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„Eiserne Kuppel“ für Deutschland? Scholz‘ Ampel prüft offenbar Raketenschutzschild

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Von: Cindy Boden

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Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt Raketen ab (Archivbild)
Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt Raketen ab (Archivbild) © Bashar Taleb/Zuma Wire/Imago

Wie weit geht Russland im Krieg? Wie schützt sich Deutschland in Zukunft? Viele Militär-Fragen sind offen. Die Ampel denkt wohl über einen Raketenschutzschild nach.

Update vom 27. März, 13.50 Uhr: Die Bundesregierung prüft mit Blick auf den Ukraine-Krieg und die Bedrohung durch Russland den Kauf eines Raketenschutzschilds. Im Gespräch ist das israelische System Arrow 3, wie jetzt die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Agnes Strack-Zimmermann (FDP), dem Sender Welt sagte. Zuvor hatte die Bild am Sonntag berichtet (siehe Erstmeldung). Es soll Gespräche über das Abwehrsystem in Israel geben.

„Angesichts der Bedrohungslage und der unterschiedlichen Waffensysteme, die Russland hat“, müsse die Bundesregierung sich auch mit einem Raketenabwehrsystem beschäftigen, sagte Strack-Zimmermann dem Sender. Es gebe verschiedene Optionen. „Die Israelis stellen so etwas her, und deswegen macht es Sinn, sich mit diesen unterschiedlichen Szenarien nicht nur zu beschäftigen, sondern gegebenenfalls auch umgehend zu kaufen“, fuhr die Verteidigungsexpertin fort. „Das muss alles sehr schnell gehen, aber auch sehr seriös besprochen werden.“

Iron Dome für Deutschland? Scholz prüft Bericht zufolge Errichtung eines Raketenschutzschilds

Erstmeldung vom 27. März:

Berlin - Es ist eine Frage, die sich viele stellen dürften: Was passiert, wenn eine Rakete im Zuge des Ukraine-Kriegs die Nato-Grenze überquert - möglicherweise auch aus Versehen? Befürchtungen um einen Dritten Weltkrieg durch das Eingreifen des Verteidigungsbündnisses stehen immer wieder im Raum. Hinzu kommt die Frage: Wie ist Deutschland geschützt, sollte eine Rakete auf das Bundesgebiet zusteuern?

Eine „Eiserne Kuppel“, auch Iron Dome, genannt, wie Israel sie besitzt, hat Deutschland derzeit nicht. Doch über einen solchen Schutzschild wird immer wieder diskutiert - auch jetzt wieder, wenn es um die Ausstattung der Bundeswehr im Rahmen des geplanten 100 Milliarden Euro starken Sondervermögens der Ampel-Koalition geht.

Angesichts des Ukraine-Kriegs und der Bedrohung durch Russland prüft die Bundesregierung einem Zeitungsbericht zufolge nun die Errichtung eines Raketenschutzschilds über dem Bundesgebiet. Bei einer Beratung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit Generalinspekteur Eberhard Zorn in dieser Woche über die Verwendung des Sondervermögens sei auch ein solcher „Iron Dome“ Thema gewesen, berichtete die Bild am Sonntag (27. März). Konkret sei es um eine mögliche Anschaffung des israelischen „Arrow 3“-Systems gegangen.

Bundeswehr-Sondervermögen womöglich für Raketenschutzschild - Entscheidung steht noch aus

Wichtig: Eine Entscheidung soll noch nicht getroffen worden sein. Doch es gibt positive Stimmen dazu. „Wir müssen uns besser vor der Bedrohung aus Russland schützen. Dafür brauchen wir schnell einen deutschlandweiten Raketenschutzschirm“, sagte der Hauptberichterstatter im Haushaltsausschuss für den Verteidigungsetat, Andreas Schwarz (SPD), der Zeitung. „Das israelische System Arrow 3 ist eine gute Lösung.“

Das System würde der Zeitung zufolge nach Informationen aus Sicherheitskreisen zwei Milliarden Euro kosten. Da es marktverfügbar sei, könnte es demnach bereits 2025 einsatzfähig sein.

Und wie funktioniert es? Für den Raketenschutzschirm würden demnach an drei Standorten in Deutschland Flugkörper-Radarsysteme vom Typ „Super Greene Pine“ aufgestellt, die ihre Daten an den nationalen Gefechtsstand in Uedem senden. Dort würden Luftwaffen-Soldaten das Lagebild auswerten. Im Ernstfall würde von einem der im Bundesgebiet verteilten Startgeräte eine „Arrow 3“-Rakete abgeschossen, die die Angreiferrakete abfangen und zerstören würde.

Video: Wie funktioniert die israelische Raketenabwehr?

Iron Dome über Deutschland im Gespräch: Forderungen der CSU von früher

Die Radargeräte sind dem Bericht zufolge so leistungsstark, dass der Schutzschirm auch Polen, Rumänien oder das Baltikum abdecken könnte. Die Nachbarländer müssten sich dann Arrow-3-Raketen kaufen, das Radarbild würde Deutschland liefern. Schwarz sagte der Bild am Sonntag diesbezüglich: „Wir können den Iron Dome auch über unsere Nachbarländer spannen. Damit würden wir eine Schlüsselrolle für Europas Sicherheit übernehmen.“

Aus der CSU kamen Forderungen nach einem solchen System schon früher: Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Florian Hahn (CSU), forderte die Anschaffung von Raketenabwehrsystemen nach israelischem Vorbild, konkret „einen Iron Dome für Berlin“, Anfang März. Putin sei „in seinem Tyrannenwahn alles zuzutrauen.“

Experteneinschätzung zu Iron Dome über Deutschland: „Kann nur größere Städte schützen“

Doch einfach würde das Vorhaben, sollte eine endgültige Entscheidung fallen, wahrscheinlich nicht. So sagte etwa der ehemalige Nato-General Hans-Lothar Domröse kürzlich dem Redaktions­netzwerk Deutschland, dass ein Schutzschild für ganz Deutschland kaum möglich sei. „Ein Iron Dome wie in Israel kann nur größere Städte schützen“, so der Experte. Das sei zum Beispiel für Berlin, Hamburg oder München vorstellbar. „Aber einen großen Luftraum können wir mit den kostspieligen Iron Domes nicht absichern.“ (AFP/cibo)

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