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Münchner Wechsel: Gerold Otten (re.) ist als Vize neu im AfD-Landesvorstand, Petr Bystron schied als Vorsitzender aus. 

Interview vor dem AfD-Landesparteitag

AfD-Abgeordneter Gerold Otten: Es wird mit härteren Bandagen gekämpft

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Ab Samstag findet der zweite Teil des AfD-Landesparteitags mit Vorstandswahlen statt. Lesen Sie hier ein Interview mit AfD-Vize-Landeschef Gerold Otten.

München - Die nächsten Wochenenden des AfD-Abgeordneten und Vize-Landeschefs Gerold Otten (62) aus dem Kreis München sind für Parteiveranstaltungen geblockt. In Greding findet ab Samstag der zweite Teil des Landesparteitags mit Vorstandswahlen statt, eine Woche später wird der oberbayerische Bezirksvorsitz gewählt. Bei Teil 1 des Parteitags hatte es zeitweise gekracht, auch morgen gibt es Unwägbarkeiten.

Herr Otten, trauen Sie sich momentan noch ins Internet zu schauen?

Gerold Otten: Ich war mit dem Schiff unterwegs, aber habe mitbekommen, dass da einiges los war auf Twitter bei der AfD.

Nach fragwürdigen Äußerungen hagelt es Anzeigen wegen Volksverhetzung. Überschreitet Ihre Partei wieder bewusst Grenzen des Geschmacks und des Gesetzes?

Otten: Der Zeitpunkt passte, und inhaltlich kann ich die Tweets rund um die Sicherheitslage an Silvester mittragen. Mir geht es in der Debatte aber vor allem um das Signal, das das Netzdurchsetzungsgesetz auslöst: Wir haben Firmen die rechtliche Bewertung von Aussagen übertragen – eine Aufgabe, die Gerichte übernehmen müssten. Das muss korrigiert werden.

Was will die AfD: Hetzen oder gestalten?

Otten: Wir haben seit der Bundestagswahl gezeigt, dass wir konstruktiv arbeiten, etwa bei der Verlängerung der Bundeswehreinsätze. Die CSU übernimmt inzwischen Positionen, für die wir vor zwei Jahren gesteinigt worden sind. Etwa bei der Reduzierung der Leistungen für Asylbewerber. Sie schreibt ein AfD-Programm – inhaltlich kann ich das nur begrüßen.

Aber alles mit dem Ziel, der AfD die Wähler wegzunehmen.

Otten: Ich habe da keine Sorge. Von der absoluten Mehrheit im Landtag hat sich die CSU doch schon verabschiedet, und auch der Effekt durch die Ernennung von Markus Söder zum Ministerpräsidenten wird verblassen.

Sind gute AfD-Ergebnisse nicht auch ein Fluch? Haben Sie bei 4000 Mitglieder in Bayern überhaupt genug Leute für die vielen Posten, die vergeben werden?

Otten: Für Spitzenpositionen sind wir sicher gut aufgestellt.

Um die Spitze wird in Oberbayern gerade gewetteifert. Franz Bergmüller aus Rosenheim fordert Bezirkschef Florian Jäger heraus und will dessen Amt übernehmen.

Otten: Es ist immer gut, Auswahl zu haben. Das ist eine ganz interessante Konstellation, ein offenes Rennen mit viel Bewegung. Es ist legitim, wenn auch mit härteren Bandagen gekämpft wird, sofern das Ganze transparent abläuft.

In der AfD wird es schnell persönlich. Nach Wahl-Intrigen bei Teil 1 des Parteitags sprachen Sie vom „vergifteten Arbeitsklima“. Gab es eine Aussprache?

Otten: Die Auseinandersetzung war der innerparteilichen Rivalität um die Vorstandsposten geschuldet. Wir sind alle soweit erwachsen, dass wir wieder auf eine sachliche Ebene zurückkommen und in der Landesgruppe an einem Strang ziehen.

Trotz der Angriffe, auch gegen Sie?

Otten: Ich bin da nicht nachtragend.

Ist die AfD rechter als vor einem Jahr?

Otten: Die AfD ist dort, wo sie immer war. Kein Flügel bestimmt die Richtung. In unserem Vorstand sind alle Strömungen vertreten – ich hoffe, dass das auch nach der Wahl der Besitzer so ist. Bisher können wir im Landesvorstand konstruktiv arbeiten, das ist anders als vor einem Jahr.

Frauke Petry hat sich zu Wort gemeldet. Sie sagt, nur wer den rechten „Flügel“ um Björn Höcke toleriert, kann sich langfristig in der AfD halten.

Otten: Frauke Petry hat immer noch Trennungsschmerz. Sie ist kein Mitglied mehr, sie ist jetzt ein politischer Gegner. Von daher lege ich keinen Wert auf ihre Äußerungen, die einer persönlichen Animosität geschuldet sind. Petrys Initiative „Die blaue Wende“ ist eine Totgeburt, genau wie „Alfa“ von Bernd Lucke.

Das heißt also doch: Wer sich von Rechtsauslegern abgrenzt, verliert.

Otten: Nein. Auch wenn die Wahlen holprig waren, haben wir erneut einen ausgewogenen Bundesvorstand hinbekommen. Wir müssen nur wachsam und kritisch sein, dass wir nicht in eine Richtung abdriften unter dem Deckmantel der Solidarität.

Lesen Sie auch: Landesparteitag der AfD Bayern: Neuer Vorsitzender gewählt 

Auf AfD-Parteitag - Bayerische Delegation wird demontiert

Interview: Sebastian Dorn

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