+
Deutsche Truppen ziehen sich seit Dienstag aus dem Irak zurück, die US-Truppen bleiben im Krisengebiet.

Nach tödlichem US-Luftangriff auf General

Iran-Konflikt: Bundeswehr zieht deutsche Truppen aus Irak ab - Nato folgt

Nach Trumps tödlichem Luftangriff gegen einen iranischen General hat die deutsche Bundesregierung reagiert. Deutsche Soldaten wurden nun aus dem Irak abgezogen.

  • Bei einem US-Luftangriff wurde der iranische Top-General Ghassem Soleimani getötet. 
  • Das irakische Parlament forderte daraufhin den Abzug aller ausländischer Truppen aus der Region. 
  • Trump will dieser Forderung bisher nicht nachkommen, die Bundesregierung lässt ihre Soldaten jedoch nach Jordanien und Kuwait verlegen. 
  • Alle bisherigen Entwicklungen im Iran-Konflikt finden Sie in unserem News-Ticker

Update 16.30 Uhr: Nach der Bundeswehr zieht wegen der Spannungen im Nahen Osten nun auch die Nato einen Teil ihrer Soldaten zeitweise aus dem Irak ab. Das bestätigte ein Sprecher des Militärbündnisses am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Zuvor hatte der „Spiegel“ darüber berichtet.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat die Verlegung von Bundeswehrsoldaten unterdessen als Sicherheitsmaßnahme bezeichnet. Soldaten, die aktuell nicht unmittelbar benötigt würden, sollten keinen unnötigen Risiken ausgesetzt werden, sagte Kramp-Karrenbauer am Dienstag auf der Winterklausur der CSU-Bundestagsabgeordneten im oberbayerischen Kloster Seeon. Die Ministerin betonte aber, dass die Soldaten gegebenenfalls jederzeit wieder in den Irak zurückkehren könnten.

Iran-Konflikt: Bundeswehr zieht deutsche Truppen ab - Maas warnt vor Erstarken des IS

Erstmeldung: Washington/Bagdad - Das im Irak eingesetzte Kontingent der Bundeswehr soll wegen der derzeitigen Spannungen teilweise nach Jordanien und Kuwait verlegt werden.

Vor allem die Standorte Bagdad und Tadschi würden "vorübergehend ausgedünnt", heißt es in einem Schreiben von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) an die Obleute im Bundestag, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

Iran-Konflikt: 27 deutsche Soldaten in Bagdad sollen verlegt werden

Das Hauptquartier für den Einsatz "Operation Inherent Resolve" soll nach dpa-Informationen teilweise nach Kuwait verlegt werden. Dies würde auch drei der in dem Hauptquartier eingesetzten Bundeswehrsoldaten betreffen. Im zentralirakischen Militärkomplex Tadschi, 30 Kilometer nördlich von Bagdad, sind 27 Soldaten für die Ausbildung irakischer Kräfte im Einsatz, die nun verlegt werden. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt befürwortete diesen Schritt bei der Winterklausur der Partei in Seeon, berichtet Merkur.de*. Insgesamt ist Deutschland mit 415 Soldaten an dem Einsatz beteiligt, darunter 120 im Irak.

Die Bundeswehr unterstützt den Kampf gegen den IS mit Aufklärungsjets und Tankflugzeugen sowie mit Militärausbildern im Irak. Mit der Regierung in Bagdad liefen Gespräche zu einer Fortsetzung des Einsatzes, heißt es in dem Schreiben an die Obleute. Und: "Selbstverständlich werden wir jede souveräne Entscheidung der irakischen Regierung respektieren." Das bekräftigte Maas auch im ZDF, obgleich er vor einem Erstarken des IS und "großer Instabilität" im Irak warnte, falls die internationalen Truppen abziehen sollten.

Trump will US-Truppen nicht aus dem Irak abziehen

Trotz der Forderung des irakischen Parlaments nach einem Truppenabzug aller ausländischen Streitkräfte hegt das US-Militär nach eigenen Angaben keine dahingehenden Pläne. "Die US-Politik in Bezug auf unsere Truppenpräsenz im Irak hat sich nicht verändert", erklärte Pentagon-Sprecherin Alyssa Farah am Montagabend (Ortszeit). Damit trat sie dem - durch einen Brief an das irakische Verteidigungsministerium entstandenen - Eindruck entgegen, das Militär habe Vorbereitungen für einen Abzug der US-Soldaten angekündigt. Generalstabschef Mark Milley bezeichnete den Brief später als Entwurf, der versehentlich publik geworden sei.

Die USA haben derzeit rund 5000 Soldaten im Irak stationiert, vor allem als Teil des internationalen Militärbündnisses für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das Parlament in Bagdad hat die irakische Regierung aufgefordert, alle ausländischen Truppen des Landes zu verweisen. Auch den irakischen Luftraum sollen ausländische Truppen künftig nicht mehr nutzen dürfen. Der Beschluss vom Sonntag war durch den tödlichen US-Luftangriff auf den iranischen Top-General Ghassem Soleimani in Bagdad ausgelöst worden.

Iran-Konflikt: Soleimani wird als Märtyrer verehrt

Soleimani soll am Dienstag in seinem Geburtsort Kerman im Südostiran beigesetzt werden. Die Regierung erklärte den Tag zu einem örtlichen Feiertag, um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich von dem ranghohen General zu verabschieden. An einem Trauerzug in der Hauptstadt Teheran hatten am Montag örtlichen Medienberichten zufolge Millionen Menschen teilgenommen. Viele riefen antiamerikanische Parolen wie "Tod den USA" und trugen Bilder Soleimanis vor sich her. Der von den USA als Terrorist betrachtete General wird im Iran nun als Märtyrer verehrt. Der US-Regierung zufolge hatte er tödliche Angriffe auf US-Bürger geplant.

Soleimani war als Chef der Al-Kuds-Einheiten der wichtigste Vertreter der iranischen Streitkräfte im Ausland und galt als Architekt der iranischen Militärstrategie im Nahen Osten. Der Iran hat im Irak großen Einfluss, stützt sich in militärischen Fragen aber vor allem auf örtliche schiitische Milizen. Sollte es tatsächlich zu einem Abzug ausländischer Soldaten aus dem Irak kommen, wäre das ein großer Erfolg für Teheran. US-Präsident Donald Trump schloss einen Abzug am Sonntag nicht aus. Er drohte dem Irak jedoch mit drastischen Sanktionen, falls das Land die US-Bedingungen für einen Abzug nicht akzeptieren würde. Trump forderte etwa die Rückerstattung von Kosten für von der US-Regierung finanzierte Infrastruktur im Irak.

Iran-Konflikt: Kommt es zum Vergeltungsschlag gegen Trump?

Die Tötung Soleimanis hat die ohnehin schon großen Spannungen zwischen den USA und dem Iran verschärft und Sorgen vor einer militärischen Eskalation des Konflikts geweckt. Die iranische Führung und ihre Verbündeten in den Nachbarländern drohen mit Vergeltung. Wann, wo und wie sie zuschlagen, ist jedoch unklar. Manche Beobachter gingen davon aus, dass der Iran erst nach Abschluss der Trauerfeierlichkeiten am Dienstag Rache nehmen dürfte.

Die internationale Krisendiplomatie läuft indes auf Hochtouren. Die EU-Außenminister planen für Freitag ein Krisentreffen in Brüssel. UN-Generalsekretär António Guterres rief erneut dringend zur Deeskalation auf. Die Welt sei in Aufruhr, sagte er. Mehr und mehr Länder würden "nie dagewesene Entscheidungen mit unvorhersagbaren Konsequenzen und dem tiefgreifenden Risiko von Misskalkulationen" treffen.

dpa

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital-Redaktionsnetzwerks.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lindner skizziert Ausweg aus Corona-Shutdown - und kritisiert Merkel: „Niemand weiß, was sie vorhat“
Die Corona-Krise schweißt die deutschen Politiker zusammen. Ungewöhnlich einig zeigen sie sich zur Verkündigung der Ausgangsbeschränkung. Doch die Debatte lässt sich …
Lindner skizziert Ausweg aus Corona-Shutdown - und kritisiert Merkel: „Niemand weiß, was sie vorhat“
Coronavirus-App als Lösung im Shutdown? Umfrage zeigt ein neues Problem
Die Politiker rund um den Globus lassen kaum etwas unversucht, um der Verbreitung des Coronavirus Herr zu werden. In Deutschland wird über die Überwachung der Handydaten …
Coronavirus-App als Lösung im Shutdown? Umfrage zeigt ein neues Problem
Nato will sich im Kampf gegen Coronavirus besser abstimmen
Alle Welt konzentriert sich derzeit auf den Kampf gegen das Coronavirus. Auch die Nato will sich stärker engagieren.
Nato will sich im Kampf gegen Coronavirus besser abstimmen
Corona-Krise in Bayern: Positiver Trend erkennbar - Söder erklärt, wie es weitergeht
In Deutschland erkranken immer mehr Menschen am Coronavirus. Doch die Kurve der Neuinfektionen flacht immer mehr ab. Für CSU-Chef Markus Söder ist es aber zu früh für …
Corona-Krise in Bayern: Positiver Trend erkennbar - Söder erklärt, wie es weitergeht

Kommentare