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Die Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten Trump könnte zur Gefahr für Deutschland werden, sagt Ökonom Clemens Fuest.

Interview mit ifo-Chef Clemens Fuest

Trumps Wirtschaftspolitik: „Wir wären einer der Hauptverlierer“

Davos - Die Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten Trump könnte zur Gefahr für Deutschland werden, sagt Ökonom Clemens Fuest. Ein Interview am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Der geplante EU-Austritt Großbritanniens und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten zeigen, dass das Konzept des Freihandels unter Druck steht. Könnte zunehmender Protektionismus die deutsche Exportwirtschaft beeinträchtigen?

Clemens Fuest (48) leitet das ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München.

Clemens Fuest: Wenn es wirklich so weit kommt, sind wir möglicherweise ein Hauptverlierer. Denn unser Wohlstand hängt mehr als in anderen Staaten vom Export und damit von offenen Märkten ab. In den letzten Jahren haben vor allem die nicht tarifären Handelshemmnisse zugenommen. Mehr und mehr Länder führen neue Regulierungen ein, die den grenzüberschreitenden Handel erschweren. Seit der Finanzkrise des Jahres 2008 wächst der Warenaustausch langsamer als früher.

Trump will Industriearbeitsplätze in die USA zurückholen. Befürchten Sie konkrete Nachteile für Autohersteller wie VW, BMW und Daimler oder den Maschinenbau?

Clemens Fuest: Grundsätzlich ist denkbar, dass deutsche Markenfirmen unter einen ähnlichen Druck geraten wie bereits Toyota, GM und Ford. Trumps Drohung lautet: Baut eure nächste Fabrik in den USA – sonst müsst ihr mit hohen Einfuhrzöllen rechnen.

In einem Interview droht Trump nun BMW & Co. mit einem Importzoll von 35 Prozent für aus Mexiko eingeführte Fahrzeuge. Welche konkreten Auswirkungen kann so etwas für deutsche Markenfirmen mit sich bringen?

Clemens Fuest: Ein Importzoll von 35 Prozent für Autos, die aus Mexiko in die USA geliefert werden, würde teilweise durch einen niedrigeren Wechselkurs des mexikanischen Peso ausgeglichen, der Pesokurs ist ja in Erwartung derartiger Maßnahmen schon gefallen. Das wäre aber nur ein teilweiser Ausgleich. Die deutschen Autofirmen würden einen Teil der Kosten tragen müssen. Das wäre unangenehm, aber zu verkraften, so lange der Zoll auf Mexiko beschränkt bleibt.

„Verantwortliches Führen“ lautet die Überschrift des diesjährigen Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. Darin steckt die Analyse, dass sich die Wirtschaftselite zu wenig um den sozialen Ausgleich gekümmert hat. Teilen Sie diese Ansicht?

Clemens Fuest: Dieser Vorwurf ist mir zu pauschal. Sicherlich gibt es immer wieder Verfehlungen einzelner Manager und Politiker. Aber es wäre überzogen, das Handeln der Wirtschaft insgesamt als unsozial zu bezeichnen.

Ist in den vergangenen Jahrzehnten Freihandel gegen die Interessen der einheimischen Arbeitnehmer durchgesetzt worden?

Clemens Fuest: Diese Aussage betont die Perspektive von reichen Ländern wie Deutschland. Ja, wenn Firmen oder Branchen wie die Textilindustrie in andere Kontinente abwandern, gehen hier auch Arbeitsplätze verloren. Es gibt nicht nur Gewinner. Allerdings entstehen parallel neue Jobs. Unser Land ist ein gutes Beispiel dafür. Obwohl unsere Importe etwa 40 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, nimmt die Zahl der Arbeitsplätze zu. Noch nie seit der Wiedervereinigung hatten hierzulande so viele Menschen eine bezahlte Beschäftigung wie jetzt. Besonders deutlich sind die Vorteile offener Märkte für Arbeitnehmer allerdings in Entwicklungs- und Schwellenländern zu erkennen. Weil Industrien und Jobs aus reichen in ärmere Länder verlagert wurden, haben dort hunderte Millionen Arbeitnehmer erhebliche Einkommenszuwächse erzielt. Wegen des ausgedehnten Handels ist die Armut weltweit zurückgegangen.

Interview: Hannes Koch

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