Verheerender Anschlag in Ägypten: Zahl der Toten auf 155 gestiegen

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Die USA werden sich nicht komplett aus Europa zurückziehen, glaubt Klaus Neumann.

Klaus Naumann

Interview mit General: „Die USA brauchen Europa“

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München - Donald Trump ist kein Freund der Nato. Was bedeutet das für die transatlantischen Beziehungen? General Klaus Naumann glaubt nicht an eine totale Abkehr.

Herr General, die Nato sieht sich durch Donald Trump, der das Bündnis im Wahlkampf überflüssig genannt hat, infrage gestellt. Wie groß ist die Gefahr?

General Klaus Naumann.

General Klaus Naumann: Ich halte das für keine reale Gefahr. Trump wird sich an die Realitäten der eingegangenen Verpflichtungen genau so gebunden fühlen wie alle seine Amtsvorgänger. Was er sicher tun wird, ist, die berechtigte Forderung zu erheben, dass die Europäer auf dem Sektor der Verteidigung mehr tun müssen, also mehr als sie beim Nato-Gipfel in Warschau zugesagt haben. Viele in Europa waren und sind Trittbrettfahrer.

Was bedeutet, dass Deutschland seinen Verteidigungsetat noch einmal deutlich aufstocken muss?

Naumann: Das wird man sehen. Insgesamt denke ich: in der Tendenz ja. Aber das hat ja Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bereits angekündigt. Und Kanzlerin Angela Merkel hat angedeutet, dass sich Deutschland Schritt für Schritt den eingegangenen Verpflichtung annähern wird, zwei Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben.

Nun hat Trump seinen Wählern gegenüber eine gewisse Bringschuld. Was würde passieren, wenn die USA einen Teil ihrer Einheiten aus Europa abzögen?

Naumann: Das wäre ein tiefer Rückschlag und ein Bruch eingegangener Verpflichtungen. Das könnte in der Tat eine tiefe Krise auslösen. Man darf nie vergessen, dass die USA das Rückgrat der atlantischen Verteidigung sind. Wenn die anfangen, am Stuhl zu sägen, dann besteht Gefahr nicht nur für den Stuhl, sondern auch für die USA: Die dominierende Weltmacht sind die USA nur mit Europa als Verbündetem.

Sind die Europäer, wie Trump meinte, wirklich nur ein Grüppchen schwächelnder Staaten, die sich nicht selbst verteidigen können?

Naumann: Europa hat seine Sicherheit und seine Verteidigung zumindest in den vergangenen 15 Jahren vernachlässigt und die Friedensdividende in vollen Zügen genossen. Wir haben darauf gebaut, dass Russland ein dauerhafter Partner ist, doch diese Partnerschaft hat Putin einseitig aufgekündigt. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass wir uns selbst schützen können. Das ist Europas Verantwortung. Strategisch bleiben wir auf die USA angewiesen. Wir brauchen die nukleare Macht der USA, um ein Gleichgewicht der Abschreckung herstellen zu können. Und wir brauchen die strategische Tiefe des nordatlantischen Raumes, ohne die Europa nicht verteidigt werden kann.

Wie kann Europa einen Abgang der USA verkraften?

Die Europäer sind verteidigungstechnisch kaum in der Lage, die USA zu ersetzen. Was muss geschehen, was erwarten Sie?

Naumann: Mehr europäische Zusammenarbeit in den Bereichen, in denen Europa viel leisten und Doppelarbeit abbauen kann. Pro Jahr gehen dadurch allein im Verteidigungsbereich 13 Milliarden Euro in Europa verloren. Wir sind in der schlechten Situation, dass wir 60 Prozent dessen ausgeben, was die USA für Verteidigung aufwenden, im Gegenzug aber nur 20 Prozent der amerikanischen Fähigkeiten aufbringen. Das zu ändern ist eine Herausforderung für alle europäischen Politiker. Gefordert sind Taten, nicht hohle Worte wie Europaarmee. Es muss endlich aufhören, dass wir in Europa ständig versuchen, in Rüstungsprogrammen ein Rad neu zu erfinden, das in den USA schon lange rollt, aber, wie schon gesagt, ersetzen können wir die USA nicht.

Es was also richtig, sich vor allem auf die USA zu konzentrieren, statt stärker auf einen Ausgleich mit Russland hinzuarbeiten?

Naumann: Wir können einen Ausgleich mit Russland nur erreichen, wenn wir in enger Zusammenarbeit mit den USA versuchen, Brücken zu bauen. Dass es Stabilität in Europa langfristig nur mit Russland geben kann, dürfte jedem klar sein. Leider versteht Russland aber nur die Sprache der Stärke. Wenn wir nachgeben und glauben, einen Deal mit Moskau machen zu können, öffnen wir Putin die Tür für die Spaltung Europas und die Abkehr der USA von Europa. Das wäre eine Katastrophe.

Trump soll – zumindest in Teilbereichen – von Putin fasziniert sein. Erleben wir derzeit die Entstehung einer neuen Weltordnung?

Naumann: Ich nehme an, dass Trump als Präsident den Versuch machen wird, ein vernünftiges Verhältnis zu Russland herzustellen. Er wird ausloten, ob Russland ein Partner oder der Gegenspieler der USA sein will. Bislang sind die Signale, die Putin sendet, eher so, dass er einen Gegner braucht, um sein Land im Inneren ruhig zu halten. Außer Nationalismus hat er seinen Landsleuten bisher wenig geboten.

Die verlässlichsten Partner der USA sitzen in Europa und vor allem in Berlin. Wird sich die Lage, wenn die starken Worte verklungen sind und Trump im Weißen Haus sitzt, wieder beruhigen?

Naumann: Ich nehme an ja. Es wird auch in den USA nicht alles so heiß gegessen wie es gekocht wird. Das Einhalten von im Wahlkampf gemachten Zusagen ist eine gemeinsame transatlantische Schwäche. Auch Trump wird nicht alles so umsetzen, wie er es gesagt hat. Er wird sicher in der einen oder anderen Form auf den Rat der Europäer hören. Und je geschlossener die Europäer auftreten, desto erfolgreicher wird es sein. Auf Deutschland kommt hier eine besondere Aufgabe zu, denn es ist – man kann es drehen oder wenden, wie man will – das stabilste Land in Europa und es will ja, so das Weißbuch, mehr Verantwortung übernehmen.

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