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Iran: Weitere Proteste nach Tod von Mahsa Amini

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Protestierende in Köln
Auch in Deutschland gingen Leute auf die Straße © IMAGO/Ying Tang

Nach dem Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam sind im Iran sind wieder tausende Menschen bei Protesten auf die Straßen gegangen.

Istanbul/Berlin - In der Nacht zum Donnerstag gab es erneut gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Auf Videos, die nicht verifiziert werden konnten, wird auch von Schüssen mit scharfer Munition auf die Proteste berichtet. Das Internet ist massiv eingeschränkt und insbesondere mobile Netzwerke sind weitgehend abgeschaltet. Auch Instagram als eines der letzten freien sozialen Netzwerke wurde gesperrt.

Unterdessen solidarisierte sich der iranische Fußballstar Ali Karimi mit den Protesten in seiner Heimat. Der Ex-Profi erhielt dafür Zuspruch vieler Iranerinnen und Iraner, die gegen den Tod einer jungen Frau im Polizeigewahrsam auf die Straßen gegangen waren. «Hab keine Angst vor starken Frauen. Vielleicht kommt der Tag, an dem sie deine einzige Armee sind», schrieb der Ex-Profi, der in der Vergangenheit auch in der Bundesliga verpflichtet war, auf Twitter. Karimi lebt selbst im Iran.

Auslöser der Proteste ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Sie war vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen worden. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah ist unklar, jedenfalls fiel sie ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück. Seitdem demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung.

Amnesty International fordert Untersuchungen

Angesichts der Proteste im Iran fordert Amnesty International Untersuchungen der Menschenrechtslage in dem Land. Notwendig sei ein «unabhängiger internationaler Untersuchungs- und Rechenschaftsmechanismus» zur verbreiteten Straflosigkeit im Iran, mahnte die Menschenrechtsorganisation am Donnerstag an die gerade tagende UN-Vollversammlung gewandt. «Die iranische Regierung verletzt seit Jahren systematisch fundamentale Menschenrechte. Willkürliche Verhaftungen, Folter, außergerichtliche Hinrichtungen sowie die brutale Niederschlagung von Protesten werden durch die grassierende Straflosigkeit gefördert», erklärte die Nahostexpertin bei Amnesty International Deutschland, Katja Müller-Fahlbusch.

Die Expertin rief auch die Bundesregierung auf, hier tätig zu werden. Im Koalitionsvertrag seien Menschenrechte als unverzichtbare Grundlage der Außenpolitik definiert worden. Dieser Selbstverpflichtung müsse die Bundesregierung deutlich und schnell Rechnung tragen. (dpa)

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