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Kohlekraftwerk am Kapitol

Interview mit Klimapolitik-Expertin

Expertin zu Ausstieg aus Paris-Abkommen: „USA sind der größte Verlierer“

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Der Ausstieg aus dem Pariser-Klimaabkommen wird vor allem den USA selbst schaden. Klimapolitik-Expertin Miranda Schreurs sagt im Interview, ob es dadurch sogar eine Chance für Europa gibt.

Miranda Schreurs ist Expertin für Klimapolitik – und Amerikanerin. Die Professorin unterrichtet an der Hochschule für Politik in München.

 
Das internationale Echo auf Donald Trumps Entscheidung, aus dem Klimaabkommen auszusteigen, liegt irgendwo zwischen „Weltuntergang“ und „halb so wild“. Wie ist Ihre Einschätzung?

Bereits in den vergangenen Jahren – vor Trump – waren die USA bei internationalen Umweltabkommen zurückhaltend. Auch bei Kyoto war man zum Beispiel nicht dabei. Dahinter steckt auch der Gedanke, dass man sich für nicht angewiesen hält auf die Internationale Gemeinschaft. Aber in diesem Fall sind die USA der größte Verlierer.

Warum?

Europa und China haben jetzt die Möglichkeit, sich zu den Vorreitern der internationalen Klimabewegung aufzuschwingen. Darin liegt viel Potenzial, auch wirtschaftlich. Das erkennt man auch in den USA selbst. Das Land ist geteilt. Die Staaten Kalifornien, New York oder Washington sind in der Klimapolitik genauso aktiv wie Europa. 100 US-Unternehmen wollen nun gemeinsam mit Städten und Universitäten selbstständig mit der UN verhandeln, ob sie sich nicht unabhängig von der Regierung am Paris-Abkommen beteiligen können. Daraus könnte sich eine neue Form der internationalen Zusammenarbeit ergeben – ohne Washington.

Ergibt sich aus dem US-Ausstieg eine Chance für Europa?

Sogar eine sehr große. Europa spielt bisher nur in wenigen Bereichen eine federführende Rolle. Auf diesem Gebiet hat Europa gezeigt, dass es bereit ist, so eine wichtige Rolle zu spielen. Bis jetzt war man immer sehr abhängig von den USA. Vielleicht kann Europa nun Stärke gewinnen aus neuen Beziehungen zu anderen Ländern – etwa in Asien. Das zu sagen, ist schmerzhaft für mich als Amerikanerin.

Der US-Ausstieg ist für alle anderen also verkraftbar?

Er ist natürlich schlecht. Die meisten Staaten haben sich zwar bereits so positioniert, dass sie im Abkommen bleiben wollen. Aber der Abschied der USA ist kein gutes Signal an die Länder, die vielleicht ein bisschen zweifeln.

Könnte der Austritt der USA also den befürchteten Domino-Effekt auslösen?

Die Gefahr, dass Länder aussteigen, schätze ich als eher gering ein. Aber es könnte die Umsetzung erschweren.

Inwiefern?

Eigentlich müsste bei den Zielen, die in Paris festgelegt wurden, in fünf Jahren noch einmal angezogen werden. Was bis jetzt festgelegt wurde, reicht nicht ganz aus, um das Ziel einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2 Grad zu erreichen. Alle davon zu überzeugen, noch einmal nachzulegen, dürfte schwieriger sein, wenn die USA nicht einmal bei den bisherigen Vereinbarungen mitmachen wollen.

Droht also der klimapolitische Schlendrian?

Allein der Rückzug der USA aus dem Klimaabkommen könnte im schlimmsten Fall eine zusätzliche Erderwärmung um 0,3 Grad zum Ende des Jahrhunderts bedeuten. Das ist viel. Wenn andere in der Folge weniger konsequent mitziehen, kann sich das noch stärker auswirken.

Auch Deutschland verfehlt seine Klimaziele.

Deutschland hat eine sehr wichtige Rolle gespielt beim Voranbringen der Klima- und Energiewendepolitik. Das aber nicht alles läuft, wie es laufen sollte, zeigt, dass es auch in Deutschland noch Widerstand gibt. Eine Energiewende kann man nicht mal eben einfach so umsetzen. Beim Ausbau erneuerbarer Energien und der Abschaltung der Atomkraftwerke gibt es Erfolge. Schwierigkeiten gibt es beim Kohle-Ausstieg oder beim Ausbau der Hochspannungsnetze. Deutschland ist nicht in allen Bereichen vorbildlich, aber in vielen besser als andere Länder.

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