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Irans Präsident Raisi erscheint nicht zum Interview in New York – weil Journalistin kein Kopftuch trägt

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Von: Bettina Menzel

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Es wäre ein wichtiger Moment für den iranischen Präsidenten Raisi gewesen, sich zu den Protesten im Land zu äußern. Doch er sagte ein Interview ab, weil es die Journalistin ablehnte, in New York Kopftuch zu tragen.

New York City - Der Fall der 22-jährigen Mahsa Amini löste im Iran die schwersten Unruhen seit Jahren aus. Frauen verbrannten aus Protest ihre Hijabs, zahlreiche Zivilisten und Zivilistinnen kamen bereits ums Leben. Die internationale CNN-Chefkorrespondentin Christiane Amanpour wollte den iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi am Donnerstag treffen und auch zu diesen Vorfällen im Land befragen. Doch sein Stuhl blieb leer und das Interview scheiterte - an einem Kopftuch.

Ebrahim Raisi
Ebrahim Raisi, Präsident des Iran, spricht vor den Vereinten Nationen in New York. © Mary Altaffer/AP/dpa

Irans Präsident fordert Journalistin auf, in New York Kopftuch zu tragen

Es wäre das erste Interview von Präsident Raisi auf US-amerikanischem Boden gewesen. Das iranische Staatsoberhaupt war anlässlich seiner Rede vor der UN-Generalversammlung am Mittwoch erstmals in die USA gereist und hatte dem Gespräch mit der CNN-Chefkorrespondentin in New York City bereits zugestimmt. Doch es kam anders: „Nach wochenlanger Planung und acht Stunden Aufbau von Übersetzungsgeräten, Licht und Kameras waren wir bereit. Aber keine Spur von Präsident Raisi“, schrieb die Journalistin Christiane Amanpour dazu am Donnerstag auf Twitter.

40 Minuten nach dem geplanten Beginn des Gesprächs sei ein Berater zu Amanpour gekommen. „Der Präsident, sagte er, schlug vor, dass ich ein Kopftuch trage“, so die britisch-iranische Journalistin weiter. „Ich habe höflich abgelehnt. Wir sind in New York, wo es keine Gesetze oder Traditionen in Bezug auf Kopftücher gibt. Ich wies darauf hin, dass kein früherer iranischer Präsident dies verlangt hat, wenn ich ihn außerhalb des Irans interviewt habe.“

Der Berater habe klargemacht, dass das Interview ohne Kopftuch nicht stattfinden würde. Es sei eine „Frage des Respekts“ zitierte die CNN-Chefkorrespondentin den Präsidentenberater. Sie habe die Forderung abgelehnt, also habe das Interview nicht stattgefunden. „Da die Proteste im Iran weitergehen und Menschen getötet werden, wäre es ein wichtiger Moment gewesen, mit Präsident Raisi zu sprechen“, betonte Amanpour, die selbst teilweise im Iran aufwuchs und Ende der 70er-Jahre mit ihrer Familie wegen der islamischen Revolution fliehen musste.

Proteste im Iran „vielleicht der Anfang einer großen Veränderung“

Auf Videos in den Onlinenetzwerken ist zu sehen, wie Demonstrantinnen im Iran ihre Kopftücher abnehmen und verbrennen oder ihr Haar vor einer jubelnden Menschenmenge abschneiden., wie auch Buzzfeed News von Ippen.Media berichtet. Offiziellen Angaben des Irans zufolge kamen bei den Protesten 17 Menschen zu Tode. Menschenrechtsorganisationen wie die Organisation Iran Human Rights (IHR) sprachen bereits am Donnerstag von mindestens 31 toten Zivilisten. Auslöser der Proteste war der Tod der jungen Frau Mahsa Amini vor rund einer Woche, die offenbar wegen eines schlecht sitzenden Kopftuchs festgenommen wurde. Sie brach unter noch ungeklärten Umständen auf der Polizeiwache zusammen und wurde drei Tage später im Krankenhaus für tot erklärt.

Der iranische Präsident verwies am Donnerstag am Rande der UN-Generaldebatte vor Journalisten in New York auf das offizielle Obduktionsergebnis, bekräftigte aber, es würden Ermittlungen aufgenommen. Dies habe er auch persönlich der Familie von Amini versichert. IHR-Direktor Mahmud Amiri Moghaddam sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Proteste könnten „vielleicht der Anfang einer großen Veränderung“ im Iran sein. „Wir verfolgen die Situation der Menschenrechte und die Demonstrationen im Iran seit 15 Jahren, und ich habe die Menschen noch nie so wütend gesehen“, so der Menschenrechtsaktivist weiter (AFP/bme).

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