 2007 Innenminister.

Nach Würzburg-Attacke

Joachim Herrmann: Der Unaufgeregte

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München - Es ist die Stunde des Innenministers: Die Axt-Attacke von Würzburg rückt Joachim Herrmann bundesweit in den Fokus. Der Franke präsentiert sich nüchtern, zurückhaltend und führungsstark – offenbar hat er auch aus früheren Fehlern gelernt.

Zwischen den Fernsehauftritten liegen nur fünf Stunden Schlaf. Am frühen Dienstagmorgen sitzt Joachim Herrmann schon wieder im TV-Studio, um via „Morgenmagazin“ das Land auf den neusten Stand zu bringen. Er berichtet von Zeugenaussagen, wonach der afghanische Täter im Zug bei Würzburg „Gott ist groß“ gerufen habe. Außerdem habe man in seinem Zimmer eine handgemalte Flagge des Islamischen Staates gefunden. Gleich schränkt Herrmann aber ein: „Das muss jetzt alles wie ein großes Mosaik zusammengesetzt werden.“ Keine voreiligen Schlüsse. Man müsse fragen: „Was ist da in den letzten Wochen und Monaten passiert?“ Geduld sei angebracht. „Die Tat ist jetzt nicht einmal zwölf Stunden her.“

Es ist ein bemerkenswerter Auftritt für einen Innenminister, zumal einen von der CSU. Erst in der vergangenen Woche konnte man in Paris beobachten, wie Präsident Hollande den Nizza-Attentäter als Islamisten bezeichnete – ohne dass Beweise dafür vorlagen.

Auch Herrmann selbst ist ein gebranntes Kind: Nach den Anschlägen von Paris, bestätigte der Minister, es spreche „im Moment sehr viel dafür“, dass einer der Attentäter als Flüchtling in Bayern registriert worden sei. Doch es handelte sich nur um einen Mann mit sehr ähnlichem Namen. Am Ende musste Herrmann sich selbst korrigieren – die grüne Innenexpertin Katharina Schulze unterstellte ihm jedoch Absicht. Herrmann schüre Ressentiments. Dass er sich jetzt vorsichtiger äußere und die Fakten abwarte, gehöre zum Anforderungsprofil eines Innenministers. „Dafür muss man ihn nicht loben“, sagt Schulze. „Er macht seinen Job.“

CSU-Kenner Heinrich Oberreuter sieht das ähnlich. Gerade in aufgeregten Zeiten müsse ein Minister Ruhe ausstrahlen. Herrmann sei die „Inkarnation aus Sachlichkeit und Unaufgeregtheit“ – und damit perfekt für die Aufgabe geeignet. Der Politikprofessor zählt den Minister zum innersten Führungszirkel der CSU, auch wenn sich andere öffentlich mehr in den Vordergrund drängten. „Ich halte ihn in der ungeklärten Nachfolgefrage von Horst Seehofer nach wie vor für einen potenziellen Kandidaten“, sagt Oberreuter. Herrmann müsse den Führungsanspruch nur offensiver vertreten.

Tatsächlich wird Herrmann die Ruhe, die er jetzt ausstrahlt, intern auch ab und zu vorgeworfen. Er müsse in kontroversen Debatten „mehr Pfeile auf sich ziehen“, verlangte ein Parteifreund schwer genervt im November, als die Flüchtlingskrise hochkochte. „Wie eine Auster“ sitze Herrmann rum. Ministerpräsident Seehofer rüffelte seinen Minister im kleiner Runde wegen eines Rückstands bei Abschiebungen. Still und bewegungslos, so wird berichtet, nahm der Jurist das entgegen. In bald einem Jahrzehnt als Innenminister hat er Schlimmeres erlebt als maulende Parteichefs.

Ein Alleinunterhalter wird aus dem manchmal brummeligen 59-Jährigen nicht mehr. Er taugt kaum zum Small-Talk, inszeniert sich dezent. Herzenswärme, etwas Landesväterliches, verströmt er selbst gegenüber engen Mitarbeiter nicht. Intern, man mag es sich kaum vorstellen, soll er auch mal aufbrausen. Doch in seinen Amtsjahren sind wichtige Fähigkeiten dazu gekommen. Seine Landtagsreden sind schärfer, manchmal sogar kernig. Er pflegt zudem eine feine Ironie. Wenn er über „famose“ Parteifreunde spricht, ist das sein höchster Spott. Als Innenminister darf man Ironie freilich nur dosiert einsetzen.

Tatsache ist: Herrmann hat sein Haus im Griff. Nach 22 Uhr wird er am Montag vom Lagezentrum über die Attacke informiert. Wenig später telefoniert er mit Einsatzleitern vor Ort. Herrmann hat Feierabend, sein Begleitschutz hatte ihn in der gesicherten Münchener Wohnung abgeliefert. Kurz vor 23 Uhr aber müssen die Personenschützer umdrehen, fahren Herrmann spontan zu Live-Schalten in die Fernsehstudios. „Tagesthemen“ in der ARD, „Rundschau Nacht“ beim BR. Alle paar Minuten lässt er sich den Sachstand berichten, entscheidet sich aber gegen den Hubschrauberflug und schickt seinen Staatssekretär nach Würzburg. Herrmann bleibt in München – und schärft bundesweit im Fernsehen ohne scharfe Worte sein Profil.

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