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Heinz-Peter Meidinger,  Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands.

Interview zur Pisa-Studie mit Heinz-Peter Meidinger

„Der Durchschnittsschüler ist aus dem Blick geraten“

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München - Zu den neuen Ergebnissen der Pisa-Studie ein Gespräch mit Heinz-Peter Meidinger. Er ist Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands und Leiter des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf.

Herr Meidinger, sind Sie enttäuscht vom Ergebnis?

Sagen wir mal so: Ich bin nicht überrascht, dass es nicht im selben Maße weiter bergauf ging wie bisher. Die Ergebnisse im Pisa-Untersuchungsschwerpunkt Naturwissenschaften sind leicht rückläufig, in Mathematik gibt es Stagnation, nur bei der Lesekompetenz eine signifikante Leistungssteigerung. Es ist das erste Mal seit Pisa 2000, dass wir eine Abschwächung erleben. Das wundert mich nicht.

Warum?

Die bildungspolitischen Anstrengungen haben sich auf andere Schwerpunkte verlagert. Früher waren es Lehrerstellen und Förderstunden, um die gerungen wurde. Heute konzentriert man sich auf die Inklusion behinderter Schüler und die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber der, wenn man so sagen darf, deutsche Durchschnittsschüler ist etwas aus dem Blick verloren worden. Das Kerngeschäft Unterricht muss wieder in den Fokus geraten.

Länder wie Singapur, Japan sowie einzelne chinesische Provinzen liegen weit vorn. Ist der Abstand uneinholbar?

Mit den ostasiatischen Ländern sollten wir uns nicht vergleichen. Dem dort herrschenden schulischen Druck dürfen wir unsere Schüler nicht aussetzen. In einigen dieser Länder herrscht auch eine entsetzliche Fächer-Verengung. Musik, Kunst oder auch Gesellschaftswissenschaften kommen kaum im Unterricht vor. Die Schüler besuchen nach dem regulären Unterricht teilweise privat finanzierte Abendkurse – ein Albtraum. Die Pisa-Tests berücksichtigen das leider nicht.

Im Gegensatz zu früher wird es diesmal keine Auswertung des Pisa-Tests nach Bundesländern geben. Bedauern Sie das?

Ja. Es wäre besser gewesen, den so genannten Pisa-E-Vergleich beizubehalten. Aber die Kultusministerkonferenz hat anders entschieden. Sie verweist auf die Tests des bundeseigenen Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Dessen Leistungstests sind aber schwer mit Pisa vergleichbar. Man wird also künftig nicht mehr sagen können; Bayern rangiert auf Augenhöhe mit Finnland in der Spitzengruppe – und Bremen mit Mexiko am Schluss.

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