Polizei stoppt Geiselnahme in Köln: Täter muss reanimiert werden

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Seltener Gast auf der Berliner Bühne: Edmund Stoiber stürzte sich im Asylstreit etwas widerwillig ins Getümmel.

Alte Garde bei Asyl-Verhandlungen

Insider über Merkel-Treffen: Als Seehofer beleidigt war, musste Stoiber vermitteln

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Die Sitzung vom Montag bei Merkel dürfte in der schwierigen Geschichte der Union einen besonderen Platz einnehmen. Je mehr über die zähen Verhandlungen nach außen dringt, desto klarer wird: Ausgerechnet die alte Garde spielte eine entscheidende Rolle.

München – Mancher der Berliner Journalisten staunt am Montagnachmittag, wer da mit Markus Söder vor der CDU-Zentrale aus der Limousine steigt. Edmund Stoiber knöpft sein Sakko zu, trottet mit gesenktem Kopf, ein wenig gedankenverloren hinter dem Ministerpräsidenten ins Konrad-Adenauer-Haus. Der ehemalige Parteichef hat lange gezögert, sich in dieses Getümmel zu stürzen. Klar, in der CSU zieht er hinter den Kulissen noch immer Strippen, in Talkshows ist er regelmäßiger Gast – aber hier in Berlin hat er schon lange keine politische Schlacht mehr geschlagen.

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Stoiber half mit, an Kompromissen zu feilen 

Je mehr bekannt wird aus der historischen Sitzung, die vorerst den Zusammenhalt der Unionsparteien gerettet hat, desto klarer wird: Hier haben zwei Männer eine entscheidende Rolle gespielt, die auch den Kreuther Trennungsbeschluss von 1976 aus eigener (schlechter) Erinnerung kennen. Erst war es Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (75), der Angela Merkel und Horst Seehofer ins Gewissen redete. Später, in größerer Runde, half Stoiber (76) entscheidend mit, am Kompromiss zu feilen.

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Dagegen berichten mehrere Teilnehmer von einem aufgewühlten und schroff auftretenden Seehofer. Schon auf dem Weg nach Berlin hatte er seinen Unmut einem SZ-Journalisten per Telefon mitgeteilt. „Ich lasse mich nicht von einer Kanzlerin entlassen, die nur wegen mir Kanzlerin ist.“ Das klang nicht nach Kompromiss. Offenbar änderte Seehofer auch während der Verhandlungen die Tonart nicht. Die Kanzlerin dagegen habe gewohnt ruhig reagiert. „Da ist sie unendlich belastbar“, sagt einer, der dabei war.

Den Text setzte der Generalsekretär handschriftlich auf

Seehofer und Merkel kamen dem Vernehmen nach schon aus dem Schäuble-Gespräch mit dem Kompromissvorschlag der Transitzentren. Der Innenminister stellte die Idee vor. Den Text dazu setzte schließlich CSU-Generalsekretär Markus Blume handschriftlich auf, unterstützt von seiner CDU-Kollegin Annegret Kramp-Karrenbauer. Dann wurde intensiv um jede Formulierung gerungen. Gegen Zurückweisungen wehrte sich Merkel bis zuletzt. Seehofer reagierte oft beleidigt, „er war sehr emotional“, sagt ein Teilnehmer. Stoiber versuchte mehrfach zu vermitteln. „Es war gut, dass der dabei war“, heißt es.

Dabei wollte der Ehrenvorsitzende zunächst gar nicht fahren. Schon am Sonntagabend war er nach der turbulenten CSU-Vorstandssitzung inklusive Seehofer-Rücktritt gebeten worden, mit nach Berlin zu kommen. Er zögerte, lehnte ab. Erst nach weiteren bittenden Anrufen kam er mit. Schließlich verfügt er über noch mehr Erfahrung als Seehofer für zähe Verhandlungen mit Merkel. 2004 etwa errangen die beiden nach monatelangem Streit einen Kompromiss in der Gesundheitspolitik. Ironie 1: Das Opfer dieses Kompromisses hieß Horst Seehofer, der daraufhin als Vize der Unionsfraktion zurücktrat. Ironie 2: Der Kompromiss wurde nie in die Realität umgesetzt.

Bittere Umfrage für Seehofer

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Seehofers Laune bereitet dagegen einigen in der Partei Sorgen. Schon im CSU-Vorstand war er sehr ruppig aufgetreten. Einige sind verärgert, andere versuchen ihn zu verteidigen. „Das ist menschlich“, sagt einer. Seehofer habe weder das schlechte Ergebnis bei der Bundestagswahl verkraftet noch sein Ende als Ministerpräsident. Danach platzten nach wochenlanger Arbeit die Jamaika-Verhandlungen, nahtlos begann das zähe Ringen mit der SPD. Im Amt des Innenministers habe Seehofer sofort den Bamf-Skandal geerbt. „Das alles geht an keinem spurlos vorüber.“ Man kann es ihm ansehen. „Der Horst sieht unfassbar schlecht aus“, sagt ein Minister aus München, nur dass er statt „schlecht“ ein noch unschöneres Wort benutzt.

Die Bürger zeigen weniger Verständnis. Einer Forsa-Umfrage zufolge meinen 69 Prozent der Deutschen, Seehofer hätte zurücktreten sollen. Auch 45 Prozent der CSU-Anhänger sehen das so.

Video: Asylstreit


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