Höchst umstritten

Bauern in Deutschland sauer: Neues Insektenschutzgesetz „grottenfalsch“

Nach überaus zähen Verhandlungen hat das Bundeskabinett ein neues Gesetzespaket zum Insektenschutz beschlossen - und erntet dafür Lob, aber auch scharfe Kritik.

  • Ein neues Paket an Maßnahmen zum Insektenschutz wurde im Bundeskabinett beschlossen.
  • Es verschärft die Regeln für den Einsatz von Pesitziden und weist Schutzgebiete aus.
  • Viele Bauern haben schon im Vorfeld massiv gegen das Vorhaben protestiert.

Berlin - Des einen Freud ist des anderen Leid. Die Redewendung mag abgegriffen sein, bewahrheitet sich jedoch immer wieder. Auch im Fall des neuen Gesetzespakets zum Insektenschutz scheint es so zu sein. Während Umweltverbände den Vorstoß begrüßen, weckt er bei Deutschlands Landwirten Unmut.

Das Bundeskabinett hat die Novellen des Bundesnaturschutzgesetzes (gemeinhin bekannt als Insektenschutzgesetz) und der sogenannten Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung am Mittwoch nach monatelangem Ringen beschlossen. Sie regeln unter anderem den Einsatz von Pestiziden und weisen Schutzgebiete aus, um das Insektensterben zu reduzieren. Der Einsatz von Gylphosat soll ebenfalls verboten werden.

Neues Maßnahmenpaket zum Insektenschutz: Scharfe Kritik von deutschen Landwirten

Bei den Verhandlungen hatten sich hauptsächlich die Ressorts von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gegenübergestanden. Das Vorhaben war im Vorfeld auf heftigen Widerstand gestoßen - sowohl aus den Bundesländern als auch seitens der Landwirte. Vereinzelt kam es sogar zu größeren Protestaktionen, wie Traktor-Demonstrationen in Berlin und Friedrichshafen. Letztere sind wegen möglicher wirtschaftlicher Einbußen besorgt, die ein restriktiver Einsatz von Pestiziden mit sich bringen könnte.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, kritisierte in diesem Zusammenhang besonders Schulze. „Die Strategie der Bundesumweltministerin, den Insektenschutz mit Verboten durchzusetzen, halten wir für grottenfalsch und sogar für gefährlich“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Rukwied warnte außerdem, viele Bauernfamilien würden ihre Existenzgrundlage verlieren. „Wir reden hier nicht nur über vernichtetes Kapital und verlorene Arbeitsplätze, sondern über das Ende eines jahrhundertealten Teils unserer Kultur.“

Mehr Insektenschutz in Deutschland: Umweltverbände reagieren erfreut

Rukwied zweifelt darüber hinaus an der Sinnhaftigkeit der Maßnahmen in Bezug auf Streuobstwiesen und das Brachlegen von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Er räumt aber ein, dass sich die Landwirtschaft beim Naturschutz verbessern müsse und warb für einen kooperativen Ansatz. „Wichtig wäre mir kein gesetzlicher Zwang, sondern kooperativer Naturschutz.“

Anders sehen das mehrere Umweltverbände, darunter der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Jedes eingesparte Kilo Pestizid, jeder pestizidfreie Quadratkilometer Land und jede eingesparte Lichtquelle sind positiv für Insekten und Natur. Auch der endgültige Ausstieg aus der Glyphosat-Landwirtschaft weist in die richtige Richtung“, sagte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt. Er betonte ebenfalls die Wichtigkeit kooperativer Lösungen mit den Landwirten. (dpa/AFP/mam)

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

Auch interessant

Kommentare