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Irakische Streitkräftebeginnen die Rückeroberung von Falludscha.

Irakische Truppen auf dem Vormarsch

Rückeroberung der IS-Hochburg Falludscha hat begonnen

Bagdad - In seiner Hochburg Falludscha im Irak gerät die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unter Druck. Sie schlägt an anderer Stelle zu.

m Irak hat eine Großoffensive zur Rückeroberung der IS-Hochburg Falludscha begonnen. Laut irakischer Armee drangen Eliteeinheiten am Montag aus drei Richtungen in die bislang von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierte Stadt ein. Unterstützung erhielten die Elitetruppen aus der Luft von der internationalen Militärkoalition, erklärte der verantwortliche Kommandeur Abdelwahab al-Saadi. Kurdenkämpfer eroberten nach eigenen Angaben neun Dörfer östlich von Mossul.

Elitesoldaten der Einheit CTS, Polizeikräfte und irakische Regierungstruppen hätten das nur 50 Kilometer westlich von Bagdad gelegene Falludscha gegen 04.00 Uhr (03.00 Uhr MESZ) aus drei Richtungen angegriffen, sagte al-Saadi. CTS-Sprecher Sabah al-Norman bestätigte die Angaben.

Regierung verlor bereits 2014 die Kontrolle über die Stadt

In der Stadt droht den Soldaten ein gefährlicher Häuserkampf. 2004 war Falludscha schon einmal Schauplatz blutiger Kämpfe, als die US-Truppen dort eine ihrer schwersten Schlachten seit dem Vietnam-Krieg führten. Im Zuge der IS-Offensive 2014 war Falludscha die erste irakische Stadt, über die die Regierung in Bagdad die Kontrolle verlor.

Jahja Rasul, Sprecher des gemeinsamen Einsatzkommandos, das den Kampf gegen den IS koordiniert, sagte, die Dschihadisten hätten bislang vor allem mit Scharfschützen, Sprengfallen und Selbstmordattentätern Widerstand geleistet.

Offensive in Umgebung der Stadt

Vor der Offensive am Montag eroberten die irakischen Truppen die Umgebung der Stadt. Eine führende Rolle spielte dabei die vom Iran unterstützte schiitische Miliz Hasched al-Schaabi, die nach Armeeangaben auch am Montag im Nordwesten in der Region Saklawija kämpfte.

Zehntausende Bewohner saßen weiter in Falludscha fest. Zwar gelang am Freitag hunderten Bewohnern, zumeist Frauen und Kindern, die Flucht, doch leben nach Angaben von Helfern noch immer rund 50.000 Zivilisten in Falludscha.

"Wir erwarten größere Fluchtwellen, je heftiger die Kämpfe werden", warnte der Irak-Direktor der Norwegischen Flüchtlingshilfe (NRC), Nasr Muflahi. Die Lage in den Flüchtlingslagern sei "sehr angespannt". Je mehr Menschen sich auf die Flucht begäben, desto schwieriger werde die Trinkwasserversorgung.

800 Zivilisten flüchten gen Süden

In Amrijat al-Falludscha, einer von der Regierung kontrollierten Stadt südlich von Falludscha, trafen auch am Montag Flüchtlinge ein, viele von ihnen entkräftet. Ein hochrangiger Polizeibeamter sagte, seine Leute hätten 800 Zivilisten bei der Flucht geholfen.

Laut irakischer Regierung kontrolliert der IS noch etwa 14 Prozent des Staatsgebietes, 2014 seien es 40 Prozent gewesen. Auch im Nachbarland Syrien wird der IS derzeit militärisch unter Druck gebracht.

Neben Falludscha ist die Millionenmetropole Mossul die letzte irakische Großstadt in der Hand des IS. Eine Rückeroberung Mossuls dürfte aber noch einige Zeit dauern. Der neue "Spiegel" zitiert den Chefberater von US-Präsident Barack Obama für den Krieg gegen die IS-Miliz, Brett McGurk, mit den Worten: "Wir sind noch nicht an dem Punkt, dass der Vorstoß auf Mossul beginnen kann."

Östlich von Mossul schlossen kurdische Peschmerga-Kämpfer am Montag eine zweitägige Offensive ab, bei der sie nach eigenen Angaben neun Dörfer vom IS eroberten.

In der Region Bagdad wurden bei drei Bombenanschlägen am Montag mindestens elf Menschen getötet. Zu mindestens einem der Anschläge bekannte sich der IS.

AFP

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