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Der Freistaat Bayern findet nicht genügend Cybercops.

Kriminalität im Netz

Bayern findet keine Internet-Polizisten

München - Massives Problem beim Kampf gegen Verbrechen im Netz: Bayerns Polizei findet nicht genug Spezialisten, um gegen Kriminalität im Internet vorzugehen.

Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks findet die bayerische Polizei nicht genügend qualifiziertes Personal im Kampf gegen die Internetkriminalität. So sind zwar innerhalb eines Jahres etwa 50 IT-Spezialisten und Wirtschaftskriminalisten ausgebildet worden. Knapp die Hälfte davon seien nach Aussage von Peter Schall von der Gewerkschaft der Polizei aber wieder abgesprungen, weil sie in der Wirtschaft erheblich mehr verdienen. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft kritisiert, dass die Cybercops mit "falschen und intransparenten Gehaltsversprechen geködert" worden seien. Das bayerische Innenministerium gibt keine offiziellen Zahlen zu den Abbrechern heraus, spricht nur "von dem einen oder anderen", der abgesprungen sei.

Internetpolizisten werden heute nach Ansicht von Kriminalisten mehr gebraucht denn je. Unter anderem übernehmen sie die sogenannte "Durchsicht" bei Verdachtsfällen von Kinderpornografie. Allein 117 Ermittlungsverfahren sind aktuell wegen der "Kanada-Liste" bei den bayerischen Staatsanwaltschaften anhängig. Die Beschuldigten sollen wie der SPD-Politiker Sebastian Edathy kinderpornografisches Material beim Anbieter Azov Films aus Toronto bezogen haben. Im Januar hatte das bayerische Innenministerium angekündigt, noch 2014 die Zahl der Cybercops auf 50 aufzustocken. Derzeit sind aber nur 25 im Dienst. Die Internetstreife verfolgt Kinderpornografie, Betrug, Mobbing oder Geldwäsche.

Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks sind die Internetpolizisten wegen der vielen Anfragen stark überlastet. "Heute hat fast jedes Delikt mit dem Internet zu tun", erklärt Günter Seibold, Leiter des Dezernats Cybercrime im Bayerischen Landeskriminalamt: "Kriminelle Daten werden häufig in der sogenannten Cloud versteckt, also im Internet - eine einfache Hausdurchsuchung reicht da nicht mehr." Laut dem Bund Deutscher Kriminalbeamter ist beispielsweise in Mittelfranken nur noch einer von vier Cybercop-Anwärtern im Dienst. Derzeit durchlaufen zwar 22 neue IT-Fachkräfte die Kurzausbildung, die sie im kommenden Sommer abschließen, "aber auch dann wäre der Bedarf der einzelnen Präsidien noch lange nicht gedeckt", sagt Norbert Reisinger vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.

Mehr zum Thema hören Sie heute ab 6.00 Uhr auf "B5 aktuell" sowie in der "radioWelt" auf Bayern 2 und in "Update" ab 12.00 Uhr auf Bayern 3. Außerdem im "Funkstreifzug" am Sonntag, 28. September 2014 auf B5 aktuell um 9.15 Uhr und um 12.15 Uhr.

mm/tz

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